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Altenburg Linken-Kreischef: Ergebnis für Landrätin nicht zufriedenstellend
Region Altenburg Linken-Kreischef: Ergebnis für Landrätin nicht zufriedenstellend
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14:11 23.04.2018
Der Wähler hat am Sonntag entschieden. Jetzt beginnen die Parteien mit der Analyse. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Nach fast 18 Jahren hat die SPD in Altenburg das Rathaus an die CDU verloren. Auch so lässt sich der Wahlsieg André Neumanns am Sonntag um das Amt des Oberbürgermeisters interpretieren. Doch der amtierende OB Michael Wolf teilt die Einschätzung nicht, dass seine SPD das Rathaus nun an die Union abgeben muss. Wolf hatte 2000 die Wahl gegen Johannes Ungvári (CDU) gewonnen. Bei diesem Amt handele es sich um eine Personenwahl, nicht in erster Linie um die einer Partei, sagte Wolf der OVZ. Er habe stets darauf geachtet, für alle Bürger da zu sein und überparteilich zu agieren. Das erwarte er auch von seinem Nachfolger. Falls Neumann seine Ziele umsetze, könne das nur gut für Altenburg sein, meinte Wolf.

Respekt zollte er Katharina Schenk, die bei der OB-Wahl als SPD-Kandidatin 20,4 Prozent und damit Rang drei holte. Für jemanden, der nur eine solch kurze Zeit in Altenburg zugebracht habe, sei dies ein achtbares Ergebnis. Obwohl Wolf Schenk als seine Favoritin bezeichnete, sei aber die Zeit für sie in der Stadt zu kurz und sie selbst wohl auch zu jung gewesen. Unter den gegebenen Umständen habe sie das Bestmögliche herausgeholt. Alle anderen in seiner Partei, „die in Altenburg die Verantwortung für eine Kandidatur hätten übernehmen können, wollten ja nicht.“ Wen er damit meinte, sagte Wolf allerdings nicht.

Trotz der äußerst mageren 9,8 Prozent für SPD-Landratskandidat Frank Rosenfeld sieht Dirk Schwerd seine Partei auf Kreisebene nicht am Ende. „Wir sind in einer neuen Phase und müssen uns jetzt neu finden“, sagte der Kreistagsfraktionschef der OVZ. Das Ergebnis sei sicher ausbaufähig, gehe aber nicht auf das Konto von Rosenfeld. Für ihn sei es schwierig gewesen, in der Kürze der Zeit die Wähler zu überzeugen.

Schwerd selbst galt lange Zeit als Herausforderer von Landrätin Michaele Sojka (Linke), hatte jedoch schon vor über zwei Jahren auf eine Kandidatur verzichtet. „Jetzt müssen wir die Kritik annehmen, nicht eher einen Bewerber aufgebaut zu haben“, sagte Schwerd. Auch er habe seinen Posten an der Fraktionsspitze angeboten, den wollte aber niemand haben.

Jetzt werde man deswegen aber den Kopf nicht in den Sand stecken. Denn viel weiter absinken könne die SPD nicht mehr. Für die anstehenden Kommunalwahlen 2019 werde sich die Partei neu aufstellen, mit Rosenfeld und Katharina Schenk an der Spitze der Kreistags- beziehungsweise der Altenburger Stadtratsfraktion. Dass die SPD ihr Profil schärfen müsse, um bessere Ergebnisse zu erreichen, sei eine mögliche Taktik. In der Kreistagsfraktion sei es jedoch angesichts von etlichen Bürgermeistern schwierig, dort die verschiedenen Interessen zu bündeln.

Eine Mischung aus Freude und Frust trieb Ralf Plötner am Wahlabend und auch danach um. Auf der einen Seite ärgerte sich der Linken-Kreischef „über das nicht ganz zufriedenstellende Ergebnis“ von Landrätin Michaele Sojka. Auf der anderen bewegte ihn „Freude, dass kein Kandidat des Bürgerforums in der Stichwahl ist“. Mehrfach mussten er und viele der bis zu 40 Wahlparty-Gäste in der Partei-Zentrale in der Moritzstraße „tief durchatmen“, als es richtig eng wurde zwischen Sojka und Andreas Sickmüller.

Als Ursache dafür, dass die Amtsinhaberin fast im ersten Urnengang abgewählt wurde, sieht Plötner die „hohe Unzufriedenheit“ der Menschen. „Es wurde viel Protest gewählt, wovon wir nicht so profitieren konnten, wie erhofft“, erklärte der Mittdreißiger, der gehofft hatte, dass die Landrätin aus der ersten Runde „als Siegerin hervorgeht“. Der Blumenstrauß, den die Linken dem neuen Oberbürgermeister André Neumann überreichten, war allerdings nicht für Sojka gedacht und dann aufgrund der Wahlergebnisse umfunktioniert worden. „Nein“, antwortete Plötner auf eine entsprechende Frage. Sojka habe „einen schöneren und größeren bekommen“. Der für den CDU-Chef sei in weiser Voraussicht gekauft, um einem möglichen Sieger zu gratulieren. „Wir wollen das Landratsamt verteidigen“, so der Linken-Kreischef und liefert den Hauptgrund, warum das gelingen kann: „Vor sechs Jahren war es auch ein ordentlicher Rückstand und wir haben es geschafft, den aufzuholen.“

Von Jens Rosenkranz und Thomas Haegeler

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