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Landestheater Altenburg eröffnet Spielzeit

Landestheater Altenburg eröffnet Spielzeit

Irgendetwas fehlte am Sonntagabend vor dem Landestheater.Richtig, der rote Teppich. Komisch, ist er doch eigentlich eine unabdingbare Requisite zur traditionellen Eröffnungsgala für die neue Spielzeit.

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Anastastia Kuzina (Julia) und Filip Kvacak (Romeo) in der Ballett-Inszenierung "Mercutios Geheimnis".

Quelle: Stephan Walzl

Hatte ihn jemand vergessen? War er kaputt? Nein, hieß es, Petrus sei schuld. Er hatte zuvor zu sehr die Schleusen geöffnet. Die Entscheidung, ob der Teppich nun ausgerollt wird oder nicht, dürfte allerdings das kleinste Problem für die Organisatoren gewesen sein. Denn Operndiva Anne Preuß hatte sich tags zuvor bei Proben verletzt, konnte kaum laufen, geschweige denn auf der Bühne agieren. Und ihre Kollegin Akiho Tsujii war indisponiert - sie konnte zwar munter herumhüpfen, aber nicht singen.

Um es vorwegzunehmen: Die Probleme wurden auf ziemlich unkonventionelle Weise gelöst und taten der Gala keinen Abbruch. Im Gegenteil. Und das Publikum im nahezu ausverkauften Haus honorierte mit besonderer Dankbarkeit das Bemühen, das Programm wegen erkrankter Protagonisten nicht einfach um diese Punkte zu kürzen. So sang Anne Preuß am Rand stehend mit Krücken, während sie von der neuen Regieassistentin, Juliane Stephan, für den Ausschnitt aus der Oper "Jenufa" auf der Bühne "gecovert" wurde. Die junge Frau stahl den anderen fast die Show.

Und Akiho Tsujii, die mit ihren Kollegen eigentlich Lieder aus Flotows "Martha oder Der Markt zu Richmond" schmettern sollte, bewegte nur die Lippen, derweil Temi Raphaelova ihr die Stimme lieh. Eine tolle, wie die bulgarische Sopranistin zuvor schon gemeinsam mit Jueun Jean, Johannes Beck und dem neuen Mitglied des Musiktheaters, Christel Lötzsch, bei "Bella figlia dell' amore" aus Verdis "Rigoletto" unter Beweis stellte. Dafür heimsten die vier Sänger zurecht Bravo-Rufe ein.

Die anderen Sparten hatten zum Glück nicht mit solchen Widrigkeiten zu kämpfen, um auf ihre neuen Produktionen in der gerade begonnenen Spielzeit aufmerksam zu machen. Das Ballett, inzwischen als Thüringer Staatsballett firmierend, beispielsweise mit einer etwas anderen Sicht auf die größte Liebesgeschichte der Welt. Romeo und Julia kommt als "Mercutios Geheimnis" daher. Besonders gespannt aber darf man in Altenburg auf "Keimzeit" sein, bei dem die gleichnamige Band mit auf der Bühne steht. In Gera waren in der vergangenen Spielzeit alle Vorstellungen ausverkauft.

Das Schauspiel wartet mit "Bluthochzeit", einem Stück des Spaniers Garcia Lorca in der Regie des Griechen Akillas Karazissis, auf. Der temperamentvolle Ausschnitt des immer internationaler werdenden Ensembles lässt auf eine außergewöhnliche Inszenierung hoffen. Regionale Geschichte kommt diesmal nicht aus Altenburg, sondern mit dem preisgekrönten Debütroman des Geraers Lutz Seiler aus der Nachbarstadt. Die Uraufführung von "Kruso" gehört zur Reihe Wegmarken der europäischen Geschichte, ist 2015/16 aber nur in Gera zu sehen.

Und das Puppentheater bot mit dem Ensemble "Freiraum Syndikat" in drei sogenannten Intermezzi Ausschnitte aus ihrer zauberhaften "Sommernacht im Wintergarten", die sich im Spielplan aber nicht finden lässt. Lust auf Puppentheaterstücke - und derer gibt es viele - machte es trotzdem.

Insgesamt 40 Premieren und über 100 Konzerte werden bis Sommer 2016 an beiden Theaterstandorten dem Publikum geboten, wie die Moderatoren, Generalintendant Kay Kuntze und Schauspieldirektor Bernhard Stengele, mit einigem Stolz verkünden konnten. Die beiden präsentierten sich als ein inzwischen eingespieltes Duo, das humorvoll und locker durch den Abend führte, sich dabei gegenseitig die Bälle zuwarf, neue Ensemblemitglieder vorstellte und sich trotz des Lust auf mehr machenden Abends einige Seitenhiebe auf die aktuelle Kulturdebatte in Thüringen nicht verkniff.

Eine insgesamt glanzvolle, mit großem Aufwand produzierte Gala, der ein paar schwungvolle Programmpunkte mehr gut getan hätten. Die zum Schluss gebotenen zwei Titel aus der Operette "Viktoria und ihr Husar" garantierten aber ein jubelndes Publikum.

Aus der Osterländer Volkszeitung vom 22.09.2015

Ellen Paul

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