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Altenburg Lothar Saupe lässt seine Bienen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen fliegen
Region Altenburg Lothar Saupe lässt seine Bienen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen fliegen
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00:34 11.05.2018
Lothar Saupe aus Wiesenmühle ist seit über 70 Jahren Imker und er hat kein Problem damit, seine Bienen auf der Obstplantage fliegen zu lassen. Quelle: Jörg Reuter
Lumpzig/Wiesenmühle

Kaum erwärmt die Sonne die Frühlingsluft auf über 20 Grad, ist die Baumblüte in vollem Gange und für Bienen Hochsaison. „Nach den Obstbäumen blühen Linden und Akazien“, erklärt Lothar Saupe auf einer Plantage des Obstgutes Geier bei Rodameuchel. Der Kirschblütennektar sei der Aufbauhonig, den die Bienen im Frühsommer einsammeln. Doch nicht nur deswegen lässt Lothar Saupe seine fleißigen Insekten jedes Jahr zwischen den Kirschbäumen des Lumpziger Betriebes schwirren. Seit der Wende ist er Partner des Obstguts Geier, das den Imkerwagen mehr als gern zwischen den Bäumen stehen sieht.

„Das Obstgut ist ja zum Befruchten der Kirschen darauf angewiesen“, sagt der 84-Jährige, der seit über 70 Jahren Imker ist. Als Zehnjähriger bekam er sein erstes Volk und begann die Familientradition der Imkerei weiterzuführen. Dementsprechend viel Erfahrung hat der Rentner aus Wiesenmühle. Und da wundert es doch etwas, dass er mit seinen Völkern auf einer Obstfarm steht. Schließlich ist deren professionelle Bewirtschaftung ohne den Einsatz von Insektiziden praktisch nicht denkbar. Weil zum Beispiel Kirschen voller Maden unverkäuflich wären. Doch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist bei Imkern wenigstens umstritten.

„Ich habe dazu eine etwas andere Meinung als viele Kollegen. Ich sehe es zwar auch nicht unbedingt gern, wenn die Bäume gespritzt werden, aber mir ist auch klar, ohne geht es nicht. Deshalb sprechen wir uns ab, damit nicht gerade an Flugtagen die Mittel eingesetzt werden“, redet Lothar Saupe Klartext, während die Arbeiterinnen seiner 40 Völker Nektar und Pollen in den Bienenwagen schaffen. Übrigens gehören diese Bienen zur Rasse Carnica. „Auch bei Bienen gibt es wie bei allen Haustieren zig Rassen“, erklärt Saupe, der seit vielen Jahren auch zu den Bienenzüchtern gehört.

Er liebt diese sanftmütigen Tiere. „Ich habe über die ganzen Jahre hier keine schlechten Erfahrungen gemacht“, nimmt Saupe den Gesprächsfaden wieder auf. Geredet werde zwar immer viel, doch ihm sei aus den vergangenen Jahren kein einziger nachgewiesener Giftschaden bekannt. „Das war zu DDR-Zeiten anders. Da waren 10 bis 15 Prozent Verlust normal“, erinnert sich Saupe.

Davon könne längst nicht mehr die Rede sein, doch sobald eine Biene tot auf dem Boden liegt, sei der Verdacht einer Vergiftung durch die Mittel der Landwirtschaft im Raum. „Wer einen solchen Verdacht hegt, kann den nur bestätigen, wenn die Ursachen richtig untersucht werden. Dazu müssen die Tiere zum Friedrich-Löffler-Institut geschickt werden. Aber das machen die wenigsten“, klagt auch seien Tochter Ina Saupe, die ebenfalls Imkerin geworden ist.

Sie ist längst keine Ausnahme. „Die Anfängerkurse des Landesverbandes besuchen regelmäßig um die 150 Teilnehmer“, so Saupe Senior. Kurz nach der Wende bestand der gesamte Landesverband noch aus rund 20 Imkern, heute habe allein der Bienenzuchtverein Wiesenmühle und Umgebung 50 Mitglieder – inklusive Frauen und Jugendlichen. „Nachwuchssorgen haben wir nicht“, sagt der Vereinschef.

Insofern tut sich Lothar Saupe auch schwer mit der Einschätzung, es gebe immer weniger Bienenvölker. „Was aber selten geworden ist, sind Imker, die viele Völker halten und wie ich einen Bienenwagen betreiben. Das ist den meisten zu viel Arbeit“, sagt Saupe und kündigt an, altersbedingt damit bald aufhören zu wollen.

In diesem Fall werde seine Tochter aber nicht in die Fußstapfen des Vaters treten. „Das ist einfach nebenbei für mich nicht zu schaffen“, erklärt Ina Saupe. So wie sie halten die meisten Imker heute einige Völker im eigenen Garten stationär. Für Obstbauern ein Problem, wie Chrisante Geier bestätigt. Aus diesem Grund sucht die Seniorchefin des Obstgutes auch seit Jahren nach Alternativen, die sie in Insektenhotels gefunden hat. Seit fünf Jahren wachse die Zahl der Herbergen für Wildbienen im Obstgut. „Ein Vorteil ist, ich kann die schon im April raus hängen, weil die Wildbienen schon ab sechs Grad Celsius fliegen.“ Selbstverständlich überlasse sie die Insektenhotels nicht sich selbst, so Geier weiter. Über den Winter stehen sie geschützt auf dem Hof und im Frühling werden sie vor dem Aufhängen gereinigt: „Sonst zieht ja kein Tier ein.“

Von Jörg Reuter

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