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Landestheater Altenburg: Ballett-Abend über Edith Piaf löst Jubelstürme aus

Premiere Landestheater Altenburg: Ballett-Abend über Edith Piaf löst Jubelstürme aus

Silvana Schröder hat sich selbst übertroffen. Während nach der gefeierten Premiere ihres Balletts „KeimZeit“ ein regelrechter Run auf die Karten für die nachfolgenden Aufführungen einsetzte, sind die Tickets für die Piaf-Abende so gut wie alle schon weg, bevor sich der Vorhang überhaupt zum ersten Mal gehoben hat. Altenburg erlebte eine umjubelte Premiere.

Auf roten Rosen in den Tod – Vasiliki Roussi gibt Edith Piaf Stimme und Gesicht.

Quelle: Sabina Sabovic

Altenburg. Silvana Schröder hat sich selbst übertroffen. Während nach der gefeierten Premiere ihres Balletts „KeimZeit“ ein regelrechter Run auf die Karten für die nachfolgenden Aufführungen einsetzte, sind die Tickets für die Piaf-Abende so gut wie alle schon weg, bevor sich der Vorhang überhaupt zum ersten Mal gehoben hat. „Schuld“ daran ist die Chefin des zum hiesigen Theater gehörenden Thüringer Staatsballetts selbst. „Ich bin eine Choreografin, die sehr gern Geschichten erzählt. Nicht eine Choreografin, die nur Bewegung an sich sprechen lässt“, sagt Schröder.

Und das hat sie mit ihrer jüngsten Inszenierung „Piaf – La vie en rose“, die am Sonnabend am Landestheater ihre umjubelte Premiere erlebte, in Vollendung getan. Da sind auf der Bühne nicht nur die Tänzerinnen und Tänzer der Companie zu erleben, sondern es wird zugleich erklärender Text gesprochen, es werden Fotos und Zitate an die Leinwand projiziert, und vor allen Dingen gibt eine Schauspielerin der legendären Französin Stimme und Gesicht. Das ist schon fast eine Crux, denn mitunter weiß das Auge des Zuschauers gar nicht, wohin es seinen Fokus zuerst legen soll.

Der 100. Geburtstag der im Alter von nur 47 Jahren viel zu früh verstorbenen, weltweit bekannten Künstlerin im Vorjahr war für Silvana Schröder der Anlass, das Leben von Edith Piaf in einem Ballettabend zu erzählen. Stoff hatte die Choreografin dafür mehr als genug: die schwierige Kindheit auf den Straßen von Paris, die Entdeckung als Sängerin, der Aufstieg als gefeierter Star, die zahlreichen Liebesbeziehungen, die nicht minder zahlreichen Alkohol- und Drogenexzesse und der frühe Tod.

Alina Dogodina als die private Edith Piaf mit ihrer großen Liebe, Boxweltmeister Marcel Cerdan (Kristian Matia)

Alina Dogodina als die private Edith Piaf mit ihrer großen Liebe, Boxweltmeister Marcel Cerdan (Kristian Matia)

Quelle: Sabina Sabovic

In der Ballettinszenierung wird die Piaf dafür in zwei Personen gespalten: die private mit ihrer ständigen Sehnsucht nach Liebe und die öffentliche als große Künstlerin. Alina Dogodina, seit über zehn Jahren Tänzerin im Staatsballett, zeigt erstere in ihrer Sehnsucht nach Liebe, ihrer ganzen Verletzlichkeit. Zwei Stunden tanzt sie nonstop, brilliert mit Solos ebenso wie in den Duetten mit den wechselnden Männerbekanntschaft – an die Affären mit gleichfalls berühmten Künstlerkollegen wie Maurice Chevalier, Charles Aznavour, Eddie Constantine, Gilbert Bécaud und Georges Moustaki wird mit deren Chansons vom Band erinnert.

Live und urgewaltig hingegen ist Vassiliki Roussi als die öffentliche Piaf zu erleben. Die in Griechenland geborene Schauspielerin und Sängerin hat den Spatz von Paris vor wenigen Jahren schon in einer Schauspielinszenierung am Theater Stuttgart verkörpert und war dafür von der Presse als „Spatz von Stuttgart“ gefeiert worden. Was zur Folge hat, dass Roussi nicht nur die 15 Chansons der Piaf in Vollendung interpretiert, sondern sie spielt auch – leidet, jubelt, genießt den unglaublichen Erfolg, betrinkt sich, greift zu Drogen. Dies zuerst, als ihr der Tod ihrer großen Liebe, des Boxerweltmeisters Marcel Cerdan (Kristian Matia), das Herz zerreißt und den Boden unter den Füßen wegzieht.

Hier hat Schröder am Ende doch eine Mischung aus öffentlich und privat zugelassen. Gegen diese Mischung, gegen die unglaubliche Bühnenpräsenz von Vassiliki Roussi hat es Alina Dogodina verständlicherweise schwer, mitzuhalten.

Doch sie setzt das bekanntlich hohe Niveau des Staatsballetts dagegen, wie alle anderen Tänzerinnen und Tänzer auch: als Eltern der kleinen Piaf, als Liebhaber, als Künstlerkollegin Marlene Dietrich oder als beste Freundin Momone, wobei letztere aber ohne notwendige Vorkenntnisse eher Verwirrung stiftet, dramaturgisch vielleicht sogar verzichtbar gewesen wäre. Nichtsdestotrotz: Daria Suzi zeigte eine Spitzenleistung.

Unverzichtbar hingegen waren Masako Katano-Dorsch (Flügel), Peter Nelson (Bass), Claudia Buder (Akkordeon) und Libor Kaltofen (Violine) als kongeniale Live-Musiker. Für Dramaturgie zeichnete Daniel Siekhaus, für Bühne, Kostüme und Video Andreas Auerbach verantwortlich, wobei vor allem zwei Bilder in Erinnerung bleiben: ein Vorhang aus rund 200 Flaschen, die Alkoholabhängigkeit symbolisierend, sowie der Schluss, als die vorzeitig gealterte, zerzauste Piaf, einen weißen Bademantel über dem legendären schwarzen Kleid, den Lippenstift übers Gesicht gestrichen, auf roten Rosen in den Tod schreitet. Gänsehaut pur.

Der Jubel im ausverkauften Landestheater kannte danach keine Grenzen, Bravorufe zuhauf, zehn Minuten stehende Ovationen. „Non, je ne regrette rien“ (Nein, ich bedauere nichts) hatte Roussi kurz zuvor ganz allein auf der Bühne, vor dem geschlossenen roten Vorhang gesungen und damit den wohl ergreifendsten Moment des Abends geliefert. Die Altenburger hätten freilich eines zu bedauern: Wenn das Theater nicht weitere Vorstellungen dieser Schröder-Inszenierung in den Spielplan nimmt.

Nachfragen lohnen sich vor allem für die Vorstellung am 10. November, 14.30 Uhr
(Tel. 03447 585160).

Von Ellen Paul

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