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Altenburg Landgericht Gera halbiert Strafe für Altenburger Betrüger-Anwalt
Region Altenburg Landgericht Gera halbiert Strafe für Altenburger Betrüger-Anwalt
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19:22 22.11.2018
Nach der Revision hat das Landgericht Gera die Freiheitsstrafe für den Altenburger Betrüger-Anwalt (l.), der von seinem Freund und Kollegen Tommy Flechsig verteidigt wird, auf sieben Monate halbiert. Doch auch dagegen haben die Juristen Rechtsmittel eingelegt. Quelle: Thomas Haegeler
Altenburg/Gera

Das Landgericht Gera hat die Strafe für den Altenburger Betrüger-Anwalt halbiert. Laut Urteil hält die 4. Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Kerstin Böttcher-Grewe sieben Monate Freiheitsentzug auf drei Jahre Bewährung für angemessen. Die Korrektur des bereits im Herbst 2017 vom Landgericht gefällten Urteils samt Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten war nötig geworden, weil der Angeklagte dagegen Rechtsmittel eingelegt und das Oberlandesgericht (OLG) Jena die Begründung für fehlerhaft gehalten hatte.

Jurist geht weiter gegen Strafmaß vor

Doch auch die nun ausgesprochene Strafe ist dem 46-Jährigen noch zu hoch, weshalb er dagegen erneut Revision einlegte. Es geht jetzt jedoch nur noch um die Höhe der Strafe. Denn den Sachverhalt, dass der Angeklagte einem befreundeten Anwalt 2013/14 knapp 20 000 Euro aus Versicherungszahlungen für einen Hochwasserschaden veruntreute und für eigene Schulden verbrauchte, hatte das OLG bereits bei der letzten Revision rechtskräftig festgestellt.

Landgericht sieht Vertrauen in Rechtsordnung beschädigt

Bei dem Urteil wertete die Kammer das Geständnis des Anwalts genauso zu seinen Gunsten wie „die umfangreiche Berichterstattung, die das Ansehen des Angeklagten beschädigt hat“, begründete Böttcher-Grewe. Strafmildernd wirke sich zudem aus, dass die Tat schon länger zurück liege und sich der Jurist seinerzeit in einer Notsituation befunden habe. Zu seinen Lasten ging dagegen, dass „der Schaden nicht gering war“ und „der Bruch des Mandantenverhältnisses“. Schließlich beruhe auf diesem Vertrauen die Rechtsordnung. „Das ist so schwerwiegend, dass keine Geldstrafe mehr infrage kommt.“ Zumal es zahlreiche Möglichkeiten gegeben habe, die Situation zu berichtigen.

Verteidiger plädiert für Geldstrafe

Für eine Geldbuße, die keinen Eingang ins Vorstrafenregister findet, plädierte der Verteidiger des Rechtsanwalts, Tommy Flechsig. „Es geht um die berufliche Zukunft meines Mandanten“, sagte er und begründete die Forderung mit der Lage des Angeklagten, dem die eigene Kanzlei samt Miete und anderer Belastungen über den Kopf gewachsen war. Wegen psychischer Probleme und der scheinbar ausweglosen Situation habe sich sein Mandant versucht, das Leben zu nehmen und – als dies misslang – in stationäre Behandlung begeben. Auch sei zwischen ihm und dem Freund, für den er auch andere Mandate übernommen hatte, nie abgerechnet worden. „Wäre das geschehen, säße man gar nicht hier.“

Staatsanwaltschaft fordert ein Jahr auf Bewährung

Für Oberstaatsanwalt Gerd Michael Schultz wog die Verletzung des Verhältnisses zu Mandant und Freund schwerer und er stellte heraus, dass der Angeklagte den Freund ein Jahr lang belogen hat. „Dieses Vertrauen hat er aufs Gröbste und Schändlichste missbraucht“, sagte der Anklagevertreter und forderte ein Jahr auf Bewährung. Dies entsprach dem, was das Amtsgericht Altenburg Anfang 2017 verhängt hatte. Dort wurden zudem drei ähnlich gelagerte Verfahren mit Verweis auf diese Strafe und die dürftige Beweislage – der befreundete Anwalt und Hauptbelastungszeuge war zwischenzeitlich verstorben – eingestellt.

Weitere Vorwürfe spielen keine Rolle mehr

Wegen eines dieser eingestellten Verfahren war die Staatsanwaltschaft zudem weiteren Vorwürfen nicht mehr nachgegangen. Dabei soll der Angeklagte eine Familie aus Altkirchen um rund 100 000 Euro gebracht haben. Zudem soll er laut Zeugenaussagen zig Betreuungssachen nicht oder nicht korrekt abgerechnet haben. Dinge, die der Altenburger Anwalt jedoch bestreitet oder zu denen er schweigt. All dies wird für die neuerliche Beurteilung durch das OLG jedoch keine Rolle mehr spielen.

Von Thomas Haegeler

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