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Landgericht Gera schickt Lock-Vogel hinter Gitter

Drogenhandel Landgericht Gera schickt Lock-Vogel hinter Gitter

Weil er Drogen an verdeckte LKA-Ermittler verkaufte, muss Stev K. jetzt für vier Jahre und sechs Monate hinter Gitter. Dieses Urteil fiel am Freitag vor dem Landgericht Gera. Doch der Fall selbst ist verzwickter, als es auf den ersten Blick aussieht.

Das Landgericht Gera verurteilte Stev K. wegen Drogenverkaufs zu vier Jahren und sechs Monaten Haft.

Quelle: dpa

Gera/Altenburg. Dreimal verkaufte Stev K. im vergangenen Jahr in Altenburg Drogen an zwei verdeckte Mitarbeiter des Landeskriminalamtes (LKA). Insgesamt waren es über ein Kilogramm Crystal im Wert von über 33 000 Euro. Dafür muss der 38-Jährige nun vier Jahre und sechs Monate hinter Gitter. So lautet am Freitag das Urteil des Landgerichts Gera.

Die Ironie der Geschichte ist aber, dass das LKA gar nicht hinter Stev K. her war. Er war nur der Lock-Vogel für zwei dickere Fische, die Hintermänner und Beschaffer der gefährlichen Droge, die vermutlich aus Tschechien eingeführt wurde. Der eingefädelte Deal der Polizei galt Ronny K. und Oliver K., die sich alle beide am 29. August, dem Tag des Zugriffs, in Altenburg aufhielten und stellenweise minutiös observiert und auch telefonisch abgehört wurden, als sie beispielsweise hinter dem Marstall, in der Rousseaustraße oder in der Kleingartenanlage Bauhof I herumliefen. Doch beide ließ die Polizei entwischen. Auch das wurde bei der Verhandlung deutlich.

Die Staatsanwaltschaft, die in die Aktion eingebunden war, sprach von einer erfolglosen polizeilichen Arbeit, eine Geraer Kripo-Beamtin sogar vom „beschissensten Einsatz“ ihrer Laufbahn.

Seltsam bleibt, warum das LKA die Gelegenheit verstreichen ließ, als Stev K. die fehlenden Menge von 350 Gramm noch zügig beschaffen wollte. Denn als seine Lieferanten galten schließlich Ronny K. und Oliver K., die sich unweit des Tatorts aufhielten.

Ohnehin war der Angeklagte bereits durch den ersten Deal Anfang August längst des Tatbestandes überführt, mit Drogen in nicht geringer Menge gehandelt zu haben, als er 90 Gramm an das LKA vertickte. Warum also legte die Polizei zwei weitere mit erheblichem Aufwand betriebene Scheinankäufe nach? Eine Antwort darauf gibt es nicht.

Auch die Vorsitzende Richterin Andrea Höfs sprach von unklaren Umständen, warum der Zugriff auf die beiden anderen Verdächtigen nicht erfolgte. Deshalb müsse man sich nun mit Stev K. begnügen, sagte sie. Gleichwohl der Angeklagte vom LKA zu dieser Tat provoziert wurde, ist er dafür voll verantwortlich. Dafür spricht vor allem, dass er sich vom schnellen Geld verlocken ließ, was die ersten beiden geglückten Deals verdeutlichten. Auch dass er beim zweiten Mal mehr verkaufte, als vereinbart war, und dies kostenlos, sprach dafür, dass er selbst an der Fortsetzung des illegalen Handels interessiert war.

Doch Stev K. hätte angesichts dieser Menge auch viel viel länger in den Bau wandern können als jene vier Jahre und sechs Monate. Dass er mit diesem Strafmaß davonkam, lag auch an seinem Geständnis, mit dem die Beweisaufnahme abgekürzt werden konnte. Eine solche wäre auch ziemlich außergewöhnlich gewesen. Denn einer der verdeckten Ermittler hätte den Deal zwar aus erster Hand bezeugen können, jedoch nur unter seinem Tarnnamen Tom. Die zweite Kontaktperson, eine Janine, wollte das LKA gleich gar nicht vor Gericht aussagen lassen, wohl um sie nicht zu enttarnen. Zu seinen Gunsten sprach ebenso, dass die Drogen nicht in Umlauf kamen.

Ein Waisenknabe ist Stev K. dennoch nicht. 13 Einträge weist sein Vorstrafenregister auf, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahls, räuberischer Erpressung und Hehlerei. Etwa um 2003 begann Stev K., mit Drogen zu dealen und diese auch selbst zu konsumieren. Er gilt als suchtkrank, weshalb er sich im Vollzug einer Therapie unterziehen muss.

Von Jens Rosenkranz

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