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Lesen lernen, Leben lernen: Schmöllner Kita erhält Vorlesekoffer

Projekt-Start Lesen lernen, Leben lernen: Schmöllner Kita erhält Vorlesekoffer

In Schmölln las Bildungsministerin Birgit Klaubert den Kindern der Kita „Am Finkenweg“ aus dem Vorlesekoffer der Stiftung Lesen vor und wurde mit Begeisterung empfangen. Damit startet das Projekt „Alle Kinder dieser Welt“ auch in Thüringen.

Ministerin Klaubert liest der Großen Gruppe der Kita „Am Finkenweg“ die Geschichte vom Wackelzahn vor.

Quelle: Christian Neffe

Schmölln. Thüringens Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) und Bürgermeister Sven Schrade (SPD) läuteten am Montagvormittag in der Schmöllner Kindertagesstätte „Am Finkenweg“ den Startschuss für das Projekt „Alle Kinder dieser Welt“ ein. Die anwesenden Kinder erhielten insgesamt fünf Vorlesekoffer mit jeweils neun Geschichten über andere Kulturen. Diese Koffer werden im Rahmen des Projekts, das in Zusammenarbeit der Stiftung Lesen und der Deutsche Bahn Stiftung entstand, deutschlandweit an alle Kitas verteilt.

Die 2011 ins Leben gerufene Aktion begann in Nordrhein-Westfahlen und wurde seitdem in weiteren Bundesländern fortgeführt. Mit Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen gelangt das Projekt diesen Herbst auch in die anderen Bundesländer. Pünktlich zum bundesweiten Vorlesetag am 18. November wird dann jede der rund 50 000 Kitas in Deutschland einen der begehrten Koffer erhalten haben.

Ziel war dabei von Anfang an, die Integration von und das Verständnis für Kinder von Flüchtlingen und Migranten zu fördern. Deshalb geht es in jeder der neun Geschichten, die in den Koffern enthalten sind, um Bräuche, Feste und die ganz alltäglichen Begebenheiten anderer Kulturen – und wie diese von in Deutschland lebenden Familien begangen werden. Außerdem enthält der Koffer pädagogisches Begleitmaterial zu den Themen „Vorlesen in der Kita“ und „Interkulturalität“.

„Kinder sind offen für Neues und interkulturelle Geschichten laden dazu ein, Vielfalt gemeinsam zu entdecken“, sagte Ministerin Klaubert, die den zehn anwesenden Kindern zwei Geschichten vorlas, bevor sie ihnen die Koffer überreichte. Besonders in Zeiten von YouTube und Co. sei es wichtig, dass Kinder vermehrt zum Lesen animiert werden. Das beginne bereits im Vorschulalter – mit Vorlesen. Positive Anzeichen sieht sie schon seit längerer Zeit, so gebe es immer mehr Bibliotheken in Schulen und auch in Kindergärten.

Auch in der Kita „Am Finkenweg“ wird Vorlesen ganz groß geschrieben. Mit circa 2700 Büchern bietet die hauseigene Bibliothek bereits eine Menge Lesestoff, der nun um die interkulturelle Literatur, die die Stiftung Lesen gemeinsam mit dem Carlsen Verlag sorgfältig zusammengestellt hat, erweitert wird. Auch Katrin Konitzer, Leiterin der Einrichtung, ist dankbar für die Unterstützung der Stiftungen sowie des Bildungsministeriums. Jeden Tag wird den 132 Kindern, darunter zehn mit türkischem, tschetschenischem und somalischem Migrationshintergrund, vor dem Mittagschlaf vorgelesen. Das sei nicht nur wichtig für die sprachliche Entwicklung, sondern fördere auch den Austausch zwischen den Kleinen. „Der interkulturelle Vorlesekoffer ist ein gelungener Beitrag sowohl zur Integration als auch für die Förderung der Sprachfähigkeit“, meint auch Ministerin Klaubert.

Das Projekt „Alle Kinder dieser Welt“ soll genau dazu beitragen, indem es den interkulturellen Dialog zwischen den Kindern stärkt. „Die Geschichten aus dem Vorlesekoffer inspirieren Kinder, sich mit den unterschiedlichen Lebensgewohnheiten von Menschen jeder Herkunft zu beschäftigen und sie zu respektieren“, sagt Sandra Kinzinger von der Deutsche Bahn Stiftung. So erfahren sie zum Beispiel, wie eine chinesische Familie das Frühlingsfest feiert, warum bei afrikanischen Kindern nicht die Zahnfee, sondern der Rabe Kunguru die Milchzähne abholt oder wie eine syrische Familie ihr neugeborenes Baby begrüßt.

Einige Kinder drängten sich beim Vorlesen um die Ministerin, während andere bereits die übrigen Werke des Vorlesekoffers inspizierten. Interessiert waren sie vor allem an den Bildern, die die Geschichten passend illustrieren. In den kommenden Wochen dürfen sich auch die Kinder der restlichen 1314 thüringischen Kitas über die Koffer freuen.

Von Christian Neffe

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