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Altenburg Lindenau-Museum rückt den Fußball in den Fokus
Region Altenburg Lindenau-Museum rückt den Fußball in den Fokus
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00:32 09.06.2018
Noch im Aufbau befindlich: die neue Sonderschau im Lindenaumuseum Altenburg „Das Runde und das Eckige". Dr. Benjamin Rux (l.) , hier vor einem Gemälde von Gerhard Kurt Müller, kuratierte die Ausstellung. Die Idee dazu hatte Roland Krischke, Direktor des Lindenau-Museums (5.v.l.). Quelle: Foto: Mario Jahn
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Altenburg

Sie hat noch nicht einmal begonnen, und doch ist sie bereits jetzt in aller Munde: die Fußball-Weltmeisterschaft des Jahrgangs 2018 in Russland. Selbst Einrichtungen, die man auf den ersten, ja noch nicht einmal auf den zweiten Blick mit solch einem sportlichen Großereignis in Verbindung bringen würde, sind vom allgemein grassierenden Virus infiziert, wie das Beispiel Lindenau-Museum zeigt.

Hier im Haus an der Gabelentzstraße laufen in diesen Tagen die Vorbereitungen zu einer dem Sommerereignis dieses Jahres gewidmeten Sonderschau: „Das Runde und das Eckige – Fußball in der Kunst“, so der Titel. Feierlich eröffnet wird die Exposition am kommenden Sonnabend, 9. Juni, um 20 Uhr im Rahmen der 19. Altenburger Museumsnacht.

Von wegen Fußballmuffel

Es ist ein Klischee oder auch ein Vorurteil, dass Künstler oder Geistesschaffende sich nicht für Sport interessieren oder sich gar voller Enthusiasmus für den Fußball begeistern können. Darin sind sich Roland Krischke, der Direktor des Lindenau-Museums, und Benjamin Rux, wissenschaftlicher Mitarbeiter an seiner Seite, unisono einig, als sie der OVZ eine exklusive Vorabführung durch die noch im Aufbau befindliche neue Sonderschau gewähren.

Selbstverständlich haben sie die Vorbereitungen zum bevorstehenden Großereignis mitverfolgt, ebenso selbstverständlich werden sie sich die Spiele der Fifa-WM anschauen – und ganz rasch auch geraten die beiden am Rande der offiziellen Kunstbetrachtung ins private Fachsimpeln über Chancen der deutschen Mannschaft, über Wahrscheinlichkeitsrechnungen bei der Titelverteidigung und markante Meilensteine der bisherigen WM-Geschichte.

Angestachelt wurde ihre Vorfreude aufs große Sommerereignis vor allem durch die inzwischen fast ein Jahr währende Vorbereitung dieser Exposition, in der sich fast alles ums Runde und ums Eckige dreht. Zu ihrer an manchen Stellen eigenen Verblüffung stießen sie in der Recherche auf sehr vielfältige Beziehungen zwischen der Jagd ums runde Leder und dem Schaffen sehr unterschiedlicher Künstler.

Historischer Einfluss

Roland Krischke – er hatte die Idee zu einer solchen Ausstellung – beabsichtigte damit nicht zuletzt, „teils einmal ein ganz anderes Publikum in den gelegentlich als elitär angesehenen Kunsttempel zu locken“. Kunsthistoriker Benjamin Rux setzte die zunächst noch eher vagen Vorstellungen letztlich als Kurator in die Realität um, getreu dem Motto: „Fußball ist bekanntlich unser Leben, aber was wäre das Leben ohne Kunst?“

Folgerichtig öffnet das Lindenau-Museum jetzt also seine Tore für jene (Ball-)Künstler, die das Runde mit Pinsel, Nadel oder Stift meisterhaft im Eckigen unterzubringen verstehen. Was Wenigen bewusst ist: Schon seit sich der moderne Fußball im 19. Jahrhundert in England etablierte, setzten sich Künstler mit dem Phänomen auseinander – und manch einer wird beim Bummel durch die Präsentation staunen, wie weit zurück diese kreativen Auseinandersetzungen in der Historie gehen.

Beeindruckendes Video, exklusive Fotos

Gezeigt werden Arbeiten unterschiedlichster Techniken. Von Keramik, Plastik, Malerei, Zeichnung und Druckgrafik spannt sich der Bogen zu Fotografie und Film. Letztgenannter ist in der Ausstellung mit der Videoinstallation „Deep Play“ (2007) des international bekannten Filmemachers und Videokünstlers Harun Farocki vertreten. „Das Werk umkreist das WM-Finale 2006 zwischen Italien und Frankreich und wurde auf der documenta XII gefeiert“, wie sich Benjamin Rux an seine Erstbegegnung mit diesem ganz besonderen Kunstprojekt erinnert.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden grafische Arbeiten von Künstlern der Leipziger Schule wie Wolfgang Mattheuer und Rolf Münzner oder dem hierzulande bestens bekannten, mit Altenburg engstens verbundenen Peter Schnürpel. Daneben stellt sich bei Arbeiten von Max Klinger und Willi Baumeister die Frage nach dem Idealbild eines Sportlers und einer von Kommerz, Doping und Populismus gekennzeichneten Realität. Erstmals schließlich werden die legendären Fußballspiele der Leipziger Künstlerverbindung „Art Breaker“ gegen die Mannen der Künstlergruppe „Clara Mosch“ aus Karl-Marx-Stadt ausführlich in Fotos von Ralf-Rainer Wasse präsentiert. Eine Entdeckung!

Kicken zur Eröffnung

Zur Eröffnung am Sonnabendabend gibt Museumsdirektor Roland Krischke Interessierten eine Einführung ins Konzept der Sonderschau. Für musikalische Überraschungen sorgt Olav Kröger, seines Zeichens Schauspielkapellmeister von Theater & Philharmonie Thüringen. Im Anschluss an diesen Auftakt im Oberlichtsaal in der zweiten Etage findet hinter dem Lindenau-Museum ein Torwandschießen mit bekannten Altenburger „Meisterschützen“ statt.

Für den WM-würdigen Kader konnten unter anderem Landrätin Michaele Sojka und der künftige Oberbürgermeister der Stadt Altenburg, André Neumann, gewonnen werden, daneben Sparkassenchef Bernd Wannenwetsch und Vertreter des Förderkreises „Freunde des Lindenau-Museums“. Zudem stehen die Direktoren des Schloss- und Kulturbetriebs, Christian Horn, und der Burg Posterstein, Klaus Hofmann, im Aufgebot, gleichermaßen „kicken“ Roland Krischke und der Direktor des Naturkundemuseums Mauritianum, Mike Jessat.

Schauspieler und Regisseur Bernhard Stengele moderiert diesen sportlichen Teil des Abends und wird zusätzlich jeden Interessierten einladen, seine Ballkünste öffentlich vorzuführen. Die eigens für diesen Abend gestaltete Torwand wurde von den jungen Teilnehmern eines Malerei-Grafik-Kurses des Studios Bildende Kunst unter Leitung des Künstlers Tilman Kuhrt kreiert.

Wer sich die neue Ausstellung fernab des Museumsnachttrubels in aller Ruhe anschauen möchte, hat dazu bis zum 2. September Gelegenheit, eine erste Sonderführung findet am kommenden Sonntag, 10. Juni, um 15 Uhr statt.

Von Frank Engelmann

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