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Lehrermangel im Altenburger Land: Amtschef fordert mehr Personal oder Schulschließungen

Bildungspolitik Lehrermangel im Altenburger Land: Amtschef fordert mehr Personal oder Schulschließungen

Schulamtsleiter Berthold Rader bezeichnet den Lehrermangel und den daraus resultierenden Unterrichtsausfall im Altenburger Land als „strukturelles Problem“. Für dessen Lösung sieht er neben stärkeren Anreizen vor allem zwei Wege: „Entweder man stellt mehr Lehrer ein, oder es gibt eine Eingriffsermächtigung, kleinere Schulen zu schließen.“

Auch die Grundschule Meuselwitz, die Landrätin Michaele Sojka (Linke, 2.v.l.) zum Schulstart besuchte, ist vom Lehrermangel betroffen.

Quelle: Marlies Neumann

Altenburg. Der Lehrermangel – insbesondere an Grundschulen – im Altenburger Land ist gravierender als gedacht. Zwar können Schulamt Ostthüringen und Thüringer Bildungsministerium absichern, dass jeder ABC-Schütze einen Klassenlehrer hat, zahlen dafür aber einen hohen Preis. Wie die Behörden erklärten, war dies nur durch Verschieben von Lehrern, Einsatz von Schulleitern und das Zusammenlegen von Klassen zu gewährleisten. Ansonsten hätte es im Kreis elf Klassen ohne Pädagogen gegeben. Nach OVZ-Informationen sind von den Maßnahmen mindestens acht der 18 staatlichen Grundschulen betroffen – fast die Hälfte.

„Die Situation ist nicht ideal, aber wenn Not ist, müssen wir das gemeinsam tragen“, sagte Schulamtsleiter Berthold Rader zu den Verschiebungen. „Das zieht aber einen Rattenschwanz nach sich, bei dem es nicht ausbleibt, dass Unterricht gekürzt werden muss.“ Das sei wie bei einer Bettdecke: Ziehe man oben, reiche sie unten nicht mehr. Für ihn ist der Lehrermangel „ein strukturelles Problem“, für dessen Lösung er neben stärkeren Anreizen, wie einer Verbeamtung, vor allem zwei Wege sieht: „Entweder man stellt mehr Lehrer ein und sichert das über einen Nachtragshaushalt ab, oder es gibt eine Eingriffsermächtigung, kleinere Schulen zu schließen.“ Hier sehe er die Politik in der Pflicht.

Bei der Schulnetzplanung eher auf größere Schulen zu setzen, erklärte Rader vor allem damit, dass es dort leichter sei, Weggänge oder Ausfälle zu kompensieren: „In einer vierzügigen Grundschule haben Sie eine ganz andere Lehrerzahl, und auch im Hort ist es einfacher als mit nur sieben oder acht Kollegen.“ Hinzu komme, dass es schwierig sei, jüngere Lehrer für den Einsatz auf dem Land zu gewinnen. Außerdem schwächt man durch Abordnen und Absichern des Personals an kleinen Schulen die größeren. Ein Zusammenhang, auf den zum Schulanfang bereits Landrätin Michaele Sojka (Linke) hingewiesen und dem Kreistag vorgeworfen hatte, dass ihm das egal sei.

In der Konsequenz droht nun an den Altenburger Grundschulen Martin Luther und Platanenstraße längerer Ausfall von Stunden in Englisch, Werken sowie Religion, räumte das Ministerium ein. Ähnliches gilt in zum Teil anderen Fächern für die Grundschulen in Meuselwitz, Wintersdorf, Lucka, Niederhain, das Altenburger Karolinum und die Gemeinschaftsschule Erich Mäder. Kaum weniger problematisch sind Zusammenlegungen. Denn dadurch kommt es mitunter zu 30 oder mehr Schülern pro Klasse. Möglich ist das, weil in Thüringen keine rechtlich verbindliche Obergrenze existiert.

Doch das Verschieben von Lehrern hat Grenzen. „Wir setzen auf einvernehmliche Lösungen“, sagte Rader. Zwar könne man Kollegen auch mit Zwang abordnen, aber das bringe wenig, wenn diese dann weglaufen oder sich in Krankheit flüchten. Überhaupt sei der Krankenstand wegen des hohen Alters der Grundschullehrer ein Problem.

Doch nicht nur da drückt der Schuh. Von den zehn neuen Stellen, die es kreisweit geben sollte, sind nach wie vor zwei unbesetzt: eine im Elementarbereich der Gemeinschaftsschule Erich Mäder und eine an der Johann-Friedrich-Pierer-Schule für das Berufsschullehramt Ernährung. „Wir haben versucht, unbefristete Einstellungen zu vollziehen, stellen bei Gesprächen aber fest, dass Bewerber nicht kommen oder nicht in den ländlichen Bereich wollen“, so Rader. „Wir machen so viel Werbung wie möglich, aber andere Bundesländer verbeamten.“

Das weiß auch Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke), die das Thema nun mit ihren Kollegen aus anderen Bundesländern besprechen will. Per Knopfdruck ließe sich das Problem aber nicht lösen, vielmehr brauche es ein abgestimmtes Konzept. Unterdessen werden auch in der Regierungskoalition die Rufe nach mehr Neueinstellungen lauter.

Von Thomas Haegeler

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