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Altenburg Landrätin bläst beim Flüchtlingsthema der Gegenwind ins Gesicht
Region Altenburg Landrätin bläst beim Flüchtlingsthema der Gegenwind ins Gesicht
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19:08 06.07.2016
Horst Proppe aus Langenleuba-Niederhain informiert sich bei Landrätin Michaele Sojka über die Gebietsreform.  Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

 Unbenommen: Es gehört Mut dazu, sich in diesen politisch so schwierigen und vor allem emotional aufgeladenen Zeiten an einen Stand zu stellen und das Gespräch mit dem Bürger zu suchen. Landrätin Michaele Sojka (Linke) hat es am Mittwoch getan. Ohne Not. Denn ein Wahlkampf ist momentan weit und breit nicht in Sicht. „Ich hatte das Gefühl, den direkten Kontakt mal wieder zu brauchen. Er fehlte mir einfach, denn die sozialen Netzwerke ersetzen ihn nicht.“

Und so nahm sich die 53-jährige Politikerin einen Tag Urlaub und stellte sich von 10 bis 12 Uhr an den Stand ihrer Partei auf den Altenburger Markt. Für das „Bürgerbüro unter freiem Himmel“ hatte sich Michaele Sojka akribisch vorbereitet. So hatte sie beispielsweise die unterschiedlichsten Varianten zur Gebietsreform – Malen nach Zahlen nannte sie das Werk augenzwinkernd – und ein Info-Blatt zur Flüchtlingsproblematik im Gepäck.

Letzteres war dann erwartungsgemäß auch das Hauptthema der zweistündigen Präsenz der hochrangigsten Politikerin des Altenburger Landes. Und ebenso erwartungsgemäß erhielt Sojka hier den heftigsten Gegenwind. „Wir sind nicht ausländerfeindlich, wir wollen einfach nur unsere Ruhe haben. Doch seit die Flüchtlinge direkt vor unserer Nase wohnen, haben wir die nicht mehr“, beschwerte sich eine ältere Dame aus Altenburg-Nord. „Normalerweise sollten sich Asylbewerber nach den Sitten ihres Gastlandes richten, wie wir es im Ausland auch tun müssen. Doch das passiert nicht. Nord verkommt immer mehr zu einem Ghetto. Wer Geld hat, zieht weg.“

„Wir wohnen direkt gegenüber, wir erleben die Probleme Tag für Tag,“ pflichtete ein älteres Ehepaar bei. Von 15 bis 22 Uhr würden die Flüchtlingskinder auf einem Wäscheplatz bolzen, obwohl es in unmittelbarer Nähe zwei Sportplätze gebe. Dreck und Lärm seien mittlerweile die täglichen Begleitumstände, denen auch die überforderten Sozialarbeiter nicht beikommen. Hausmeister müssten die Hinterlassenschaften immer wieder beseitigen, monierten Wunderlichs.

„Dafür sind sie doch da“, argumentierte Michaele Sojka. Und Unrat würden auch viele Deutsche einfach wegwerfen, wo sie gehen und stehen. „Das Urteil über die Asylbewerber ist mir schlicht zu verallgemeinernd. Wir brauchen mehr Zeit, um miteinander klar zu kommen“, wirbt die Landrätin um Verständnis. „Sie wohnen nicht dort, Sie wissen nicht, was wirklich los ist“, wird ihr entgegenhalten. „Selbst der Altenburger Oberbürgermeister hat mehrfach beklagt, dass Sie zu viele Flüchtlinge nach Nord schicken.“ Der, konterte Sojka, profitiere doch davon. Eine halbe Million Euro an Schlüsselzuweisungen spülten die neuen Einwohner in seine Kassen, ebenso viel erhalte die Städtische Wohnungsgesellschaft an Miete vom Landkreis.

Immer mehr Marktbesucher verfolgten inzwischen die hitziger werdende Debatte. Irgendwann verlor Sojka leicht die Fassung. „Dann wählen Sie doch die AfD!“, rief sie, um auf Nachfrage ihren Gemütsausbruch kurz darauf als Ironie zu relativieren.

„Ich lasse mich nicht verbiegen. Ich bin überzeugt, dass wir in der Flüchtlingsfrage bisher richtig gehandelt haben.“ Wie ernst es Sojka damit meint, bewies sie noch auf ganz andere Art. Entschlossen ging sie auf einen Ausländer zu, der vor der Drogerie Müller auf den Knien liegt und bettelt. Wenn er nicht sofort aufstehe, rufe sie die Polizei, beschied sie dem Mann, der sich sofort trollte. „Niemand muss hier betteln. Alle bekommen Hartz IV“, war die Landrätin sauer.

Zum Stand der Gebietsreform erkundigte sich hingegen nur ein Bürger. Und die anderen Themen fielen nicht in die Zuständigkeit des Landratsamts. Sojka bat deshalb Wahlkreismitarbeiterin Mandy Eising, für die Linken im Altenburger Stadtrats sitzend, sich darum zu kümmern. Konkret ging es unter anderem um die großen Rinnen auf Bürgersteigen wie in der Sporenstraße oder dem Kornmarkt, in denen sich Rollatoren und Kinderwagen regelmäßig verfingen. „Zur neuen Filiale der Sparkasse zu kommen, ist eine Zumutung. Womöglich muss ich mir deswegen noch eine neue Bank suchen“, war die 86-jährige Altenburgerin, die ihren Namen nicht nennen wollte, sauer.

Genauso sauer äußerten sich Doris und Rolf Meier über die um 40 Prozent gestiegene Hundesteuer, ohne dass sich die Situation für Hundehalter verbessert hätte. In Nord gebe es zwar zwei Hundeplätze, doch die seien nicht umzäunt und einer zudem gleich von drei verkehrsreichen Straßen umgeben. „Außerdem gibt es dort keine Papierkörbe oder Behälter für Hundekot mehr.“ Trotz entsprechender Anfragen habe sich bislang nichts getan, so ein enttäuschter Rolf Meier.

Von Ellen Paul

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