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Landgericht Gera: Weitere Untreue-Vorwürfe gegen Anwalt aus Altenburg

Berufungsverhandlung Landgericht Gera: Weitere Untreue-Vorwürfe gegen Anwalt aus Altenburg

In der Berufungsverhandlung gegen einen Altenburger Anwalt am Landgericht Gera sind weitere Vorwürfe zu Tage getreten. Demnach soll der Jurist nicht nur 20 000 Euro, sondern insgesamt 60 000 Euro veruntreut haben. Dazu ließ sich der Angeklagte nicht näher ein. Nun soll der Direktor des Amtsgerichts Altenburg, Henning Sievers, aussagen.

Der wegen Untreue angeklagte Altenburger Anwalt (l.) mit seinem Verteidiger Tommy Flechsig kurz vor Beginn der Berufungsverhandlung.

Quelle: Thomas Haegeler

Altenburg/Gera. Gleich zu Beginn der Berufungsverhandlung setzte Gerhard Rassier ein Ausrufezeichen. So müsse man neben der abgeurteilten Haupttat auch die vom Amtsgericht Altenburg eingestellten Sachen erörtern, führte der Vorsitzende Richter der 5. Strafkammer des Landgerichts Gera am Donnerstag aus. Denn die Einstellung bedeute, dass die Strafe so sein muss, dass alles andere mit erledigt sei. „Das ist aber bei den beantragten Geldstrafen im ersten Verfahren nicht der Fall. Zudem kommt die Verhängung eines Berufsverbots in Betracht.“

Dinge, die Martin Schwarz* und Tommy Flechsig sichtlich missfielen. Traten der Altenburger Anwalt und sein Bornaer Verteidiger doch an, um Letzteres zu verhindern und die Anfang des Jahres wegen Untreue verhängte Bewährungsstrafe von einem Jahr zu reduzieren.

Hintergrund von Rassiers Aussagen ist daneben das Scheitern einer Verständigung beim ersten Berufungstermin in der Vorwoche. Dabei hatte der Richter dem Angeklagten in Aussicht gestellt, die Strafe auf sechs bis acht Monate zu mildern, wenn man die Beweisaufnahme abkürzen kann. Doch Schwarz und sein Anwalt lehnten ab, beharren offenbar auf einer Geldstrafe, die das Amtsgericht mit 1500 Euro noch auf die zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe aufgesattelt hatte. Also begann Rassier die Sache von vorn aufzurollen, wobei weitere Vorwürfe zu Tage traten.

Laut Anklage soll der Altenburger Rechtsanwalt einem befreundeten Kollegen 2013 nicht nur rund 20 000 Euro für den sechsstelligen Hochwasserschaden an dessen Haus unterschlagen haben, sondern weitere 35 000 Euro für eine verunfallte und dabei schwer verletzte Mandantin. Laut der Aussage des inzwischen verstorbenen Juristen-Freundes und dessen Frau hatte er dafür aber keine Berechtigung. Möglicherweise habe Schwarz bei der Versicherung eine gefälschte Vollmacht vorgelegt, sagte die Witwe am Donnerstag. Auch solle der Beschuldigte knapp 4300 Euro Honorar kassiert haben, was ihrem Mann zugestanden habe. Zudem berichtete die Frau von Ordnungsgeldern, die das Amtsgericht Altenburg gegen den Anwalt verhängt haben soll. Grund waren nach OVZ-Informationen fehlende Abrechnungen für von ihm betreute ältere Menschen und psychisch Kranke.

Zum Honorar und den unterschlagenen 35 000 Euro äußerte sich Schwarz nicht weiter, sagte nur, dass man sich das Honorar für von ihm übernommene Fälle teilen wollte und er 2013/14 bereits Jahre in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Das war auch seine Motivation für die veruntreuten 20 000 Euro. Die räumte er – wie schon am Amtsgericht – im Kern ein. Allerdings erklärte er es damit, dass ihm zu jener Zeit die eigene Kanzlei über den Kopf gewachsen war und er Schulden hatte. Deswegen pfändete ihm das Finanzamt sein Konto, auf das aber die Versicherung gezahlt hatte, obwohl er es anders angegeben hatte.

Dass er den befreundeten Kollegen selbst auf hartnäckiges Nachfragen anlog und sich über Monate mal mit Verhandlungen oder Fehlüberweisungen und dann mit einer Unterversicherung des Hauses herausredete, erklärte Schwarz wiederum mit seiner Überforderung und psychischen Problemen. Als der Geschädigte direkt bei der Versicherung nachfragte und erfuhr, dass der Schaden komplett beglichen wurde, fiel Schwarz’ Kartenhaus in sich zusammen. Er schrieb einen Abschiedsbrief und versuchte nach eigenen Aussagen, sich das Leben zu nehmen.

Allerdings wurden bis Ende 2014 alle offenen Forderungen von knapp 60 000 Euro durch die Mutter des Angeklagten beglichen. Um die Schuldenlast abzutragen, versuchten Schwarz und seine Frau nach OVZ-Informationen sogar, ihr Haus in Monstab zu verkaufen. Zudem arbeitet der Mittvierziger wieder in der Kanzlei eines Freundes der Familie in der Burgstraße unweit des Amtsgerichts.

Dort nahm übrigens auch das Verfahren gegen Schwarz seinen Anfang. Niemand Geringeres als Amtsgerichtsdirektor Henning Sievers zeigte den Juristen wegen Untreue bei Oberstaatsanwalt Gerd Michael Schultz an, nachdem der geschädigte Anwalt bei dem Richter Rat gesucht hatte. Daher will Rassier den Kollegen nun als Zeugen hören. Am 8. September geht das Verfahren weiter.

*Name geändert

Von Thomas Haegeler

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