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Altenburg Lödlaer Kaninchenzüchter beklagen Geheimniskrämerei
Region Altenburg Lödlaer Kaninchenzüchter beklagen Geheimniskrämerei
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00:16 01.11.2016
Gegen die Kaninchenpest gibt es derzeit keinen Impfstoff. Quelle: Thomas Kube
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Lödla

Im Sommer schreckte die Nachricht von der Ausbreitung der sogenannten Chinaseuche im Landkreis die Kaninchenzüchter auf. Die hochansteckende Krankheit raffte in kurzer Zeit zahlreiche Tiere hin. Beinahe über Nacht verloren manche Halter ein bis zwei Drittel ihrer Bestände. Um der rasanten Ausbreitung der Krankheit keinen weiteren Vorschub zu leisten, sagten die Lödlaer im August ihre Kaninchenausstellung ab (die OVZ berichtete). Damit wurde bekannt, dass die Seuche im Kreis ausgebrochen ist, sagt Nicky Frille, Vorsitzender des Kaninchenzüchtervereins T 141.

Seinerzeit ging Frille noch davon aus, dass in seinem Verein und bei einigen Züchterkollegen in Gerstenberg die Krankheit mehr oder weniger zuerst im Altenburger Land aufgetaucht ist. „Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die ersten Fälle schon im Januar aufgetreten sind. Aber aus irgendeinem Grund, haben die Betroffenen das unter der Decke gehalten“, schimpft Frille. Nicht nur, dass er die Geheimniskrämerei nicht verstehen kann, davon lässt sich eine hochansteckende Seuche ja nicht aufhalten. Im Gegenteil, hätten die betroffenen Halter und Züchter bereits Anfang des Jahres Alarm geschlagen, hätte es viel weniger Verluste gegeben, ist Frille überzeugt, dem fast zwei Drittel seiner Kaninchen eingegangen sind.

Hätten es die Züchter eher gewusst, hätten sie sich eher um Impfstoffe gegen den RHD-II-Virus kümmern können, argumentiert Frille. Das ist nämlich nicht so einfach, weil es in Deutschland keine zugelassenen Mittel gibt. Um an die französische Medizin zu kommen, braucht es einen Tierarzt mit europaweiter Zulassung, nur dieser kann eine ausnahmsweise Einfuhr des Mittels beantragen. Später muss dann noch eine Firma gefunden werden, die das Medikament einführen darf, beschreibt Frille den komplizierten Vorgang. „Und dann kam dazu, dass zur Hoch-Zeit der Seuche die Firma nicht mit der Produktion der Impfstoffe nachkam.“

Mittlerweile haben aber die Mitglieder des Kaninchenzüchtervereins T 141 alle ihre übrig gebliebenen Tiere immunisiert. „Nach fünf Tagen Inkubationszeit wirkt der Stoff. Seitdem ist uns kein Tier mehr gestorben“, sagt Frille der OVZ. Entwarnung gibt er deshalb aber nicht. Die Uhr lasse sich nicht mehr zurückdrehen. „Der Virus ist da und wird nie wieder verschwinden. Der Vorgänger RHD I ist schon seit 1983 hier“, erklärt Frille. Auch die Halter, die noch nicht betroffen sind, werden ohne Impfung von der Kaninchenseuche heimgesucht. „Die Frage ist nur, wann“, stellt der Züchter klar.

Jedoch ist gibt es durchaus nachvollziehbare Gründe, nicht zu impfen. Zum einen ist das Medikament in Deutschland eben nicht zugelassen. Was im besten Fall nur einen großen Aufwand bedeutet, an das Präparat heranzukommen. Zum andern ist es mit 3,80 Euro pro Dosis auch nicht für jeden Züchter einfach finanzierbar. „Deshalb haben wir uns in unserem Verein entschlossen, die Impfung aus der Vereinskasse zu zahlen. Wir wollen ja die restlichen Tier erhalten, damit wir weiter züchten könne und der Verein nicht verschwindet“, so Frille.

Er macht sich große Sorgen um die Zukunft der Kaninchenzüchter-Vereine unter diesen Bedingungen, schließlich muss die Impfung wenigsten einmal im Jahr aufgefrischt werden, und Züchter mit 100 Tieren sind keine Seltenheit. In diesem Zusammenhang ist Frille von den Dachverbänden, wie dem Landesverband, enttäuscht. Von dort kam keine Hilfe, nur die Aussage: Die Seuche sei Sache der Züchter, klagt Frille.

Von Jörg Reuter

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