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Kuntze-Coup: Die Milster übernimmt Musical-Hauptrolle in Altenburg

Theaterchef beim Theaterverein Kuntze-Coup: Die Milster übernimmt Musical-Hauptrolle in Altenburg

Überrascht von der überwältigenden Resonanz auf das Piaf-Ballett, enttäuscht über die vielen leeren Plätze im „Don Pasquale“, insgesamt aber sehr zufrieden mit der zu Ende gehenden Spielzeit – so präsentierte sich Theaterchef Kay Kuntze beim Altenburger Theaterverein. Und er hat zwei Bonbons für die Skatstädter mitgebracht.

Solistin – hier bei einem Konzert in Leipzig – war Angelika Milster (65) schon mehrmals in Altenburg. Erstmals aber spielt sie im Landestheater.

Quelle: Kempner

Altenburg. Was denn eigentlich für ihn das schönste Stück oder die schönste Inszenierung der zu Ende gehenden Spielzeit gewesen sei, wollten die Altenburger Theaterfreunde vom Theaterchef wissen. „Fragen Sie doch mal einen Vater nach seinem Lieblingskind“, konterte Kay Kuntze. Was nicht nur ausgesprochen diplomatisch, sondern in gewissem Maße auch verständlich war. Denn bei sage und schreibe in Summe über 900 Vorstellungen in Altenburg und Gera dürfte eine solche Entscheidung wohl jedem schwer fallen.

Weitaus leichter ging dem Generalintendanten beim seinem traditionellen Besuch zum Spielzeitende im Altenburger Theaterverein am Donnerstag eine andere Aussage über die Lippen: „Das Theater hat die Zuschauerzahl erneut gesteigert, um fast 3000 auf nunmehr 142 840“, berichtete Kuntze. Zwar bezieht sich die Zahl auf das Kalenderjahr 2016 und tangiert somit zwei Spielzeiten, doch Grund zur Freude sei das allemal. Denn dies bedeutet eine Auslastung von über 75 Prozent – für deutsche Theater ein Traumergebnis. Wenngleich die Auslastung in Gera erneut höher war als in Altenburg.

Besonders enttäuscht zeigte sich Kuntze von den vielen leeren Plätzen im Landestheater bei der Donizetti-Oper „Don Pasquale“. „Ein großes italienisches Repertoire-Stück, das eigentlich hätte laufen müssen“, ist der Theaterchef noch immer etwas ratlos über die Gründe des Desinteresses. Auch die Philharmonischen Konzerte laufen in Altenburg nach wie vor deutlich schlechter als in Gera.

Viele andere Stücke seien aber ganz hervorragend angenommen worden, waren sogar ausverkauft. Hier zeigte sich Kuntze besonders bei „Piaf – La vie en rose“ überaus positiv überrascht, da Ballett sonst eher nicht so der Favorit bei den Skatstädtern sei. Den massiven Wünschen nicht nur des Theatervereins, dieses Stück in der neuen Spielzeit deshalb wieder aufzulegen, wurde indes nicht entsprochen. Es wird nur in Gera gezeigt. „Wir hatten es vor, aber es war nicht zu schaffen“, bekannte Kuntze. Den Vorschlag der Theaterfreunde, dann wenigstens – wie schon in Gera geschehen – ein Konzert mit der Künstlerin ohne Ballett zu organisieren, will er prüfen.

Stiefmütterlich würden die Altenburger aber dennoch nicht behandelt, so der Intendant und holte gleich zwei Bonbons aus der Tasche. So erlebt das neue Musical „Sunset Boulevard“ gleich im September seine Premiere am Landestheater – mit Angelika Milster in der Hauptrolle. Auf die Frage, wie er die deutschlandweit bekannte Künstlerin für das Altenburg-Geraer Theater gewinnen konnte, meinte Kuntze lapidar: „Ich habe sie einfach angesprochen.“ Denn eine solche Rolle brauche eine Diva, einen Star. Entsprechend brummt schon jetzt der Vorverkauf.

Und auch das Weihnachtsprogramm dürfte sehr nach dem Geschmack des hiesigen Publikums sein: Erstmals gibt es, um die Wartezeit für die Kinder zu verkürzen, am Vormittag des Heiligen Abends eine Aufführung: 10.30 Uhr das Familienmusical „Tschitti tschitti bäng bäng“. „Das ist auch für die Theatermitarbeiter eine Herausforderung“, weiß Kuntze. Das Musical läuft gleich nochmal am Abend des ersten Feiertags, und am zweiten steht das diesjährige Weihnachtsmärchen „Der gestiefelte Kater“ auf dem Programm. Jede Menge Möglichkeiten also, Theaterkarten als Geschenke zu verteilen, und das nicht nur zu Weihnachten.

Auch die Vorsitzende des Theatervereins, Barbara Grubitzsch, zeigte sich im OVZ-Gespräch überaus zufrieden sowohl mit der jetzigen als auch dem Programm für die neue Spielzeit. „Unser Theater hat einen guten Ruf weit über die Stadtgrenzen hinaus. Nicht nur im Repertoire, sondern auch bei Bühnenbild, Kostümen und Maske sind wir sehr gut aufgestellt.“

Große Sorgen um die Zukunft von Thüringens einzigem Fünf-Sparten-Theater müsse man sich angesichts der bis 2021 gesicherten Finanzierung eigentlich nicht machen. Wenn da nicht die Bühnenmaschinerie im Landestheater wäre, die wie ein Damoklesschwert über Altenburg schwebe, so Kuntze. Angesichts der gerade erst einmal für die Planung beantragten Fördergelder sei mit einem Beginn der Sanierungsarbeiten nicht vor 2020 zu rechnen. Kaputtgehen könne die Maschinerie hingegen jederzeit.

Von Ellen Paul

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