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Kunst auf Papier

Kunst auf Papier

Zu einem "Wochenende der Grafik" hat am Samstag und Sonntag das Lindenau-Museum eingeladen. An der gemeinsamen, nunmehr zum sechsten Mal stattfindenden Veranstaltung zahlreicher grafischer Sammlungen und Kupferstichkabinetten in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz nahm das Altenburger Museum zum dritten Mal teil.

Altenburg.

Einen ganz besonderen Platz hatte dabei der Familiensonntag inne, den die Mitarbeiter des Studios für Bildende Kunst unter das Motto "PapierEntfaltung" stellten.

 

Viele Neugierige finden sich an diesem Nachmittag in den Werkstätten zum Zuschauen und Mitmachen ein, darunter der achtjährige Adrian, der mit seiner Familie und Freunden extra aus Leipzig angereist ist. Vater Robert Schimke, Mitglied im Förderverein, las im monatlich erscheinenden Flyer von der Veranstaltung und war begeistert. "Das ist eine schöne Gelegenheit, dass Kinder kreativ werden und selbst zum Werkzeug greifen können", so der Familienvater. Die Monotypie, ein Verfahren der bildenden Kunst, bei dem auf eine Glasplatte mit Farbe gemalt wird und solange diese noch feucht ist, mittels Presse auf das Papier gedruckt wird, will auch Adrian ausprobieren. Mit dem Ergebnis, einem grasgrünen Dinosaurier, ist er zufrieden: "Obwohl ich natürlich noch mehr Farbe hätte nehmen können, denn so ist er ein bisschen blass", gibt er zu.

 

Das Verfahren des Plissierens studieren an diesem Nachmittag die Gymnasiastinnen Angela und Karolin. Die beiden 15- und 13-jährigen Mädchen nehmen die aus dem Jahre 1870 stammende Plissiermaschine, die Ulrike Weißgerber aus dem Fundus ihres Mannes mitbrachte, zum ersten Mal in Betrieb und sind erstaunt über die vielfältigen Möglichkeiten, die aus Papier entstehen können. Das Lindenau-Museum ist den beiden Teenagern bestens bekannt, denn seit ihrem sechsten Lebensjahr nehmen sie an den künstlerischen Kursen im Studio Bildende Kunst teil. Derzeit besuchen sie jeden Freitag den Kurs "Malerei und Grafik" bei Markus Bläser. Im Raum nebenan gestaltet der sechsjährige Adrian eine Schabzeichnung zusammen mit dem Museumspädagogen Tilmann Kuhrt. "Ein Eichhörnchen soll es werden" erklärt er und setzt dabei das Messer an, um seinem Bild den letzten Schliff zu verleihen.

 

In der zweiten Etage lauschen derweil Teilnehmer der Museumspädagogin Angelika Wodzicki über einen Vortrag zu Gerhard Altenbourgs Werk "Der schniefende Zwinkerblick", der sich nicht gleich beim ersten Hinschauen ergibt. Dafür reicht die Pädagogin die Taschenlampe, um das Bild genauer zu erkunden und das "zuckende" Augenlid zu erkennen. Dieses Kunstwerk befindet sich in der Altenbourg-Sammlung, die heute weltweit zu den größten Werkbeständen des Künstlers in musealem Besitz zählt.

 

Altenbourg, der 1955 den Namen der Stadt als Künstlernamen annahm und ihn durch das "o" ergänzte, signalisierte damit seine Zugehörigkeit zur Skatstadt. "Dem großen Zauberer auf dem Papier", so wie ihn Professor Lothar Lang bezeichnet, gelang es mit seinen Werken - insgesamt 3000 Zeichnungen und Gemälde, 1400 Grafiken, 14 Bücher und 80 plastische Arbeiten - eine Spur in der zeitgenössischen Kunst zu ziehen und damit einer mutigen, von humanistischer Weltanschauung geprägten Persönlichkeit ein Denkmal zu setzen.

 

Trotz einer geringeren Besucherzahl als in den vergangenen Jahren zeigt sich Angelika Wodzicki zufrieden. "Das Grafikwochenende bot wieder einmal die besondere Gelegenheit, nur selten sichtbare Meisterwerke zu bestaunen, die Vielfalt grafischer Techniken kennenzulernen sowie sonst verschlossene Depots zu erkunden und hat damit eben nicht die breite Masse angesprochen", resümiert sie.

Franziska Beer

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