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Lohnt sich die Landesgartenschau für Altenburg?

Umfrage unter früheren Ausrichtern Lohnt sich die Landesgartenschau für Altenburg?

Lohnt sich die Landesgartenschau für Altenburg? Bekanntermaßen regt sich gegen die Bewerbung für das Großereignis 2024 heftiger Widerstand. Doch ein Blick in andere Städte – auch außerhalb des Freistaates –, die bereits als Ausrichter aktiv waren, offenbart vor allem positive Bilanzen.

Im sächsischen Oschatz wird die Landesgartenschau im Nachhinein als großer Gewinn für die Stadt betrachtet. 2006 ging sie über die Bühne.

Quelle: Dirk Hunger

Altenburg. Es regt sich Widerstand in Altenburg. Mit einem Bürgerbegehren soll die Bewerbung der Skatstadt für die Landesgartenschau (Laga) 2024 verhindert werden. Als Hauptgrund werden die hohen Kosten angeführt, die die Stadt für die knapp halbjährige Schau investieren müsste: Von 16 Millionen Euro ist derzeit die Rede.

Ob die Skepsis berechtigt ist oder nicht, lässt sich wohl erst mit Sicherheit feststellen, wenn die Laga gelaufen ist. Falls sie überhaupt kommt. Aufschlussreich ist allerdings auch ein Blick auf andere Städte, wo sich ebenfalls Bürger kritisch gegenüber der Blumenschau zeigten. Derartige, öffentlich geäußerte Proteststimmen gibt es jedoch wenige. In Bayern finden sich immerhin zwei Beispiele aus jüngster Vergangenheit, wo die Laga-Bewerbung nach einem Bürgerbegehren abgesagt wurde: Traunstein (2016) und Erlangen (2017). Wurden in Traunstein vor allem die hohen Kosten kritisiert – 26 Millionen Euro waren geplant –, spielten in Erlangen auch ökologische Gründe eine Rolle: „Mit der Gartenschau auf der Wöhrmühlinsel und in den Regnitzauen wird ein empfindliches Biotop zerstört“, lautet eines von vielen Argumenten auf der Internetseite der Bürgerinitiative (BI) gegen die Landesgartenschau.

Auch im hessischen Gießen regte sich Widerstand. 2014 war die 40 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main gelegene Stadt Austragungsort der hessischen Laga – trotz Protests der Bevölkerung. Damals versuchte die BI „Stoppt diese Landesgartenschau“, die Veranstaltung ebenfalls mithilfe eines Bürgerbegehrens zu verhindern. Die Stadt blockte jedoch ab. Es gab Unmut über hohe Kosten und die befürchtete Zerstörung des Landschaftsschutzgebiets Wieseckaue. Wilfried Behrens, Vorsitzender des Laga-Fördervereins „Garten-Stadt Gießen“, hält dagegen: In Zusammenarbeit mit den Naturschutzorganisationen seien verwahrloste Flächen sowie ein vermüllter See renaturiert worden, die Besucher würden von neuen Freizeitanlagen und einer Strandbar profitieren. „Wir haben uns noch nie so wohl gefühlt wie jetzt“, beteuert Behrens. Rund 11 Millionen Euro habe Gießen investiert – „und das, obwohl die Stadt eigentlich sparen musste“.

Die Kritiker, die inzwischen unter dem Namen „BI Wieseckaue“ agieren, beanstanden nach wie vor massive Eingriffe in die Flora und Fauna der Aue. Teilweise zurecht, wie Andrea Malkmus von der Geschäftsstelle Gießen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärt. Einige Bereiche hätten sich „sehr naturfern entwickelt“, Vogelbrutstätten seien zerstört, die rund 200 gefällten Bäume teils durch nicht standortgerechte Gehölze ersetzt worden. Auf der anderen Seite seien vergessene Ecken wieder nutzbar gemacht worden und ein besseres Wegenetz entstanden, so dass es weniger Lärm- und Müllbelastung gebe. „Die Beziehung der Anwohner zur Natur hat sich dadurch deutlich verbessert.“

Profitiert habe Gießen laut Wilfried Behrens aber vor allem von den Infrastrukturmaßnahmen, wie der Sanierung des Kirch- und Bahnhofsvorplatzes und einem Brückenneubau. „Im Nachhinein kamen viele Investoren, die ohne die Laga nicht gekommen wären.“ Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg dieser Schau seien allerdings die transparenten Diskussionen zwischen Stadt und Anwohnern gewesen – und die bis heute andauernde Arbeit des 400 Personen starken Fördervereins. „In Bad Nauheim, wo es keinen Förderverein gibt, verfallen die Flächen der Laga 2010 allmählich“, schildert Behrens.

Andernorts überwiegen die positiven Eindrücke und Folgen der Landesgartenschauen. Im nordsächsischen Oschatz beispielsweise. Für die Laga 2006 wurden in der knapp 15 000 Einwohner großen Stadt rund 51 Millionen Euro aus verschiedenen Fördertöpfen investiert. „Das war ein richtiger Bringer für Oschatz“, resümiert Hartmut Peter, einer der maßgeblichen Organisatoren, elf Jahre später. „Auch wir waren anfangs skeptisch, haben uns dann aber verschiedene Lagas und ihre Nachnutzung in ganz Deutschland angesehen und daraufhin unser Konzept erstellt.“ Der zentrumsnahe O-Schatz-Park mit Museum, Spielplätzen, See und Zoo ist zu einem der beliebtesten Anlaufpunkte der Stadt geworden – für Einwohner wie für Touristen. Außerdem habe die Stadt nachhaltig von diversen Sanierungen und Infrastrukturverbesserungen profitiert. Und auch die Nachnutzung stimmt: Bisher wurden zwei „Kleine Landesgartenschauen“ auf dem ehemaligen Laga-Gelände durchgeführt. „Die Stadt hat ihre Investitionen bis heute vervielfacht“, berichtet Peter.

Nordhausen, wo 2004 die zweite Laga in Thüringen stattfand, hat laut der damaligen Bürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) ebenfalls stark von den 45 Millionen Euro schweren Investitionen (davon mehr als zehn aus städtischen Mitteln) profitiert. „Die Laga war ein enorm positiver Impuls für die Stadtentwicklung. Vor allem für das Zentrum, dem bis dahin noch immer die Nachwirkungen des Krieges anzusehen waren“, so Rinke. Widerstand habe es hauptsächlich von Garagenbesitzern gegeben, deren Autostellplätze weichen mussten. Durch den Bau neuer Garagen konnte jedoch ein Kompromiss gefunden werden. Unter ihrem Amtsnachfolger habe die Folgenutzung nachgelassen, bedauert Rinke. „Da blutet mir ein wenig das Herz, da der neue Bürgerpark sehr gut angenommen wurde.“

Von Christian Neffe

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