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Altenburg Leipziger Künstler Sighard Gille stellt in Garbisdorf aus
Region Altenburg Leipziger Künstler Sighard Gille stellt in Garbisdorf aus
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20:00 31.08.2017
Sighard Gille (l.) vor seinem Gemälde „Als ich Juri Gagarin fixierte“ im Gespräch mit Günter Lichtenstein. Quelle: Klaus Peschel
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Garbisdorf

Er ist ein Maler mit imposantem Farbauftrag und ausdrucksvoller Bildkomposition. Sighard Gille gilt als Vertreter der Leipziger Schule. Anlässlich seines 75. Geburtstages gab es bis Januar dieses Jahres eine dreimonatige Werkschau im Museum der Bildenden Künste in Leipzig. Sie trug den Titel „Ruhelos“ und zeigte etwa 80 Gemälde von den späten 1960er-Jahren bis in die Gegenwart. Nun hat Sighard Gille eine Ausstellung in der Galerie „Pferdestall“ im Quellenhof Garbisdorf. Sie nennt sich „Flugsamen“. Zu sehen sind 19 Arbeiten aus dem vergangenen Jahrzehnt. Darunter lediglich zwei Gemälde. Radierungen und Lithographien überwiegen. Der Maler Gille soll auch als Grafiker vorgestellt werden, so Galerie-Leiter Günter Lichtenstein.

Im Gespräch mit dem Künstler kam Lichtenstein nicht am Begriff der Leipziger Schule vorbei. Mit dieser Bezeichnung habe er nie Probleme gehabt, bekannte Gille. Er selbst gehöre zur zweiten Generation der Leipziger Schule. Seine Vorgänger seien Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke gewesen. Und bei Bernhard Heisig habe er mit aller Macht Malerei studieren wollen. Das ist Gille auch gelungen. An Heisig faszinierte ihn die Spannweite von Kokoschka bis Beckmann.

Als Sighard Gille als Student an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig begann, war er schon 25 Jahre alt. Zuvor hatte er ein Studium der Landwirtschaft an der Humboldt-Universität Berlin abgebrochen und eine Ausbildung als Porträtfotograf abgeschlossen. Auf die Zeit als Fotograf nimmt auch ein Gemälde in Garbisdorf Bezug. Es nennt sich „Als ich Juri Gagarin fixierte“ und ist mit den Jahren 2013/15 datiert. „Das Bild wurde noch nie gezeigt“, sagt der Künstler. In der Galerie hat es neben dem Gemälde „Große Brennnessel“ aus dem Jahr 2013 einen zentralen Platz.

Nach dem Weggang Heisigs aus Leipzig setzte Gille sein Studium bei Mattheuer fort. Nach dem Diplom folgte er seinem Lehrer Bernhard Heisig nach Berlin und wurde bei ihm Meisterschüler an der Akademie der Künste. Im Jahr 1992 erhielt er die Berufung als Professor an die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Er übernahm die Malklasse von Heisig. Diesen Lehrauftrag hatte er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2006 inne.

Er sei Maler und kein Kunstwissenschaftler, sagte Sighard Gille. Deshalb könne er keine Definition von dem geben, was die Leipziger Schule sei. Auf jeden Fall habe es etwas mit Zeichnen zu tun, das wurde damals hoch gehalten. Da war er sich ganz sicher. Jetzt habe sich diesbezüglich einiges geändert, man spreche deshalb auch von der neuen Leipziger Schule.

In einem Gespräch mit dem Künstler kann auch ein zweites Thema nicht unangesprochen bleiben. Das Deckengemälde im Leipziger Gewandhaus. Es entstand 1980/81. Zwei Jahre stand Sighard Gille auf dem Gerüst und arbeitete auf einer Baustelle. Sein „Gesang vom Leben“ verlangte viele Entwürfe, Studien, Farbproben und Federzeichnungen. Gille erzählte von den Schwierigkeiten, die Perspektive, Schrägen und Treppen bereiteten. Und er plauderte über den guten Ratschlag des Arztes, aller 20 Minuten vom Gerüst zu steigen und Übungen zu machen. Was er natürlich nicht tat. Er lädierte sich die Halswirbelsäule und wurde nach Eröffnung des Gewandhauses zur Kur geschickt.

„Ich stehe zu meinen Arbeiten“, sagt Sighard Gille. Und er fügt hinzu: „Ich habe nicht unbedingt das Bedürfnis, Sachen zu übermalen. Es sind immer wieder andere Prämissen und andere Anregungen, die meine Arbeit bestimmen. Im Gegensatz zu früher sind heute die Sorgen und Probleme globaler geworden.“ Geblieben sind die Leidenschaft zum Zeichnen und die Arbeit vor dem Modell. „Das Modell und die Landschaft sind räumlich, nicht so flach wie ein Foto, eins zu eins von einem Foto abmalen, das ist grausig“, bekannte sich Gille zu seiner klassischen Ausbildung und damit zur Leipziger Schule. Zur alten Leipziger Schule.

Die Ausstellung ist bis zum 23. Januar 2018 in Garbisdorf zu sehen. Anmeldung zur Besichtigung bei Günter Lichtenstein (Tel. 037608 29030). Weitere Infos unter www-quellen-hof.de.

Von Klaus Peschel

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