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Altenburg Landestheater Altenburg bringt die Känguru-Chroniken auf die Bühne
Region Altenburg Landestheater Altenburg bringt die Känguru-Chroniken auf die Bühne
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00:23 28.09.2018
Der Kleinkünstler (Manuel Kressin) und das kommunistische Känguru (Ioachim Zarculea) bilden eine ganz spezielle Gemeinschaft. Quelle: Foto: Ronny Ristok
Altenburg

Dass eine Auseinandersetzung mit aktueller Politik nicht fad und trocken sein muss, beweist Marc-Uwe Kling mit seinen Bestsellern, der Känguru-Trilogie, seit einigen Jahren. Mit viel Wortwitz und dem sicheren Gespür für Pointen hält in den drei Bänden sein kommunistisches Känguru der Gesellschaft den Spiegel vor. Die Bücher des Berliner Autors lieferten zudem die Vorlage für das Theaterstück „Die Känguru-Chroniken“. Nach den restlos ausverkauften Aufführungen in der Vorsaison an den Bühnen der Stadt Gera feierte die Inszenierung nun am Sonntag Premiere im Heizhaus in Altenburg.

Nah an der Vorlage, aber keine Kopie

Worum geht es? (Klein-)Künstler Marc-Uwe lebt allein. Eines Tages zieht nebenan ein kommunistisches Känguru ein. Weil es Eierkuchen backen will, aber weder Zutaten noch Pfanne oder Herd hat, klingelt es gegenüber. Letztlich landet der Hoppler so in Marc-Uwes Wohnung und richtet sich sogleich häuslich ein. Urkomische Dialoge über Politik entspinnen sich daraufhin ebenso wie haarsträubende Erlebnisse. Zu der etwa die zufällige verdachtsunabhängige Intensivkontrolle auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld gehört, vom dem aus die beiden nach Berlin-Tegel fliegen wollen. Das Känguru wird natürlich zufällig und verdachtsunabhängig gefilzt. „Weil ich zufällig verdachtsunabhängig nicht so unverdächtig weiß mitteleuropäisch aussehe“, fragt das Känguru rhetorisch im Buch und auf der Theaterbühne den Beamten.

Regisseur Alexander Flache bleibt bei seiner Inszenierung in weiten Teilen nah an den Szenen der Bücher. Dennoch ist die gespielte Version mehr als eine Kopie. Im Stück will Marc-Uwe, der die Bezeichnung Kleinkünstler hasst, aus seinen Erlebnissen mit dem Känguru ein großes Theaterstück entwickeln. Dafür müssen Anekdoten wie die am Flughafen, die im Arbeitsamt, jene beim Anlageberater und etliche weitere ausgewählt und nachgestellt werden. Mit viel Witz und Spielfreude durchleben so Manuel Kressin als Marc-Uwe, Ioachim Zarculea im Kängurukostüm und Bruno Beeke als der „Typ, der alle anderen spielt“ mit Unterstützung von Musiker Marco de Haunt die Episoden erneut. Dabei bleibt der Fokus des Regisseurs vor allem auf den Themen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus. Dies verleiht der Aufführung Brisanz und Aktualität, die dem Premierenbesucher ein ums andere Mal Denkanstöße liefert, aber auch dafür sorgt, dass mancher Lacher im Hals stecken bleibt.

Viel Liebe zu Details

Nichtsdestotrotz sind die „Känguru-Chroniken“ auf der Heizhausbühne ein überaus vergnüglicher und kurzweiliger Spaß, der mit und ohne vorherige Lektüre der Bücher gleichermaßen funktioniert. Was auch an der theatertypischen Liebe zu den Details liegt. Diese beginnt beim von Petra Linsel effektvoll gestalteten Bühnenbild und endet bei Gast-Musiker Marco de Haunt, der nicht nur live die Gesangsparts von Manuel Kressin mit der Gitarre bekleidet, sondern auch Kleinigkeiten wie etwa den Türgong händisch auf dem Xylofon spielt. Rund zwei Stunden Känguru-Theater vergehen auf diese Weise wie im Flug. Am Ende gab es am Sonntag vom Altenburger Premierenpublikum dafür sehr viel Applaus.

Nur ein Wermutstropfen, wenn man so will, muss erwähnt werden: Bereits jetzt sind alle Abendvorstellungen in diesem Jahr ausverkauft. Wenige Karten gibt es nur noch für zwei Schüler-Vormittagsaufführungen. Erst für die Abendvorstellung im Januar 2019 gibt es momentan noch Tickets. „Aber wer spontan ist, kann es auch bei als ausverkauft geltenden Terminen versuchen, denn oft werden nicht alle reservierten Karten abgeholt“, so Theaterpressesprecherin Evelyn Böhme-Pock.

Von Jörg Reuter

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