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Altenburg Lindenau-Museum zeigt hochkarätige Schenkung – Debatte um Altenbourg-Preis
Region Altenburg Lindenau-Museum zeigt hochkarätige Schenkung – Debatte um Altenbourg-Preis
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12:32 12.01.2016
Die Schenkung sei „ein grandioser Glücksfall“, sagte Museumsdirektorin Julia M. Nauhaus am Montag in Altenburg. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Die große Sammlung des Lindenau-Museums zum Künstler Gerhard Altenbourg (1926-1989) hat erneut hochkarätigen Zuwachs bekommen. Dabei handle es sich um 24 Zeichnungen und einen Messingguss, die das Ehepaar Suse und Werner Pfäffle aus Baden-Württemberg dem Museum geschenkt habe, sagte Direktorin Julia M. Nauhaus am Montag in Altenburg. „Das ist ein grandioser Glücksfall für dieses Museum.“ Überschattet wird die Freude allerdings von den anhaltenden Querelen um den Gerhard-Altenbourg-Preis, den das Museum vergibt. Angesichts der aktuellen Situation im Kuratorium befürchte sie einen längeren Stillstand, erklärte Nauhaus.

Im Sommer sollen die Werke in einer Ausstellung zu sehen sein. Quelle: Mario Jahn

Das Lindenau-Museum beherbergt nach eigenen Angaben den weltweit größten Werkbestand Altenbourgs. Zum Fundus von etwa 630 Arbeiten kommt der umfangreiche Nachlass des Künstlers, der von einer angegliederten Stiftung bewahrt wird. Der Maler und Grafiker wäre im November 90 geworden. Während er in der DDR kaum ausstellen durfte, waren seine Arbeiten schon zu Lebzeiten im Ausland hoch anerkannt.

Einige der Zeichnungen aus der Pfäffle-Sammlung seien schon seit Jahrzehnten nicht mehr ausgestellt gewesen, betonte Nauhaus. Die Sammlung umspanne das gesamte Schaffen Altenbourgs - die früheste Arbeit von 1948, der Messingguss „Verlobte“ entstand 1989 kurz vor seinem Tod. Den Wert taxierte Nauhaus auf mehr als eine halbe Million Euro. Garnieren möchte sie die Schau mit der Uraufführung einer Vertonung von Texten Altenbourgs. Dazu gebe es Gespräche mit dem Generalmusikdirektor des Theaters Altenburg-Gera, Laurent Wagner.

Ob 2016 wie eigentlich geplant der Gerhard-Altenbourg-Preis vergeben wird, ist dagegen ungewiss. Die ursprünglich auserkorene Künstlerin hat die mit 10.000 Euro Preisgeld sowie Ausstellung und Katalog verbundene Auszeichnung ausgeschlagen. Wegen eines Streits um die Neuausrichtung und die Ankündigung von Landrätin Michaele Sojka (Linke), Nauhaus’ Vertrag nicht zu verlängern, hatten fünf Mitglieder des Kuratoriums ihren Austritt erklärt, zwei weitere sind aus Altersgründen ausgeschieden. Dadurch ist das Gremium von 16 auf neun Mitglieder geschrumpft - darunter Nauhaus und der Generaldirektor der Museen der Klassik Stiftung Weimar, Wolfgang Holler, als die einzigen ausgewiesenen Museumsleute.

Seit 1998 wird vom Lindenau-Museum Altenburg der Gerhard-Altenbourg-Preis vergeben. 2012 nahm Michael Morgner ihn aus den Händen von Julia Nauhaus entgegen. Quelle: Jens Paul Taubert

Aus ihrer Sicht könne das Kuratorium in seiner jetzigen Form nicht weiterarbeiten und müsse sich neu finden, erklärte Nauhaus, deren Vertrag noch bis Ende Juni läuft. Sie befürchte nun Stillstand in der Kuratoriumsarbeit bis ein Nachfolger gefunden sei. Zugleich zog sie den Vorschlag Sojkas infrage, nach der Absage den Zweitplatzierten mit dem Preis zu würdigen. Davon rät auch Holler ab. „Nun einen anderen Preisträger durchzusetzen, würde ich nicht empfehlen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er plädierte dafür, zunächst innezuhalten, ein neues Kuratorium zu bilden und sich dann über den künftigen Zuschnitt des Preises zu verständigen. Daher sollte die Vergabe zunächst ausgesetzt werden. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Cy Twombly, Micha Ullman und zuletzt 2014 Olaf Holzapfel.

Holler bedauerte, dass durch die Querelen die Direktorin, das Museum und der Preis Schaden genommen hätten. Es müsse zunächst geklärt werden, wofür der Preis künftig stehen solle und ob es bei der Kombination von Preisgeld, Ausstellung und Katalog bleibe. In Anlehnung an den Namensgeber könnte sich der Preis verstärkt auf Kunst auf Papier beziehen, sagte Holler.

Kritik wurde am Montag auch an Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) laut, der am Wochenende ein schnelles Ende der Debatte um das Lindenau-Museum und seine Direktorin gefordert hatte. Dies sei momentan „völlig unangemessen“, sagte der CDU-Kulturexperte im Landtag, Jörg Kellner. Er sprach von „undurchsichtigen Vorgängen“ rund um Nauhaus’ Ablösung und einer „selbstherrliche Entscheidung von Hoffs Parteifreundin Sojka“. Kritisch hatten sich zuvor auch schon der Museumsverband und der Kulturrat geäußert. Kellner verlangte nun Aufklärung in der nächsten Sitzung des Kulturausschusses im Landtag. Der Freistaat ist einer der Geldgeber für den Altenbourg-Kunstpreis.

Von LVZ

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