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Altenburg MBZ Meuselwitz endgültig pleite: Gläubiger beklagen Verluste
Region Altenburg MBZ Meuselwitz endgültig pleite: Gläubiger beklagen Verluste
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05:06 12.09.2018
So gut wie nicht benutzt ist diese Lehrküche im Gewerbehof Leipziger Straße, die vom MBZ Meuselwitz angemietet wurde. Nach der Pleite des Unternehmens wird sie nicht mehr gebraucht. Quelle: Jens Rosenkranz
Altenburg/Meuselwitz/Schmölln

Das insolvente Mitteldeutsche Bildungszentrum (MBZ) Meuselwitz ist nicht mehr zu retten und wird abgewickelt. Darüber informierte Insolvenzverwalter Harald Heinze die OVZ auf eine Anfrage. Damit sind die Bemühungen gescheitert, den Betrieb wieder zu konsolidieren, wovon Heinze noch im Juni gesprochen hatte.

Im MBZ waren zuletzt 39 Mitarbeiter beschäftigt. Die Firma betreute insgesamt 66 hilfsbedürftige Menschen in verschiedenen Sozial-, Jugend- und Frauenprojekte. Die Mehrzahl davon wird weitergeführt, Heinze spricht sogar von sämtlichen Projekten. Dabei handelt es sich insbesondere um acht unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die bislang im Schmöllner Wohngebiet Heimstätte lebten. Diese werden fortan in zwei von der Innova betreuten Wohngruppen in Altenburg integriert. Das teilte eine Sprecherin des Landratsamtes auf eine Anfrage mit.

Innova übernimmt Teil der Mitarbeiter

Sechs Kinder aus der Tagesgruppe des MBZ direkt in der Meuselwitzer Firmenzentrale besuchen fortan die zur Innova gehörige Tagesgruppe in Altenburg. „Alle Eltern der Kinder waren mit dem Wechsel nach Altenburg einverstanden“, sagte die Sprecherin. Keine Auskünfte gab es dagegen zum Schicksal der anderen Projekte. Laut OVZ-Informationen werden auch diese von der Innova weitergeführt. Diese übernimmt gleichfalls einen Teil der Mitarbeiter.

Andere Angestellte haben sich neue Jobs gesucht. Acht Mitarbeiter seien noch nicht untergebracht, erklärte Heinze gegenüber der OVZ. Diese wurden vom MBZ gekündigt.

Mietobjekte werden nicht mehr benötigt

Ebenso werden vom MBZ angemietete Immobilien nicht mehr benötigt, da sie die Innova für die Fortführung der Sozialprojekte selbst nicht braucht. Dabei handelt es sich beispielsweise um drei Wohnungen in Schmölln, die von der dortigen Wohnungsverwaltung modernisiert und zu einer Wohngruppe für die jungen Flüchtlinge umgebaut worden sind. Das städtische Unternehmen investierte dafür rund 60 000 Euro, hätte die bis dahin leer stehenden Wohnungen allerdings ohnehin renovieren müssen, um sie zu vermieten, erklärte Geschäftsführer Kristian Blum. Wegen der umfangreichen und teuren Modernisierung vor über zwei Jahren zeigte er sich an einer Weitervermietung der Räume für die Wohngruppe interessiert. Doch dazu kommt es nicht.

Werkstätten und Küche stehen leer

Seine Investition abschreiben kann auch der Eigentümer des Gewerbehofs an der Leipziger Straße in Altenburg, der wegen des laufenden Insolvenzverfahrens lieber anonym bleiben möchte, der OVZ aber namentlich bekannt ist. 150 000 Euro hat der Unternehmer eigenen Angaben zufolge in die Herrichtung von 500 Quadratmetern Nutzfläche gesteckt, um diese an das MBZ zu vermieten, das dazu zuvor die Investitionen gefordert hatte, ebenso wie die Agentur für Arbeit. Es entstanden Werkstätten, Aufenthaltsräume, zwei Duschen, Toiletten und sogar eine Raucher- und Grillecke, die dieser Tage wirken, als wären sie erst kurz zuvor verlassen worden. Im Objekt wurden bis zum vergangenen Freitag Menschen mit Suchtproblemen betreut, damit sie wieder Anschluss an ein normales Leben finden. Völlig unbenutzt ist eine Küche mit drei Herden und zwei großen Kühlschränken, wo Muttis in schwierigen Lebenslagen offenbar Kochen lernen sollten, es aber nie taten. Abzüglich der geleisteten Mietzahlungen bleibt der Investor eigenen Berechnungen zufolge auf mindestens 80 000 Euro sitzen und ist deshalb vor allem auf den MBZ-Chef stinksauer. Er dachte, dass bei der Bewerbung auf öffentliche Ausschreibungen im Sozialbereich nichts verkehrt laufen könne, sagte er der OVZ. Dabei sehe er sich nun getäuscht.

Wie viel Geld der Unternehmer wiederbekommt, ist im Moment unklar. Die Frist zur Forderungsanmeldung läuft noch bis Freitag. Der Insolvenzverwalter rechnet mit rund 370 000 Euro.

Von Jens Rosenkranz

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