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Lebenslauf schlägt Programm

Lebenslauf schlägt Programm

In einer Kampfabstimmung hat die CDU-Basis des Wahlkreises 43 ihren Direktkandidaten für die Landtagswahl im Herbst bestimmt. Die Schmöllner Wahlkreismitarbeiterin Simone Schulze setzte sich am Sonnabend auf der Mitgliederversammlung in Starkenberg knapp mit 27 Stimmen gegen den Meuselwitzer Stadtrats-Fraktionschef Matthias Wittig durch, der 24 Stimmen erhielt.

Nach der SPD hat damit die Union als zweite Partei ihr Bewerber-Duo komplett.

 

 

 

Erneut stand der Union in diesem Wahlkreis eine Kampfabstimmung bevor. Schon in der Nominierung für die Landtagswahl 2009 war Fritz Schröter, der dieses Mandat seit 1990 immer gewonnen hatte, überraschend von seiner eigenen Wahlkreismitarbeiterin angegriffen worden. Die hieß damals Kathrin Lorenz und verlor erst die Abstimmung und danach ihren Job. Inzwischen ist sie freilich Schmöllner Bürgermeisterin.

 

Diesmal schien jedoch die Entscheidung unspektakulär: 24 Jahren im Erfurter Landtag sind für Fritz Schröter genug. Nicht zuletzt aus gesundheitlichen Gründen kündigte der 60-Jährige im August an, nicht noch einmal zu kandidieren. Auch die Nachfolge war geklärt - seine jetzige Wahlkreismitarbeiterin Simone Schulze sollte nach seinem Willen weitermachen. Und auch der einflussreiche Schmöllner CDU-Stadtverband war dafür.

 

Doch diesmal sorgte die Meuselwitzer Union für die Überraschung, als sie ihren Stadtrats-Fraktionschef Matthias Wittig ins Rennen schickte. Und wie vor fünf Jahren war der Ausgang plötzlich wieder offen.

 

Wohlwollende Unterstützer-Reden von Schröter selbst und Schmöllns CDU-Vorsitzendem Horst Lorenz für Simone Schulze einerseits als auch des Meuselwitzer Wohungsgesellschafts-Chefs Fred Reichel für seinen Freund Matthias Wittig andererseits waren da nur das Vorgeplänkel. Umso gespannter warteten die über 60 Mitglieder und Gäste auf die Bewerbungsreden der beiden Konkurrenten. Und die hätten unterschiedlicher nicht ausfallen können.

 

Schulze hielt sich viel zu lange mit Einzelheiten ihres Lebenslaufs auf, vom Eigenheim-Bau zu DDR-Zeiten bis zu den Qualifizierungen und Jobs in der Nachwendezeit. Ausführlich schilderte sie ihre Tätigkeit im Feuerwehrverein und den Kampf ums Zschernitzscher Gerätehaus. Politisch gab's dagegen nur ein knappes Bekenntnis zu Bildungszielen und Gesundheitspolitik der Union. Die einzige klar lokale Aussage kam zum Teersee und seinen Folge-Problemen: die seien nicht so schnell lösbar, sagte sie.

 

Wittig dagegen argumentierte politisch, offensiv und selbstbewusst. Der 48-jährige Finanz- und Versicherungsexperte verwies nur kurz auf Biografie und kommunalpolitische Erfahrungen, um dann sein Programm zu skizzieren: Der Landkreis brauche eine starke Stimme in Erfurt, denn er liege zwar am Rande Thüringens, aber im Herzen Mitteldeutschlands. Um drei Themen werde er sich besonders kümmern, versprach er: bessere Finanzausstattung der Kommunen, Verhinderung von Großkreisen und länderübergreifende Zusammenarbeit bei Infrastrukturprojekten.

 

Dennoch reichte es nicht, wenn auch nur knapp. 27 der 51 gültigen Stimmen entfielen auf Simone Schulze, 24 auf Matthias Wittig. Selbst der eine oder andere Schmöllner war da erst einmal sprachlos.

 

Der Landtagswahlkreis 43 (Altenbuger Land I) umfasst die Gemeinden zwischen Meuselwitz und Lucka im Norden und Schmölln und Gößnitz im Süden. Zum Wahlkreis 44 (Altenburger Land II) gehören neben Altenburg und Nobitz die Dörfer der Verwaltungsgemeinschaften Pleißenaue und Wieratal. Hier hatte die CDU bereits den Altenburger Stadtrat Christoph Zippel nominiert.

Günter Neumann

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