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Kunstvoller Kabinettschrank zurück im Altenburger Schloss

Filigraner Schatz Kunstvoller Kabinettschrank zurück im Altenburger Schloss

Die Vorbereitungen für die neue Dauerausstellung zur herzoglichen Linie im Altenburger Residenzschloss schreiten weiter voran. Weiterer Neuzugang: Ein kunstvoll gefertigter Kabinettschrank, der dereinst in den Räumlichkeiten beheimatet war – und der einige interessante Fragen parat hält.

Museumsmitarbeiterin Beatrice Weinhold-Hauke präsentiert den prächtigen Kabinettschrank, der ab Ende September in der neuen Dauerausstellung im Altenburger Residenzschloss zu sehen sein wird.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Es geht voran bei der Einrichtung des neuen Dauerausstellungsbereichs im Altenburger Residenzschloss. Nachdem vor Kurzem bereits ein altes Bärenfell mit durchaus kurioser Vergangenheit seinen Weg in die herzoglichen Räumlichkeiten fand (die OVZ berichtete), können die Macher nun ein neues Schmuckstück im Schloss begrüßen. Und zwar eines, das einen ganz eigenen Einblick in die deutsche Zeitgeschichte bietet.

Die Ausstellung, die ab dem 23. September für die Besucher geöffnet sein wird, befasst sich ausgiebig mit der jüngeren herzoglichen Linie in den Regierungsjahren zwischen 1826 und 1918. Die eigentliche Provenienzforschung zum Verbleib der ehemaligen Schlossausstattung beginnt entsprechend mit dem Ende des Ersten Weltkrieges – damals trat der letzte regierende Herzog Ernst II. ab – und reicht bis in die Gegenwart.

Als Ergebnis der Recherchen der Ausstellungsmacher kann nun ein Kabinettschrank wieder an seinem ursprünglichen Standort im Schloss gezeigt werden. Das Stück, eine Leihgabe des Stadtmuseums Jena, war 1955 zusammen mit weiteren Inventarstücken aus dem Schloss Fröhliche Wiederkunft in Wolfersdorf dem Museum übergeben worden.

Kunstvoller Verzierungen schmücken den Schrank

Kunstvoller Verzierungen schmücken den Schrank.

Quelle: Mario Jahn

Das filigran gearbeitete Möbel besteht aus einem tischartigen Unterteil und einem kastenförmigen Oberbau. Verarbeitung und Material des Untergestells deuten auf eine Fertigung im 19. Jahrhundert hin. Der Aufsatz, der flächendeckend mit reichen Intarsien aus farbig unterschiedlichen Hölzern verziert ist, datiert hingegen auf das 17. Jahrhundert.

Für das ausgefallene Möbelstück wurden Nussbaum, Palisander, Ahorn, Buchsbaum und Vogelaugenahorn verarbeitet. Zwischen üppigen floralen Motiven sitzen Vögel, auf den Türinnenseiten befinden sich Trophäen. Die Außenseite beider Türen zieren – jeweils umgeben von Blumenarrangements – ein Fürstenhut und das gespiegelte Monogramm „F“ und „W“. Im Inneren finden sich insgesamt 16 Schubkästen und ein größeres Ablagefach mit Tür. Darauf zu sehen: Die mit einem Fürstenhut gekrönte Inschrift „Honi Soit Qui Mal Y Pense“ („Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“) – die Devise des englischen Hosenbandordens.

Diese Komposition, so die Ausstellungsverantwortlichen, wirft indes verschiedene Fragen auf, denn offensichtlich sind die oberen und unteren Schrankteile nicht gleichzeitig entstanden, aber letztlich doch zu einem einzigen Möbel vereint. Die Frage: In welchem Zusammenhang wurde die Inschrift des Hosenbandordens so zentral und von Blumenwerk umgeben platziert?

Vermutet wird, dass die Inschrift in Verbindung zu den die Türen zierenden Initialen steht. „FW“ könnte sich, so eine mögliche Antwort, auf Herzog Friedrich Wilhelm II. von Sachsen-Altenburg (1603 bis 1669) beziehen. Dieser war jedoch nicht Mitglied des Hosenbandordens. Wahrscheinlicher sei ein Verweis auf Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620 bis 1688). Er erhielt 1654 den Hosenbandorden. Das Möbelstück, so die Vermutung, könnte also aus seinem Besitz stammen.

Die Spurensuche mit Blick auf das Möbelstück verdeutlicht den großen Aufwand, den die Macher der Dauerausstellung in Sachen Provenienzforschung betreiben. So wurden und werden im Landesarchiv Altenburg zahlreiche alte Schlossinventare gesichtet. Darin lassen sich – jeweils raumweise – die Verzeichnung von Fenstern, Türen, Gardinen, Gemälden und Möbeln nachvollziehen. Erschwert wird das Vorhaben indes dadurch, dass die Inventare statt ausführlicher Beschreibungen oftmals lediglich knappe Aussagen in Form der Benennung der Objekte und wenig detaillierte Beschreibungen enthalten. Erbteilungen und politische Veränderungen wirkten sich zusätzlich auf die Bestandssituation aus. Nicht selten fanden etwa Umverteilungen und Verkäufe in den zum Herzogtum gehörenden Liegenschaften statt – die Aufarbeitung der Geschichte eines Objekts ist im Einzelfall oft schwer zu bewerkstelligen.

Ebenfalls schwierig zu rekonstruieren sind die genauen Wege, auf denen Möbel aus dem Residenzschloss gelangten. Nach der Abdankung von Herzog Ernst II. im November 1918 wurde rasch ein groß angelegter Inventarverkauf durchgeführt. Das Interesse am Erwerb ehemaliger herzoglicher Besitztümer war enorm. Zeitzeugen, so die Ausstellungsmacher, berichten, dass Ernst II. auch später noch Mobiliar aus seinem letzten Wohnsitz auf Schloss Fröhliche Wiederkunft veräußerte. Nach seinem Tod 1955 wanderten zahlreiche Möbel, Gemälde und weitere kunsthandwerkliche Objekte in Museen in Thüringen und Berlin.

Entsprechend begeben sich die Ausstellungsmacher auf Spurensuche, vorrangig in alten Schlossinventaren, in denen über aufgestempelte Inventarnummern oder Klebezettel die Herkunft der Objekte nachvollzogen werden kann. Ebenso ergiebig ist der Kunsthandel. Allerdings können Stücke zumeist nicht einfach erworben werden – zumeist aus Kostengründen. Ausnahmen sind indes möglich: So konnten bereits vor zwei Jahren dank eingeworbener Spenden zwei große Porzellanvasen für das Schlossmuseum gekauft werden.

Für die neue Dauerausstellung ist nun vereinbart worden, dass die verfügbaren und zum Residenzschloss gehörigen Stücke wieder nach Altenburg kommen sollen. Dank einer im Landesarchiv vorliegenden Fotografie lässt sich zudem der ehemalige Standort des Schrankes im Schloss lokalisieren.

So kann das Möbelstück an seinem einstmals angestammten Platz zu einem der Blickfänge der Ausstellung werden.





Von ovz

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