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"Leben ist Veränderung"

"Leben ist Veränderung"

Fünf Jahre sind nicht unbedingt eine lange Zeit, die man als Ensemblemitglied an einem Theater verbringen kann. Aber jene fünf Jahre, die Jens Troester als erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor am hiesigen Theater engagiert war, dürften mit Sicherheit die turbulentesten in der jüngeren Geschichte des Hauses gewesen sein - und damit auch seiner eigenen.

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Herzlicher Abschied aus Altenburg - Jens Troester nach seinem letzten Konzert im Landestheater.

Quelle: Jens Paul Taubert

Zumindest beruflich. Doch das ist nicht der Grund, warum der 43-Jährige jetzt zu neuen Ufern aufbricht.

 

Nach den Beweggründen für seinen Weggang gefragt, bekommt man die Grundüberzeugung von Jens Troester zu hören: Leben ist Veränderung. Jenen Kreis, den ihm Altenburg und Gera geboten haben, habe er ausgeschritten. Spannend seien die Jahre in Ostthüringen aber fraglos gewesen. Denn er hat viele wichtige Erfahrungen gesammelt, sagt Troester. Zum einen künstlerische wie die zahlreichen Erstaufführungen, Ausgrabungen und sonstigen Entdeckungen. In bleibender Erinnerung: "Der Scharlatan", "Ulenspiegel" oder "Wallenstein". Ganz besondere Glücksmomente haben ihm komplette Produktionen beschert. Der Kapellmeister nennt hier beispielsweise das Konzert "Paris, mon Amour", bei dem er nicht nur die musikalische Leitung hatte, sondern zu dem er auch Buch und Regie beisteuerte.

 

Doch auch die administrativen Aufgaben in der Krisensituation zu bewältigen, als die Zukunft des Theaters auf Messers Schneide stand, sei eine interessante Herausforderung gewesen. Zudem war aus der Position des stellvertretenden Generalmusikdirektors in den letzten beiden Spielzeiten bekanntlich die des kommissarischen Chefdirigenten geworden.

 

Dennoch ist Jens Troester recht froh, jetzt für einige Zeit aus der "Mühle des festen Engagements" herauszukommen und sich wieder stärker dem eigentlichen Musizieren zuwenden zu können. Denn Dirigent war schon immer sein Traumberuf, den er mit einem Studium in Detmold und im US-amerikanischen Bloomington verwirklichte. Plaudert man mit ihm über Musik, dann ahnt man, dass sich daran wohl seit Kindertagen nichts geändert hat. Vielleicht ist diese Leidenschaft ja die Konstante in der Veränderung, die jetzt wieder vor ihm liegt.

 

13 Jahre war Troester an verschiedenen Häusern - neben Altenburg-Gera in Kiel, Neubrandenburg/Neustrelitz und Kassel - engagiert. Jetzt beendet er auf eigenen Wunsch seinen Vertrag mit dem Ostthüringer Theater und Orchester und schlägt neue Wege ein. Das Familienkonzert Anfang des Monats war seine letzte Vorstellung in Altenburg. Entsprechend bewegend war der Abschied von Orchester und Publikum am Ende dieses besonderen Vormittags.

 

Aber eigentlich sind die Wege, die er ab September beschreiten wird, gar nicht so neu für den Dirigenten. Denn mit der Neuen Philharmonie Frankfurt arbeitet Jens Troester bereits seit 2004 zusammen. Nun zieht ihn der Klangkörper als ersten ständigen Gastdirigenten ganz an den Main. Ein junges freies Orchester, das sowohl klassische Sinfoniekonzerte spiele als auch die Tourneen namhafter Künstler wie David Garrett, José Carreras oder Andrea Boccelli begleite, und das immer stärker im Kommen sei. Bisher haben es ihm die Verpflichtungen im festen Engagement in Altenburg-Gera nicht erlaubt, mit dem Klangkörper auch auf eine dieser großen Europatourneen zu gehen.

 

Aber, so ist Jens Troester überzeugt, auch Frankfurt wird mit Sicherheit nicht seine letzte Karrierestation sein. Wo es hingehen soll? Dahin, wo er sich am besten weiterentwickeln kann. Weil Leben Veränderung bleibt. Obwohl, so schmunzelt Troester, er eigentlich ein Mensch sei, der sich schwer tue mit Neuanfängen, der es genieße, an einem vertrauten Ort vertraute Kollegen zu begrüßen und mit ihnen in vertrauter Atmosphäre zu arbeiten. Eine Herausforderung an sich selbst ist das also, aber eine, die er brauche.

 

Fünf spannende Jahre liegen hinter Jens Troester, in denen er mit Sicherheit gereift ist. "Ja, die Haare sind länger und grauer geworden", sagt er lachend. Prägend aber waren die Erfahrungen auf jeden Fall.

Tatjana Böhme-Mehner

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