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Altenburg Lebensgefahr im vermeintlichen Bade-Paradies
Region Altenburg Lebensgefahr im vermeintlichen Bade-Paradies
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18:26 13.07.2018
Der bräunliche Kohleflöz in der Böschung ist leicht zu erkennen, der unter den Füßen von Dietmar Onnasch die Oberfläche erreicht. Quelle: Mario Jahn
Mumsdorf

So etwas hat Dietmar Onnasch, Abteilungsleiter bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), noch nicht gesehen: ein Lagerfeuer im Sperrgebiet – praktisch direkt auf der Kohlelagerstätte. „Den Leuten, die das machen, ist offenbar überhaupt nicht klar, in welche Gefahr sie sich bringen“, sagt er fassungslos am Restloch Zipsendorf. Erst vor reichlich einem Monat, am 11. Juni, musste die Feuerwehr im ehemaligen Tagebau Zipsendorf Süd einrücken, um ein brennendes Kohleflöz zu löschen.

Die durchaus liebevoll, aber illegal angelegte Feuerstelle, auf die Onnasch zeigt, ist keine 100 Meter entfernt. „Der schwarze Boden hier ist keine Erd- oder Humusschicht, das ist reine Kohle“, erklärt der Bergbaufachmann an der Uferböschung, über die es von der Feuerstelle zum Baggersee geht. Die Unbekannten haben oben mit rund drei Meter langen Stämmen den Lagerfeuerplatz gerahmt sowie unten am Wasser einen stabilen Steg gebaut – und sich so ein richtiges Badeparadies geschaffen. Wahrlich: Mitten in der grünen Natur ist der herrlich saubere See, in dem Haubentaucher nach Fischen jagen, ein traumhafter Fleck.

Probleme gibt es am Restloch einige

Dass hier jedoch der schöne Schein mehr als trügerisch ist, beweist der frische Abbruch keine fünf Schritte vom illegalen Steg entfernt. Gut fünf Kubikmeter Boden sind hier offenbar erst vor wenigen Tagen fast drei Meter in die Tiefe gerutscht. „Wenn da jemand drauf steht oder sich unterhalb aufhält, besteht höchste Lebensgefahr“, betont LMBV-Mann Michael Woytusch, in dessen Zuständigkeit das Restloch fällt.

Mit Fotos hat er festgehalten, was er in den vergangenen Jahren alles erlebt hat. Er zeigt Aufnahmen, die belegen, mit welcher Gewalt die Schranken aufgebrochen und zerstört werden. Er zeigt Bilder deformierter Verbotsschilder und legt Fotos von ausgebrannten Autos vor. „Auch das passiert regelmäßig, hier werden gestohlene PKW entsorgt, weil normalerweise keiner vorbeikommt“, so Woytusch.

Die Spuren der Brände und der illegal Badenden – am Zipsendorfer Restloch wurde jetzt sogar ein illegaler Steg samt Lagerfeuerstelle direkt auf dem Kohleflöz entdeckt.

Auf den nächsten Fotos ist der Löscheinsatz vom vergangenen Jahr zu sehen. Damals zog der Rauch bis Mumsdorf, von wo die Feuerwehr und LMBV alarmiert wurden. „Ich war dabei: Als die brennende Kohle mit dem Löschwasser besprüht wurde, gab es eine Verpuffung samt meterhoher Stichflamme.“ Um so weniger können die LMBV-Leute verstehen, dass es in diesem Jahr nun die Feuerstelle gibt. „Die Leute müssten doch wissen, dass es hier schnell und oft brennt“, meint Onnasch. Und er fügt an: Bisher sei angenommen worden, dass sich die Kohleflöze entzünden, wenn bei Sommerwetter Wasser und Sauerstoff mit schwefelhaltiger Braunkohle in Kontakt kommen und eine entsprechende chemische Reaktionen auslösen. „Doch inzwischen müssen wir auch vermuten, dass die Lagerfeuer Brände auslösen“, klagt Onnasch.

Noch brennt es nicht unterirdisch

Und das kann direkt unterm Lagerfeuer passieren, weil die Hitze problemlos die wenigen Zentimeter in den Boden bis zum Flöz krieche. Entzündet sich ein Schwelbrand, führt das oft zu Hohlräumen, die an der Oberfläche nicht zu sehen sind. Dann besteht höchste Lebensgefahr, weil diese heißen Glutnester einbrechen, wenn sie betreten werden. Ganz ähnlich wie im Lödlaer Forst, der deswegen kürzlich abgeriegelt wurde (die OVZ berichtete).

Onnasch erläutert: „Hier in Mumsdorf haben wir die Flözbrände bis jetzt zeitig genug entdeckt und gelöscht, bevor sie sich wie in Lödla unterirdisch ausbreiten konnten.“ Dann ist es nämlich zu spät: Unterirdisch kann praktisch nicht mehr gelöscht werden. Bis dahin hilft Wasser zum Kühlen und eine rund einen Meter dicke Schicht aus tonhaltigem Sand, der aufgebracht wird, um dem Feuer den Sauerstoff zu entziehen.

Von Jörg Reuter

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