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Lehrermangel am Lerchenberg

Lehrermangel am Lerchenberg

Am Lerchenberggymnasium in Altenburg brennt die Luft. Was bei Schülern anfangs noch Glücksgefühle auslöste, sorgte von Woche zu Woche für größeren Unmut. Es fällt massiv Unterricht aus, weil Lehrer krank sind.

Unmut im Altenburger Lerchenberggymnasium: Wegen des anhaltenden Lehrermangels fällt der Unterricht aus.Montage: Mario Jahn

Quelle: Mario Jahn

Offiziellen Angaben der Schulleitung zufolge, standen in der vergangenen Woche deswegen 14 Lehrer nicht zur Verfügung. Der Unterricht musste enorm gekürzt, Kapazitäten mussten umgeschichtet werden, sagte Simone Preißler, die stellvertretende Schulleiterin, der OVZ. Im Regelfall gab es fünf Unterrichtsstunden pro Tag für alle Klassen; die Abiturklassen erhielten eine zusätzliche Stunde. Die Gymnasiasten müssen so umfangreiche Unterrichtsausfälle hinnehmen. "Diese Maßnahme war notwendig, da alle Reservemöglichkeiten, wie Vertretungsstunden, Mehrarbeit, Klassenzusammenlegungen oder -aufteilungen, ausgeschöpft waren," sagte Preißler. Die Pausenzeiten wurden ebenso geändert, um die Schulspeisung, den Bustransport sowie eine Aufsicht bis 13.30 Uhr zu garantieren.

 

40 Ausfallstunden im Dezember

 

Es ist äußerst selten, dass sich Schulen mit solchen Hiobsbotschaften an die Öffentlichkeit trauen, weil sie um ihren Ruf fürchten. Doch der Unterrichtsausfall sorgt mittlerweile bereits für massiven Unmut unter den Schülern und damit auch bei den Eltern. OVZ-Informationen zufolge ist der Lehrermangel speziell auf dem Lerchenberg kein momentan krankheitsbedingtes, sondern ein ständiges Problem, das von Schülern mittlerweile als unerträglich bezeichnet wird. So fielen in Klasse 11 allein im Dezember 40 Stunden aus. In einer Woche im Januar waren es in der 12. Klasse 13 Stunden, einschließlich Fächer mit gehobenem Anforderungsniveau. Abiturienten klagten, gar kein Physik oder Sport mehr zu haben.

 

Schulamt stößt an Grenzen

 

Auch an der Grundschule in Nobitz kocht das Problem der Unterrichtsausfälle immer wieder hoch. Seit der letzten Oktoberwoche fällt für die Klasse 4a der Englischunterricht gänzlich aus. Laut OVZ-Recherchen sind seither weitere Schulfächer zusätzlich betroffen, weil die Schulleitung, wie im Fall des Lerchenberggymnasiums, die Kapazitäten notgedrungen umschichten musste.

 

Für Berthold Rader, Schulamtsleiter von Ostthüringen, sind die Personal-Engpässe an Schulen ein alltägliches Problem. "Wir arbeiten hier an Grenzen. Und wenn wir an Grenzen kommen, an denen wir keine Vertretungsreserven haben, dürfen wir nach den rechtlichen Regelungen des Schulgesetzes auf die Unterrichtsplanung eingreifen." In Extremfällen entsendet das Schulamt Lehrer aus Nachbarschulen, um den Unterricht in der notleidenden Schule abzusichern. Erstrangig seien allerdings die Schulleiter selbst dafür verantwortlich, den Bildungsauftrag zu sichern, betont der Schulamtsleiter. Diese bewegen sich allerdings am Rand des Möglichen, wie an den Beispielen des Lerchenberggymnasiums und der Grundschule Nobitz zu sehen ist.

 

Das Problem der Personal-Engpässe muss nach Angaben des Schulamtsleiters auf politischer Ebene ausgetragen werden. "Wir erwarten von der Politik, auf Dauer Vertretungsreserven zu schaffen", sagte er. Pläne zur besseren Unterrichtserfüllung stehen bereits. Im Februar 2013 veröffentlichte das Kultusministerium einen sogenannten Sieben-Punkte-Plan, der unter anderem auf den Aufbau solcher Reserven abzielt. Dieses Konzept wurde in den bisherigen Haushaltsplanungen des Thüringischen Finanzministerium allerdings noch nicht umgesetzt.

 

Signale aus dem Bildungsministerium

 

Das Problem im Lerchenberggymnasium ist mittlerweile bis zur Landrätin vorgedrungen. Michaele Sojka (Linke) hat deswegen bereits ihren Leiter des Schulverwaltungsamtes beauftragt, wegen des Lehrermangels in Erfurt zu intervenieren, obwohl sie weiß, dass das Landratsamt für dieses Problem gar nicht zuständig ist. Dennoch hat Sojka wegen ihres Vorstoßes offenbar Signale aus dem von ihrer Parteifreundin Birgit Klaubert geführten Bildungsministerium erhalten. So sollen die Termine für die Einstellungsgespräche auf den 1. Februar vorgezogen werden. Damit will man erreichen, dass sich Lehramtsanwärter nicht in anderen Bundesländern orientieren und dann für Thüringen nicht mehr zur Verfügung stehen. Sojka würdigte diese Ankündigung von Klaubert als mutigen Schritt: "Wir brauchen junge Lehrer." Angesichts der Hilferufe aus dem Lerchenberggymnasium ermutigte die Landrätin auch andere Schüler und vor allem Elternvertreter, sofort Alarm zu schlagen, wenn es brennt.

 

Keine Hilfe für Lerchenberg

 

Trotz der Signale aus Erfurt kann auch dort dem Altenburger Gymnasium niemand sofort helfen. Schulamtsleiter Berthold Rader hat für diese Bildungsstätte ebenfalls keine Lösung parat. Für die Grundschule Nobitz soll ab dem zweiten Schulhalbjahr ein Lehrerersatz aus einer anderen Schule aushelfen, verspricht der Schulamtsleiter. Ab kommendem Schuljahr sind dem Altenburger Land drei neue Stellen im Grundschulbereich zugesichert.

 

Etlichen Schülern nützen langfristige Lösungen nichts mehr, beispielsweise Abiturienten, wie die OVZ von betroffenen Jugendlichen erfuhr: "Ich kann in der Abi-Prüfung nicht sagen, tut mir leid, ich hatte leider Ausfall", meinte einer. © Kommentar

Jens Rosenkranz

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