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Altenburg Künftiger Landrat Uwe Melzer spricht über „eine spannende Zeit“
Region Altenburg Künftiger Landrat Uwe Melzer spricht über „eine spannende Zeit“
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00:34 14.05.2018
Der neue Landrat des Altenburger Landes, Uwe Melzer (CDU), spricht im OVZ-Interview über den Abschied aus der VG PLeißenaue und seine ersten Vorhaben im neuen Amt. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Seit 25 Jahren arbeitet Uwe Melzer in der Verwaltungsgemeinschaft Pleißenaue. Zunächst leitete der heute 57-Jährige das Bauamt, ehe er 1999 den VG-Vorsitz übernahm. Kein Wunder, dass dem CDU-Kreischef der Abschied schwer fällt. Doch der klare Sieg in der Stichwahl um den Landratsposten, den der in Serbitz lebende gebürtige Altenburger am 1. Juli antritt, ist mehr als eine Entschädigung. Grund genug, mit dem künftigen Landrat über die Zwischenzeit und seine Pläne für den Aufbruch ins neue Amt zu sprechen.

Herr Melzer, sind Sie nach Ihrem Wahlsieg gleich wieder auf Arbeit oder haben Sie das verlängerte Wochenende zum Feiern genutzt?

Ich hatte kein verlängertes Wochenende, bin direkt am Montag wieder auf Arbeit.

Wie wurden Sie in der VG begrüßt?

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich war bewusst am 30. April da, weil meine langjährige Mitarbeiterin in den wohlverdienten Ruhestand geht. Deshalb gab es zwei Anlässe, ein Gläschen zu trinken: Meinen Wahlsieg und ihren Abschied. 25 Jahre VG ist auch bei mir das weinende Auge. Ich habe das sehr, sehr gerne gemacht, die ganze Entwicklung hier miterleben dürfen. Ich habe ein tolles Team und ein sehr offenes und vertrauensvolles Verhältnis mit den Gemeinden, so dass wir bei allen Großprojekten involviert waren. Aber das Leben geht weiter und jeder ist ersetzbar.

Der VG fehlt demnächst der Lenker. Wie wird die Lücke geschlossen?

Wir haben eine Ausschreibung vorzubereiten und werden uns in einer Bürgermeisterberatung über die Modalitäten verständigen. Dann folgt – wahrscheinlich am 24. Mai – eine Gemeinschaftsversammlung, die die Ausschreibung beschließt. Anschließend wird die Stelle im Thüringer Staatsanzeiger ausgeschrieben und ich hoffe, dass ich noch mit an der Auswahl beteiligt sein werde. Bis Mitte Juni werden wir sehen, wer sich bewirbt.

Sie werden somit bis zum letzten Tag arbeiten gehen?

Ja. Ich habe noch eine Woche Urlaub. Ansonsten bin ich da.

Sind zwischen Ihnen und Michaele Sojka jetzt regelmäßige Treffen zur Übergabe geplant?

Sie hat es mir am Tag der Wahl zugesagt. Ich schätze Frau Sojka auch so ein, dass es einen geordneten Übergang geben wird. Wir haben uns das erste Mal diese Woche getroffen. Das war zum Thema Lindenau-Museum. So werden wir das sicher auch bei anderen Themen fortführen.

Apropos Lücke: Auch an der Spitze der CDU-Fraktion im Kreistag werden sie ein Loch reißen. Wie wird das geschlossen?

Es gibt mit Michael Apel, dem stellvertretenden Bürgermeister von Nobitz, einen Nachfolger für mein Mandat. Nach meinem Wissen wird er das auch annehmen. Ansonsten werden wir in der nächsten Fraktionssitzung am 24. Mai darüber reden und uns spätestens im Juni darauf einigen, wer Fraktionsvorsitzender wird.

Haben Sie Favoriten?

Ich habe zwei Stellvertreter. Mit Jürgen Ronneburger ein erfahrenes Fraktionsmitglied und mit Frank Tanzmann einen jüngeren, der sich sehr aktiv im Kreis einbringt. Aber die Fraktion soll entscheiden.

Bleibt angesichts Ihres Pensums überhaupt noch Zeit, sich mit konkreten Dingen für den Landratsposten zu befassen oder haben Sie einige Dinge schon in der Tasche?

Nein, fertig habe ich nichts, bin aber schon in Gesprächen. Ich weiß, dass im Landratsamt gute Mitarbeiter sitzen, auf die man sich verlassen kann. Vor allem im Leitungsbereich. Viele Dinge sind im übertragenen Wirkungskreis zu erledigen. Da kann man als Landrat gar nicht so weit eingreifen. Die angefangenen Projekte, wie die Sanierung des Lindenau-Museums, des Theaters und von Burg Posterstein, müssen wir zu Ende bringen. Ich setze vielleicht ein paar andere Prioritäten.

Wo konkret?

In Posterstein müssen wir erst mal dahin kommen, dass wir überhaupt einen Förderantrag stellen können und mit den Mitgliedern des Fördervereins und der Landesentwicklungsgesellschaft reden. Was auch wichtig ist, ist das Thema Region Braunkohle. Dort gab es, wie ich gehört habe, einen kleinen Dämpfer. Wir werden dennoch gemeinsam an einer Projektidee für die Nordregion arbeiten.

Was wollen sie als erstes angehen?

Das Thema Straßenzustandsanalyse bereden wir jetzt nicht noch drei Jahre. Wir haben in diesem Bereich gewissen Investitionen zu klären. Zunächst möchte ich den Ist-Stand wissen. Danach werden wir Prioritäten setzen und abarbeiten. Das gleiche betrifft die Schulgebäude. Aber hier wird es viel komplizierter als bei den Straßen. Wenn wir Menschen im Altenburger Land halten und ihre Zahl ausbauen wollen, müssen wir Schulstandorte erhalten. Allerdings wir werden erstmals Vorgaben von Schülerzahlen vom Land erhalten, an die wir uns halten müssen.

Am 22. Mai soll das neue Schulgesetz, das 2019 in Kraft tritt, bereits beschlossen werden. Die meisten Schulen im Kreis erfüllen die geplanten Vorgaben von 80 Schülern für Grundschulen auf dem Land und 160 für die in Städten, 250 für Regelschulen sowie 540 für Gymnasien nicht. Wie wollen Sie das Problem lösen, ohne Schulen zu schließen?

Ich gehe davon aus, dass es Ausnahmen geben wird. Schließlich wären es gerade einmal zwei Regelschulen im Altenburger Land, die dann eine Daseinsberechtigung hätten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das am Ende das Ergebnis wird. Aber sicher spielen Kooperationen zukünftig eine Rolle. Dabei will ich alle ins Boot holen: Schulverwaltung, Kreistag, Bürgermeister und Schuldirektoren, vielleicht sogar die Elternsprecher. Mit ihnen möchte ich gemeinsam anhand der gesetzlichen Vorgaben und Möglichkeiten, die wir im Altenburger Land haben, Schulnetzplanung machen. Da kann es sicher Veränderungen geben, aber wenn diese von den Betroffenen akzeptiert werden, dann habe ich auch gegenüber dem Wähler Wort gehalten.

Sollte man sich also auf Teilschließungen oder auf Kooperationen, die die Aufgabe der Selbstständigkeit von Schulen bedeuten, einigen, wäre das für Sie ein gangbarer Weg?

Wenn der Standort erhalten bleibt, ja. Wir kriegen es bei jungen Leuten mit, die herkommen und fragen: Habt ihr einen Kindergarten, habt ihr schnelles Internet und wo ist euer Schulstandort? Wenn da nichts ist, suchen sie sich etwas anderes. Da werden wir eine Lösung finden, auch weil wir einen engagierten Ausschuss und vor allem engagierte berufene Bürger haben, die Fachleute sind.

Auch mit Gemeinden und Medien wollen Sie besser zusammenarbeiten. Wie genau?

Als Noch-Geschäftsführer des Gemeinde- und Städtebundes im Kreisverband werde ich dafür werben, dass ein Landrat zu Mitgliederversammlungen oder zu bestimmten Themen mit eingeladen wird. Ich möchte versuchen, in jedem Verwaltungsbereich des Kreises einmal im Jahr eine Arbeitsberatung zu machen, um die Sorgen und Nöte zu besprechen und in die Arbeit einfließen zu lassen. Ich will Landrat des ganzen Altenburger Landes sein. Analog dazu soll die Medienarbeit durch regelmäßige Pressegespräche besser werden. Mal sehen, in welchen Abständen.

Sie versprachen, den Mitarbeitern des Landratsamts wieder zeigen zu wollen, dass sie wichtig sind. Wie wird das aussehen?

Ich verlange Leistung von meinen Mitarbeitern. Ich werde aber als Landrat ein Partner meiner Verwaltung sein. Das ist bei 500 Leuten schwerer zu organisieren als bei 50 hier in der VG. Aber ich will, dass alle merken, dass ich ansprechbar bin – vor allem bei dringenden Problemen. Ich arbeite seit vielen Jahren auf den verschiedensten Ebenen mit Mitarbeitern des Landratsamts zusammen, bin der festen Überzeugung, dass sie mich achten und will, dass das in der neuen Position so weitergeht.

Wird es ab 1. Juli Änderungen in der Organisationsstruktur im Landratsamt geben?

Im Grunde nicht. Ich werde mir das mit den erfahrenen und engagierten Kollegen des Fachdienstes IT und Organisation in aller Ruhe anschauen und dann sehen, was wir gegebenenfalls optimieren können. Da muss aber keiner Angst haben. Ich gehe von der Situation aus, wie wir sie jetzt haben. Die ist damals auch durch den Arbeitgeberverband empfohlen worden, wofür auch ich 2016 die Hand gehoben habe. Ansonsten müssen wir für die nächsten Jahre ein Personalentwicklungskonzept machen. Insgesamt freue ich mich auf die kommenden sechs Jahre. Das wird eine spannende Zeit und ich hoffe, dass wir zeigen können, dass etwas entsteht.

Von Thomas Haegeler

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