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Altenburg Lärm am Altenburger Güterbahnhof macht Anwohnern zu schaffen
Region Altenburg Lärm am Altenburger Güterbahnhof macht Anwohnern zu schaffen
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17:12 12.09.2018
Reiner Wolf auf der Brücke am Güterbahnhof. Wenn dort entladen wird, dringt der Lärm bis in die nahe Siedlung „Am Wolfenholz“. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Als Gisela und Reiner Wolf vor einigen Wochen die OVZ lasen, fielen ihnen fast die Kaffeetassen aus der Hand. Grund: der Beitrag „Alte Ladestraße am Bahnhof erlebt ihren zweiten Frühling“. Darin ging es um die in den vergangenen Jahren wieder aufgeblühten Aktivitäten am Altenburger Güterbahnhof, den die in Ulm sitzende und in Nobitz tätige Firma Heim gepachtet hat, um Kies, Schotter & Co. zu transportieren. Als es wenig später hieß, dass Heim expandiert, waren die beiden Rentner endgültig alarmiert. Denn das ist genau ihr Problem, weil sie den Lärm in ihrer Wohnung hören.

Bis vor zwei Jahren war Zugverkehr kein Problem

„Zweiter Frühling – das klingt ja, als ob es noch schlimmer wird“, sagt Gisela Wolf. Die frühere Lehrerin und der Ex-Polizist leben in der Wohnanlage „Am Wolfenholz“ in der Leipziger Straße, fühlen sich von dem Lärm des nahen Güterbahnhofs gestört und fürchten um einen Wertverlust ihrer Eigentumswohnung. Als die Eheleute anno 2000 kauften, habe sie vor allem „die ruhige Lage am Rand des Wolfenholzes beeindruckt“, erzählt die 71-Jährige. „Der circa 400 Meter unterhalb des Berges gelegene Bahnhof mit seinem Zugverkehr war zu diesem Zeitpunkt kein Problem.“

Das änderte sich in den vergangenen beiden Jahren. Erst durch den Ausbau des Geländes durch die Deutsche Bahn 2016, dann durch die Aktivitäten. „2017 mussten wir feststellen, dass sich der Güterbahnhof zum dauerhaften lautstarken Industriegebiet entwickelte“, erzählt das Ehepaar. Bereits ab morgens 5 Uhr sei „das kreischende und quietschende Geschehen“ zu hören gewesen. „Besonders laut ist es im Winter, wenn die Bäume keine Blätter haben“, so der 75-Jährige. „Die schwere Baggerschaufel wird gegen die Bordwand der Güterwaggons oder LKW geknallt, um das Ladegut zum Nachrutschen zu bringen.“ Das geschehe offenbar, weil sich das Schüttgut bei kühleren Temperaturen schlechter von den Wänden der Waggons löse. Auf dem Balkon der Wolfs hört man die Geräusche auch im Sommer ziemlich deutlich.

Ehepaar sucht Gespräch mit Beteiligten

Das wollten Gisela und Reiner Wolf nicht akzeptieren und wurden aktiv. Bei einem Vor-Ort-Termin mit Verantwortlichen der Firma Heim, der Deutschen Bahn und des Landratsamtes verständigte man sich Ende 2017 darauf, die Arbeitszeit auf 6 bis 22 Uhr zu begrenzen und „weitere lärmreduzierende Maßnahmen“ zu prüfen. An die Arbeitszeiten wird sich zumeist gehalten, sagt ein Lärmprotokoll der Familie aus dem vergangenen Monat. „Doch es stört trotzdem, weil nur Sonntag Ruhe ist“, so Gisela Wolf. Denn auch samstags werde bis Mittag gearbeitet. Das betreffe nicht nur sie, sondern auch andere Bewohner der Wohnanlage. „Aber manche sagen, es bringe nichts, sich mit der Bahn anzulegen und andere ärgern sich im stillen Kämmerlein.“

Allerdings ist für die Einhaltung des Lärmschutzes nicht – wie üblich – das Landratsamt als Untere Immissionsschutzbehörde zuständig, sondern die Bahn selbst, genauer das Eisenbahn-Bundesamt (EBA), teilt die Fachdienstleiterin Natur- und Umweltschutz, Birgit Seiler, auf Nachfrage mit. Grundlage dafür sei, dass sich die Ladestelle Altenburg auf einer Betriebsanlage der Bahn befinde, die vom EBA kontrolliert werde. Ihre Behörde könne da nur „Hinweise und Anregungen aus unserer örtlichen Kenntnis heraus“ geben.

Bahn prüft Lärmschutz und ordnet weitere Maßnahmen an

Auf eine entsprechende Anfrage teilt die Bahn mit, dass man die Einhaltung der Arbeitszeiten an der Verladestation regelmäßig überprüfe, „teilweise wöchentlich“. Obwohl für den Umschlagpunkt im Altenburger Güterbahnhof seitens des EBA „eine Betriebserlaubnis ohne zeitliche Einschränkungen vorliegt, haben wir die Nutzer für eine umschlagfreie Zeit von 22 bis 6 Uhr sensibilisiert“, heißt es weiter. Montags bis freitags werde von 6 bis 17 Uhr, samstags von 6 bis 12 Uhr gearbeitet.

„Darüber hinaus sind weitere lärmreduzierende Maßnahmen ergriffen worden“, erklärt die Bahn. „Das Personal wurde eingewiesen, möglichst nicht mit den Greifgeräten die Waggonwände zu streifen. Die eingesetzten LKW verfügen zum Teil über Gummipuffer zur Lärmverminderung beim Zurückschlagen der Verladeklappe.“ Außerdem sollen weitere LKW bis Jahresende mit Puffersystemen ausgestattet werden. Ob das die Sache für Familie Wolf und andere Anwohner verbessert, bleibt indes abzuwarten.

Von Thomas Haegeler

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