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Mal richtig auf die Trommel hau’n – ein Brasilianer macht’s möglich

Altenburg Mal richtig auf die Trommel hau’n – ein Brasilianer macht’s möglich

Zu ungewöhnlichen Workshops haben die Johanniter und die Altenburger Trommlergruppe „Como Vento“ in dieser Woche eingeladen – ein brasilianischer Samba-Lehrer führte den Taktstock. Das Üben mit Celio Zidorio in der Music Hall wurde zu einem Hit. Auch Schüler der Altenburger Regenbogenschule ließen sich das Angebot nicht entgehen.

Hoch die Arme und dann heftig drauf – Mädchen und Jungen der Altenburger Regenbogenschule sind mit Eifer dabei. Celio Zidorio (Mitte) zeigt, wie’s geht.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Aus der Music Hall dröhnt lautes Wummern. Man könnte denken, dass jemand eine riesige Lüftungsanlage angeschaltet hat. Die Geräuschquelle ist aber eine andere. Im Veranstaltungssaal haben Schülerinnen und Schüler einen Kreis gebildet. Sie alle tragen Trommeln. Auch die Lehrerinnen machen mit. Große Trommeln, kleine Trommeln, unterschiedlichste Größen. In der Mitte steht ein muskulöser Mann mit tätowierten Oberarmen. Auf sein Kommando trommeln sie los. Sofort gehen ohrenbetäubende Bässe durch den Hörkanal. Sie durchziehen auch den Magen und die Glieder. Das ist der Samba-Workshop von „Como Vento“ und der Regenbogenschule Altenburg, einem regionalem Förderschulzentrum.

Como Vento ist portugiesisch, heißt übersetzt „Wie der Wind“ und ist der Name des über Altenburg hinaus bekannten Samba-Projekts des ostthüringischen Regionalverbandes der Johanniter Unfallhilfe. Seine Arbeit ist inklusiv und integrativ. Das heißt, dass Kinder und Jugendliche unterschiedlichster sozialer Herkunft und Fähigkeiten gemeinsam das Sambatrommeln erlernen sollen. Es existiert seit acht Jahren. In diesem Jahr gibt es aber eine Besonderheit. Zum ersten Mal ist ein brasilianischer Sambameister zu Gast, der eine ganze Workshop-Woche leitet. Es ist der muskulöse Mann mit den tätowierten Oberarmen Er heißt Celio Zidorio und ist auch unter dem Künstlernamen Celin du Batuk bekannt.

Der 48-Jährige kommt aus Brasiliens Hauptstadt Brasilia und arbeitet seit den 1980er-Jahren mit Percussioninstrumenten. „Inclusive Arts“ heißt seine Arbeit fachsprachlich. Er spricht kein Deutsch und nur wenige Brocken Englisch. Von Como Vento wiederum spricht niemand Portugiesisch. Die Kommunikation klappt trotzdem gut. Immer wieder wird ein anderes Kind in die Kreismitte geholt, um dort den Takt vorzugeben. Mit viel Gestik und Mimik gibt Zidorio die Kommandos vor. „Como Vento“-Leiter Janek Rochner-Günther (44) wiederholt sie auf Deutsch. Sie sind ein gutes Team, obwohl es der erste Besuch des Brasilianers in Altenburg ist.

Im persönlichen Gespräch erleichtert wiederum der Google-Übersetzer auf dem Mobiltelefon die Kommunikation. Er berichtet, dass Zidorio für seine Workshops schon seit Jahren nach Europa kommt. Rochner-Günther und Como Vento hat er auf Facebook kennengelernt und beobachtet seit zwei Jahren ihre Arbeit. Sie haben Glück, dass der Abstecher nach Altenburg terminlich gepasst hat. Am Sonnabend muss er schon weiter nach Paris. „In Brasilien richte ich in mehreren Gemeinden soziale Projekte aus“, sagt er. Ein fester Bestandteil sei immer die soziale Integration: „Egal ob Schwarze, Weiße, Arme, Reiche, oder Menschen mit Behinderungen, für mich sind wir alle gleich.“ Und er versucht sie mit seiner Arbeit zusammenzubringen.

Für Rochner-Günther sind die brasilianischen Favelas zwar nicht mit Altenburg Nord gleichzusetzen, aber die Probleme ähneln sich. Deswegen steht die gemeinschaftliche Komponente auch im Zentrum der Arbeit von „Como Vento“. Es wird darauf geachtet, dass vor den Proben jeder gegessen hat. Auch bei den Hausaufgaben wird geholfen. Anders als in vielen deutschen Sambagruppen sei das harte Sozialarbeit, stellt Johanniter-Mitarbeiter Rochner-Günther klar, aber eben auch ein Grund, warum Zidorio nach Altenburg gekommen ist.

Um bei den Altenburger Trommlern mitzumachen, müsse man nichts außer sich selbst mitbringen. Über 60 Kinder und Jugendliche zählt die Truppe mittlerweile. Auch einige Eltern sind dabei, die Kostüme nähen oder die Ausstattung reparieren. Die Kinder und Jugendlichen üben laut Rochner-Günther aber nicht nur Samba. So lernen die Kinder Pünktlichkeit, Disziplin, Verbindlichkeit und andere Werte, die ihnen in ihrer späteren Entwicklung helfen.

Am Ende des Workshops am Donnerstagvormittag wird noch gemeinsam gesungen. Die Gäste der Regenbogenschule haben sichtlich Spaß. Musiklehrerin Simone Hirsch (51) findet das Projekt ganz toll. Und aus den zwei Stunden Samba ist sogar ein konkreter Wunsch der Kinder entstanden: Sie wollen an ihrer Schule eine eigene Trommel-AG gründen.

Doch nicht nur ihnen hat das Üben mit Celio Zidorio großen Spaß gemacht. Insgesamt bot der Brasilianer vier Workshops in der Music Hall an, die vor allem von den „Como Vento“-Mitstreitern weidlich genutzt wurden, bevor sie es am Freitagabend zur 4. Altenburger Samba-Nacht ebenfalls in der Music Hall wieder vor Publikum richtig krachen ließen.

Von Edgar Lopez

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