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Altenburg Lage der Vereine im Altenburger Land wird untersucht
Region Altenburg Lage der Vereine im Altenburger Land wird untersucht
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04:19 31.07.2018
Michael Apel Quelle: privat/Michele Kreibom
Altenburg

Nachwuchsmangel wird im Altenburger Land immer wieder als erstes genannten, wenn Vereine nach ihren größten Sorgen gefragt werden. Gerade im ländlichen Raum fürchten Kleintierzüchter, Gartensparten, Heimat- oder auch Sportvereine, eines Tages einfach zu verschwinden, weil ihnen die Mitglieder ausgehen. Dabei gilt der Verein doch als der wichtigste Rahmen für ehrenamtliches Engagement. Doch das wiederum ist gerade in den Dörfern die tragende Säule des Zusammenlebens – angefangen beim Kommunalpolitiker über die Vereine bis hin zum Helfer bei Volksfesten.

Oder kommt doch alles anders? Sind überhaupt drohende Überalterung und demografischer Wandel Ursache beispielsweise für Probleme in Vereinen? Oder sind sie vielmehr die Folgen ganz anders gearteter Probleme. Eine Antwort auf diese Fragen versucht derzeit Michael Apel, Projektleiter in der gemeinnützigen Unternehmergesellschaft W³ Wandel-Werte-Wege, zu finden. Für Aufmerksamkeit sorgte die W³ bereits mit der Kultivierung von Safran in Altenburg (die OVZ berichtete). Das Projekt „Engagement mit Zukunft (?) – Handlungsmodelle für die demografiefeste Aufstellung von ehrenamtlichen Vereinsstrukturen“ ist nun ein weiteres Projekt unter dem Dach der W³, das über drei Jahre mit über 92 000 Euro vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördert wird.

Letzten Endes eine Art „Werkzeugkoffer“ zu entwickeln mit Tools, die den Vereinen eine Zukunft sichern, fasst Apel das Ziel der dreijährigen Arbeit zusammen. Welche Tools für den Werkzeugkoffer passen könnten, das ist noch weitestgehend unklar. Nicht etwa, weil Apel keine Ideen hätte oder sich sozialwissenschaftliche Publikationen nicht damit befassen. An beidem mangelt es nicht. „Aber es gibt noch keine Zahlen und Daten über die tatsächliche Ist-Situation im Kreis“, sagt Apel. Statistisch hinterlegt ist, dass das Altenburger Land zu den Kreisen mit der ältesten Wohnbevölkerung in ganz Deutschland zählt. „Darüber hinaus gibt es zwar viele Mutmaßungen, aber wenige Daten“, erklärt Apel.

Deshalb sei der erste Schritt seines Projektes eine Befragung der Vereine. Momentan feilt Apel am Fragebogen. „Gerade läuft die Pilotbefragung von sechs Vereinen“, so der Projektleiter. Ist er mit dem Fragenkatalog zufrieden, wird er etwa im Herbst den Vereinen vorgelegt – mit der Bitte, ihn auszufüllen. Insgesamt 60 Vereine will beziehungsweise muss Apel befragen, um ein repräsentatives Ergebnis zu erhalten. „Am Horizont scheint sich abzuzeichnen, dass die Altersstruktur der Vereine nur ein Problem ist, dass der demografische Wandel wie ein Katalysator wirkt und Probleme verstärkt, die es davor schon gab“, sagt Apel.

So sei etwa zu beobachten, dass sich die Bürger zwar nach wie vor gern ehrenamtlich engagieren, etwa bei der Organisation des Dorffestes kräftig mit anpacken, sich aber nicht mit einer Vereinsmitgliedschaft binden wollen. „Aus diesem Grund möchte ich herausfinden, ob der Verein wirklich der wichtigste Ort für ehrenamtliches Engagement ist.“ Möglicherweise sind andere Organisationsstrukturen, wie beispielsweise gemeinnützige Unternehmergesellschaften oder Genossenschaften, günstiger als ein Verein, gibt Apel einen Ausblick auf die potenziellen Tools im „Werkzeugkoffer“. Das könnte auch bei einem anderen Problemfeld vieler Vereine – der zu bewältigenden Bürokratie – Linderung verschaffen.

„Davon abgesehen möchte ich hinterfragen, ob der demografische Wandel tatsächlich so schlecht für die Vereine ist, wie allgemein angenommen“, wirft der studierte Volkswirt eine weitere Frage auf. Denn in der Literatur gebe es auch ein anderes Szenario, dass nämlich in den nächsten Jahren junge-alte in die Vereine eintreten. Und zwar jene, die bereits im Rentenalter sind, sich aber gern engagieren wollen, wozu sie vorher berufs- und familienbedingt nicht gekommen sind. Das Ergebnis der Studie der W³ Wandel-Werte-Wege ist also nach allen Seiten offen. „Ich bin gespannt, welche These bestätigt und welche widerlegt wird“, meint Apel.

Von Jörg Reuter

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