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Landestheater macht mit seiner Eröffnungsgala Appetit auf mehr

Landestheater macht mit seiner Eröffnungsgala Appetit auf mehr

Wenn die gesamte Spielzeit so läuft wie ihre Eröffnung, dann braucht dem Altenburg-Geraer Theater zumindest im nächsten dreiviertel Jahr um seine Zukunft nicht bange sein.

Altenburg.

Bei ihrer zweiten Auflage am Samstagabend im Landestheater erlebten begeisterte Zuschauer eine Gala mit Esprit, Charme, Witz sowie jeder Menge Information und Emotion. Ein gut aufgelegter Theaterchef erwies sich als launiger Moderator einer Gala, die wohltuend weit entfernt war von einem bloßen Nummernprogramm.

 

Denn so maßgeschneidert wie nach Meinung von Generalintendant Kay Kuntze die neue Spielzeit 2013/1014 für die insgesamt acht Bühnen des Theaters und für das Publikum ist, so maßgeschneidert kommt auch die Eröffnungsgala daher. Nichts scheint dem Zufall überlassen, alles folgt einer stimmigen Choreografie - von der symbolträchtigen Maskerade am Anfang bis zum wunderbar arrangierten Schlussbild. Dazwischen haben alle Sparten und viele Neuzugänge im Ensemble Gelegenheit, eine Kostprobe ihres Könnens zu geben.

 

Allen voran der neue Chefdirigent Laurent Wagner, der sich als charmanter und durchaus schlagfertiger Plauderer erweist. Der Franzose, der mit einem verschmitzten Lächeln die Zusammenfassung seiner 53 Lebensjahre in drei Sätzen durch Kuntze kommentiert, lüftet pointiert das "Geheimnis" seiner Verbindung zu Altenburg und wähnt sich in seinem neuen Engagement vor einer ziemlich großen Herausforderung. Denn der Mann, der über eine langjährige Erfahrung als Operndirigent verfügt, sieht sich in seinem ersten Jahr in Altenburg und Gera gleich drei Opern gegenüber, die er noch nie dirigiert hat.

 

Christoph Willibald Glucks "Iphigenie auf Auris", Benjamin Brittens "Peter Grimes" und Dimitri Schostakowitschs "Lady Macbeth von Mzensk" dürften aber gleichsam für die Theaterbesucher eine Herausforderung werden. Die Ausschnitte, die das Gala-Publikum zu hören und zu sehen bekommt, sind bemerkenswert. Ob am Ende aber entsprechend viele Karten gekauft werden, muss sich erst noch zeigen. Wenig gespielte Opern werden zwar oft von der Kritik gelobt, vom Publikum aber geschnitten. Da hat schon Kuntzes Vorgänger Matthias Oldag ziemlich leidvolle Erfahrungen gemacht.

 

Gleiches gilt in dem Fall offensichtlich sogar für den ausgemachten Liebling der Altenburger, die Operette. Während Kai Werfer für seinen Auftritt als Plantagenverwalter Pedro Hernandez in der Operette "Du bist ich" zur Gala Bravo-Rufe einheimst, blieb das skatstädtische Publikum reserviert. Auch für die letzte Aufführung im Landestheater am 1. November - danach geht das Stück nach Gera - gibt es noch jede Menge Karten. Die Premiere eines Klassikers, Lehárs "Die lustige Witwe", am 20. Oktober ist hingegen bereits bestens verkauft.

 

Selbiges ist auch für die neuen Produktionen von Ballettdirektorin Silvana Schröder zu erwarten. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn "Der schwarze Schwan", Tschaikowskis Schwanensee aus anderer Sicht, und "27", ein Huldigunge jung verstorbener Künstler von Janis Joplin bis Amy Winehouse, keine Publikumsrenner würden. Dass Schröder nicht nur eine herausragende Choreografin, sondern ebenso wie ihr Intendant auch zu Späßen aufgelegt ist, beweist die herrliche Nummer, als sie und Kuntze sich zum Gaudi der Zuschauer den Zugriffen der kleinen Schwäne erwehren müssen.

 

Apropos Gaudi. Den versprechen gleichfalls die Kostproben für Shakespeares "Sommernachtstraum" und der neue Liederabend "Wenn es Nacht wird in Meuselwitz". Beides vom Schauspielensemble, beide in der Inszenierung ihres Direktors Bernhard Stengele. Was der Ex-Würzburger in Altenburg anfasst, scheint zu Gold zu werden. Das ist ihm auch für sein wohl bedeutsamstes Projekt zu wünschen, "Die Frauen von Troja", eine von der Kulturstiftung des Bundes geförderte deutsch-griechisch-türkische Gemeinschaftsproduktion. Vielversprechend anzuschauen sind seine Video-Einspielungen vom Sommertrip nach Troja jedenfalls.

 

Das Gala-Publikum dankt mit herzlichem Beifall. Und erhält in prompt zurück. Kurz vor Schluss versammeln sich alle Mitwirkenden auf der Bühne und applaudieren den verdutzten Zuschauern im Saal. Denn ohne sie, meint Kay Kuntze, könne man noch so gutes Theater machen, es würde keiner merken. Gänsehaut pur.

 

© Kommentar Seite 11

Ellen paul

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