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Landschulheim Windischleuba – eine Legende meldet sich zu Wort

Buch-Präsentation Landschulheim Windischleuba – eine Legende meldet sich zu Wort

Vor der Jugendherberge in Windischleuba stehen an die Hundert ältere Leute und begehren Einlass. Nicht in die Jugendherberge, sondern in das Feuerwehrhaus, das gegenüber liegt. Denn dort wird das Buch „Landschulheim Windischleuba – Eine Legende“ vorgestellt, herausgegeben und geschrieben von ehemaligen Internatsschülern.

Sie halten es in den Händen, das Buch zum Landschulheim Windischleuba – Karl-Heinz Otto (l.) und Peter Schönhoff.

Quelle: Klaus Peschel

Windischleuba. Vor der Jugendherberge in Windischleuba stehen an die Hundert ältere Leute und begehren Einlass. Nicht in die Jugendherberge, sondern in das Feuerwehrhaus, das gegenüber liegt. Dort gibt es eine Buchvorstellung. Es ist ihr Buch, auf das sie warten. Es nennt sich „Landschulheim Windischleuba – Eine Legende“. Die Herausgeber sind Karl-Heinz Otto und Peter Schönhoff. Der Autorinnen und Autoren gibt es sehr viele. Einige von ihnen sind unter den Gästen der Buchpräsentation. Die kann leider nicht in den Räumlichkeiten der Jugendherberge stattfinden, was die ehemaligen Nutzer des Landschulheims sehr bedauern. Aber dort ist alles belegt.

Von 1946 bis 1975 war das Münchhausenschloss in Windischleuba Internat für die Schülerinnen und Schüler der Erweiterten Oberschule (EOS) im Ort. Die Kinder kamen vorwiegend aus den Dörfern der näheren und auch weiteren Umgebung. Es war zum ersten Mal nach dem Krieg, dass Kinder von Arbeitern und Bauern eine höhere Bildungseinrichtung besuchen konnten. 1977 wurde aus dem Landschulheim eine Jugendherberge. Damit ging eine Ära zu Ende und geriet in Vergessenheit.

Vor vier Jahren traf sich eine Hand-
voll Leute in Altenburger. Sie bewegte folgendes: Wenn man im Internet nach „Landschulheim Windischleuba“ sucht, geht man immer leer aus. Da muss man doch etwas dagegen tun. Das taten sie dann auch und das Ergebnis ist dieses Buch.

Das „Landschulheim Windischleuba – Eine Legende“ ist in der Edition Märkische Reisebilder erschienen. Das ist ein kleiner Verlag in Potsdam. Was zunächst verwundern mag. Der Verlag ist aber fest in den Händen eines ehemaligen Windischleubaers. Der heißt Karl-Heinz Otto und gehörte von 1952 bis 1956 zu den Internatsschülern. Genau so Peter Schönhoff. Beide gehen auf die 80 zu. Beiden ist es gelungen, als Herausgeber in relativ kurzer Zeit ein lesenswertes Buch auf den Markt zu bringen, das auch noch sehr liebevoll gestaltet ist.

Es geht ihnen nicht darum, dem Landschulheim Windischleuba ein Denkmal zu setzen. Ihre Absicht ist es auch nicht, eine Dokumentation zu der fast 30-jährigen Geschichte von Internat und EOS Windischleuba zu Papier zu bringen. Vielmehr ist ein Kompendium aus einzelnen Geschichten zustande gekommen, aus dem der Leser seine eigenen Schlüsse ziehen soll. Schlau wie die Herausgeber sind, haben sie auf das Titelblatt des Buches geschrieben: Eine Legende.

Hätten sie geschrieben, ein geschichtlicher Abriss, oder eine Chronologie, jeder hätte gewusst, was ihn beim Lesen erwartet. Aber Legende? Das lässt vieles offen. Die etwa 50 Autoren haben nach bestem Wissen und Gewissen das aufgeschrieben, was sie für wahr halten. Beim Lesen entsteht wie bei einem Puzzle ein neues Bild. Im Unterschied zum Puzzle kann dieses Bild bei jedem Leser ein anderes sein. Eine Antwort auf die Fragen, ob das Landschulheim ein stalinistisches rotes Kloster war, findet man nicht auf einer bestimmten Seite. Leichter findet man da schon Antworten auf die folgenden Fragen: Waren die jungen Leute im Internat glücklich? Haben sie zusammengehalten und sich gegenseitig geholfen? War ihre Schulzeit lehrreich für ihr Leben?

Das Lesebuch zum Landschulheim enthält drei Arten von Texten. Die eine nennen die Herausgeber Fundsachen. Das sind Publikationen zum Landschulheim, die sie in ihren Bücherregalen gefunden haben. Dabei konnten sie auf eigenes Literarisches zurückgreifen: Karl-Heinz Otto auf seine Autobiografie „Ikarus“ und Peter Schönhoff auf seinen Schelmenroman „Der Tisch, die Metze, das Bett“. Fündig wurden sie weiterhin unter anderem in Lothar Biskys „So viele Träume – Mein Leben“ und in „Ende der Schweigepflicht“ von Manfred Bols.

Die zweite Quelle für das Buch zum Heim sind die Schülerinnen und Schüler. Die Herausgeber schrieben sie an mit der Bitte, auf Spickzetteln zu notieren, was für sie erwähnenswert sei, dächten sie an die Zeit in Windischleuba zurück. 19 dieser sogenannten Spicker sind im Buch veröffentlicht. Das sind nicht nur Anekdoten und Kuriositäten. Der dritte Bestandteil des Buches sind Gespräche mit zwei ehemaligen Lehrerinnen und einem Lehrer.

Insgesamt entsteht so das Bild einer Bildungseinrichtung, die in der DDR kaum etwas Vergleichbares hatte. Das Gemälde wird abgerundet durch wohl ausgewählte Fotografien und durch die von Peter Schönhoff gezeichneten Vignetten. Dass das Buch seine Leser finden wird, das zeigte die Präsentation am Sonnabend in der Feuerwehr Windischleuba. Dass der Andrang aber so groß war, überraschte selbst die Herausgeber.

Das Buch ist nur im Direktbezug bei Karl-Heinz Otto unter Tel. 0331 2701787 oder dr.carlotto@t-online de zu haben. Es kostet 25 Euro.

Von Klaus Peschel

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