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Altenburg Lehrermangel an Wieratalschule: Eltern beklagen Unterrichtsausfall
Region Altenburg Lehrermangel an Wieratalschule: Eltern beklagen Unterrichtsausfall
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04:11 05.04.2018
Lehrermangel: An der Wieratalschule fällt viel Unterricht aus. Quelle: Mario Jahn
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Langenleuba-Niederhain

Bis zum Ende der Ferien erwartet Manja Ebelshäuser, Elternsprecherin der Wieratalschule, Antwort vom Oberschulamt. Ihr und den anderen Müttern und Vätern der Schüler ist die Sache ernst. Denn sie sind stinksauer über den Ausfall an der Bildungsstätte. Grund dafür ist auch an der Wieratalschule die mangelnde Ausstattung mit Lehrern. In Niederhain werden 175 Schüler von 15 Lehrern unterrichtet – theoretisch. Denn allein zwei Kollegen seien langzeitkrank.

„Das Fach Religion kann seit November nicht mehr unterrichtet werden“, schreiben die Eltern in ihrem Brief an das Oberschulamt. Der Grund dafür seien die krankheitsbedingten Ausfälle, von dem etwa auch das Fach Chemie in den Klassenstufen 7 und 9 betroffen sei. Im Detail haben die Eltern in ihrem Schreiben die Situation an der Wieratalschule geschildert und wollen nun wissen, wie es weiter geht, vor allem bis wann sich die Situation ändert.

Sollte es bis Mitte April keine Antwort geben, haben sich die Eltern fest vorgenommen, den Druck weiter zu erhöhen. Unter anderem ist dann ein Termin mit den Bürgermeistern von Langenleuba-Niederhain und Nobitz beim Oberschulamt geplant. Zur Gemeinderatssitzung in Niederhain sichert Bürgermeister Carsten Helbig (SPD) sofort seine Unterstützung zu.

Der Brief der Eltern an die Gemeinde Langenleuba-Niederhain

Sehr geehrter Herr Helbig,

werte Mitglieder des Gemeinderates,

die Elternsprecher der Regelschule (Wieratalschule) Langenleuba- Niederhain, möchten Ihre heutige Gemeinderatssitzung zum Anlass nehmen, um Ihnen unsere Sorgen im Zusammenhang mit dem landesweit bekannten Lehrermangel einmal darzulegen. Lehrermangel besteht auch an unserer Schule und bereitet uns als Elternsprecher perspektivisch große Sorgen.

Aktuell sieht die Situation an unserer Schule wie folgt aus:

Zurzeit besuchen 175 Schüler und Schülerinnen unsere Schule. Das Kollegium besteht aus 15 Lehrern. Wir sind eine s.g. zweizügige Schule. Das bedeutet, dass es von jeder Klassenstufe zwei Klassen gibt.

Von diesen 15 Lehrern sind zwei langzeiterkrankt. Das bedeutet für unsere Schüler, dass es in den Fächern Religion, Mathematik, MNT, Biologie, Sport, Deutsch, Französisch und Chemie zu Einschnitten kommt. Denn diese Fächer werden entweder gar nicht oder nur teilweise unterrichtet.

Das Fach Religion kann seit November 2017 nicht mehr unterrichtet werden. Der Grund hierfür ist die Erkrankung beider Religionslehrer. Auch das Fach Chemie ist in den Klassenstufen 7 und 9 davon betroffen.

Klassenzusammenlegungen sind an der Tagesordnung. Bereits zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 fehlten zudem noch Chemielehrer. Es konnte bis September 2017 nicht erteilt werden. Nur auf Grund von s.g. Gastlehrern war es möglich, dass Chemieunterricht doch noch stattfinden konnte, wenn auch nur verkürzt.

Die Erkrankung einiger Lehrer führte auch hier schon zu einer schwierigen Situation. Die Stundentafel musste stark eingekürzt werden, um überhaupt noch den Schulalltag abdecken zu können. Hilferufe an die entsprechenden Stellen blieben ohne Reaktion. Der Stundenplan unserer Kinder wurde in diesem Schuljahr bereits fünf Mal verändert. Zum Teil haben die Schüler nur vier Stunden am Tag Unterricht und müssen dann, wenn sie 11.30 Uhr nicht nach Hause kommen, trotzdem betreut werden. Stundenkürzungen in Größenordnungen mussten vorgenommen werden, damit wenigstens die Hauptfächer Deutsch, Mathe und Englisch in allen Klassen stattfinden können.

Dies ist die derzeitige Situation.

Aber zum Ende des Schuljahres 2017/2018 scheiden weitere zwei Fachlehrer aus dem Schuldienst aus. Dies bedeutet, wenn kein Ersatz kommt folgendes:

Das Fach Französisch kann dann im neuen Schuljahr nicht mehr unterrichtet werden und Technisches Werken muss im neuen Schuljahr verkürzt laufen.

Auch bei den Fächern Mathematik, Physik und Geschichte wird es Einschnitte geben.

Dies stellt für uns als Eltern eine unbefriedigende Situation dar.

Bei unserer ganzen Schilderung ist noch nicht berücksichtigt, dass es auch jederzeit vorkommen kann, dass weitere Lehrer erkranken.

Der bestehende und noch zu erwartende Lehrermangel geht auf Kosten und zu Lasten der noch vorhandenen Lehrer unserer Schule und kann so nicht länger akzeptiert werden.

Am Ende des vergangenen Schuljahres schied eine Fachlehrerin, welche die Fächer Mathematik und Physik unterrichtet, aus dem Schuldienst aus. Dies war an den entsprechenden Stellen durchaus bekannt. Jeder würde jetzt vermuten, dass diese Stelle neu besetzt wurde. Weit gefehlt. Diese Stelle blieb unbesetzt. Die Stunden wurden auf die Lehrer verteilt. Erst seit dem 10. Februar 2018 hat unsere Schule eine neue Lehrerin, welche die Fächer Mathematik und Physik unterrichtet. Aber trotz allem ist das Problem nicht vom Tisch.

Wir hoffen, dass Sie anhand unserer Schilderung der Situation unsere Sorgen verstehen können.

Nun unser Anliegen:

Was kann unsere Gemeinde tun, um unsere Regelschule vor dem totalen Kollaps zu bewahren?

Denn es sind die Kinder aus dem Wieratal und der Gemeinde Nobitz, die hier an unserer Schule unterrichtet werden. Und dies soll auch in den nächsten Jahren bzw. für immer so sein.

Unsere Kinder sind unsere Zukunft und das größte Gut. Eine gute Schulbildung ist der Grundstein für die spätere Berufsausbildung und den weiteren beruflichen Weg unserer Kinder.

Und genau dafür lohnt es sich zu kämpfen.

Deshalb bitten wir als Elternvertretung der Wieratalschule die Verwaltungsgemeinschaft Wieratal um Hilfe, um den Lehrermangel an unserer Schule zu unterbinden.

Denn nach § 3 der Thüringer Schulordnung hat jeder Schüler ein Recht auf eine seinen Fähigkeiten und seinen Neigungen entsprechende schulische Bildung und Förderung. Er hat das Recht, am Unterricht und an den sonstigen verbindlichen Schulveranstaltungen teilzunehmen.

Um dies gewährleisten zu können, müssen wir handeln.

Das Wieratal muss unseren Lehramtsanwärtern nähergebracht werden. Denn eine Landschule bleibt eine Landschule, mit all ihren Vorzügen.

Für weitere Gespräche wären wir jederzeit gern bereit.

Im voraus vielen Dank im Namen aller Elternsprecher der Regelschule.

Von Jörg Reuter

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