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Machtwechsel im Mai: SPD der Union die wichtigsten Posten ab

2000 Machtwechsel im Mai: SPD der Union die wichtigsten Posten ab

Im Mai 2000 legen die Sozialdemokraten im Altenburger Land ihren bis dahin und bis heute größten Wahlerfolg hin. Michael Wolf löst Oberbürgermeister Johannes Ungvàri (CDU) ab und Sieghardt Rydzewski schlägt Christian Gumprecht bei der Wahl um den Posten des Landrates. In der Serie 25 Jahre OVZ wird diesem Ereignis noch einmal nachgespürt.

29. Mai 2000: Auf der OVZ-Titelseite jubeln die Wahlsieger.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Zehn Jahre lag das Altenburger Land fest in der Hand der Christdemokaten, die seither die meisten Wahlsiege für sich verbuchen konnten. Am 28. Mai 2000 hörte diese Zeitrechnung abrupt auf. Der bisherige Landrat Christian Gumprecht (CDU) musste sich an diesem Tag in der Stichwahl Sieghardt Rydzewski (SPD) geschlagen geben. Und auch Altenburgs Oberbürgermeister Johannes Ungvàri (CDU) verlor sein Amt an Herausforderer Michael Wolf (SPD). Für die erfolgsverwöhnte Union war dies ein fürchterlicher Schlag, der einen bis heute anhaltenden Abwärtstrend für sie einläutete.

Allerdings kam vor allem die Niederlage von Ungvàri keinesfalls überraschend. Ihm wurde die miserable wirtschaftliche Situation der Stadt angelastet, weshalb sich schon zwei Jahre vor dem Wahldesaster ein Wirtschaftsverein gründete, der sich auch gegen Ungvàri und seine CDU in Stellung brachte. Der OB vernachlässigte den Mittelstand, unterschätzte die Thematik Ortsumgehung, schenkte den Sportvereinen zu wenig Beachtung und ließ zu, dass rund um die Stadt in Lödla, Windischleuba und Nobitz quicklebendige Gewerbegebiete heranwuchsen, anstatt selbst für ein solches zu sorgen. Gerade unter diesem wirtschaftspolitischen Fehler allererster Güte hat Altenburg bis heute zu leiden.

Mit Michael Wolf besaßen die Wähler außerdem eine hervorragende Alternative zu Ungvàri, der seit fünf Jahren im Stadtrat regelmäßig vom SPD-Fraktionschef gepiesackt wurde. In der Stichwahl deklassierte Wolf den Amtsinhaber mit 62,4 Prozent, der wegen eines schweren Nierenleidens zusätzlich gehandicapt war. In seinem Sog zog auch Rydzewski ins Landratsamt ein, mit dessen Sieg gegen Gumprecht nicht unbedingt zu rechnen war und der mit 53,3 Prozent auch nicht so deutlich ausfiel.

In die Karten spielte den Sozialdemokraten auch der Wahlerfolg des damaligen SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder zwei Jahre zuvor gegen Helmut Kohl (CDU).

Was die beiden Niederlagen so historisch machte, war, dass sie nie richtig aufgearbeitet wurden. Das behauptet zum Beispiel Peter Müller, der seit 1999 für die CDU im Stadtrat saß, Jahre später die Union verließ und Pro Altenburg gründete. Nach der verlorenen Wahl ging Müller eigentlich davon aus, dass diese in der CDU-Parteizentrale aufgearbeitet wurde. Was er aber erlebte, war Wundenlecken und ein gegenseitiges Bedauern. „Allen anderen wurde die Schuld für die Niederlage gegeben, allen voran der Osterländer Volkszeitung“, erinnert sich Müller. Doch Gumprecht, vor allem aber Ungvàri suchten nicht einen einzigen Fehler bei sich selbst, wundert sich Müller bis heute.

Es folgte eine tiefe Krise der Union, deren ranghöchster Mann im Kreis über Nacht der Meuselwitzer Bürgermeister Johannes Matuszewski wurde, dem aber die Staatsanwaltschaft im Nacken saß und der später auch wegen Korruption gerichtlich verurteilt wurde und aus dem Amt flog. Die CDU verlor bis heute nach und nach weitere wichtige Ämter im Kreis. Die Bürgermeister von Ponitz, Marcel Greunke, und von Windischleuba, Gerd Reinboth, sind heute die wichtigsten Gemeindeoberhäupter für die Union im Altenburger Land – für den Anspruch einer CDU viel zu wenig. Eine Schmach erlebten die Christdemokraten im Januar 2016 schließlich auch in Meuselwitz, als ihr Bürgermeister-Kandidat Fred Reichel mit desaströsen 14,1 Prozent es nicht einmal in die Stichwahl schaffte.

Im Gegenzug ging es für die SPD bergauf, die in den 90er-Jahren ihren Leidensweg durchschritten. Sven Schrade eroberte 2015 für die Sozialdemokraten das Schmöllner Rathaus, indem zuvor Kathrin Lorenz (CDU) residierte. Hendrik Läbe und Carsten Helbig gewannen für die SPD die Bürgermeister-Wahlen in Nobitz und Niederhain, ebenso Kathrin Backmann-Eichhorn in Lucka, die die SPD allerdings wieder verließ. Wolfgang Scholz und Steffen Stange heißen die parteilosen Rathauschefs von Gößnitz und Rositz, die der sozialdemokratischen Kreistagsfraktion angehören.

Eines aber ist der SPD trotz ihres zwischenzeitlichen Höhenfluges nie gelungen – und zwar ein Direktmandat für den Thüringer Landtag zu gewinnen. Diese befinden sich in nunmehr 27-jähriger stolzer Tradition fest in der Hand der CDU.

Von Jens Rosenkranz

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