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Altenburg Malender Prinz - Die Entdeckung des Raden Saleh in Altenburg
Region Altenburg Malender Prinz - Die Entdeckung des Raden Saleh in Altenburg
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19:09 23.07.2013

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Eine Entdeckung.

Er muss Aufsehen erregt haben, als er im September 1839 in Dresden auftauchte, dieser Prinz aus dem Orient mit seinem dunklen Teint und den mandelförmigen Augen. Raden Saleh sprach zwar nur holprig Deutsch, überraschte aber durch ein beachtliches Talent für Malerei und Zeichnung. 1811 auf Java geboren, hatte er schon als Kind Unterricht bei Antoine Payen erhalten, der als Landschaftsmaler einer Kommission angehörte, die in der holländischen Kolonie unterwegs war. Fast drei Jahrzehnte später hat Raden Saleh den Förderer und Freund porträtiert, und diese tiefe Verbundenheit liegt wie ein zarter Lichtschleier über diesem Bildnis. Jetzt ist es im Altenburger Lindenau-Museum zu sehen, zusammen mit zahlreichen Gemälden und Zeichnungen aus europäischen Museen sowie Privatbesitz. Erstmals wird damit in Deutschland ein Künstler gewürdigt, der in der asiatischen wie europäischen Welt zu Hause war und beide Sphären nachhaltig beeinflusste.

Bevor der exotische Fremdling sich in Dresden niederließ, hatte er einige Jahre in Den Haag gelebt und nach dem Studium der Porträt- und Landschaftsmalerei Anerkennung erfahren. Denn schöner als der junge Mann aus Java hatten selbst die alten Niederländer ihre winterlichten Grachten, die Weidewiesen und Windmühlen nicht in Szene setzen können.

In Dresden traf er auf ein biedermeierliches Publikum, das vom Orient als einem Märchenland träumte. Und Raden Saleh kam als Prinz aus dieser Welt. Johann Carl Ulrich Baehr, Urenkel des Erbauers der Frauenkirche und Lehrer an der Dresdner Akademie hat ihn 1841 genau so porträtiert: Im goldbestickten Samtrock, mit einem prächtigen Seidenturban auf dem Kopf und palmenbestandener Vulkanlandschaft im Hintergrund.

Das Ölgemälde stammt aus Riga und wird in der Ausstellung erstmalig in Deutschland gezeigt. In Dresden, das bekennt Raden Saleh später, erlebt er seine glücklichsten Jahre. Hier fand er Eingang in die bürgerliche Gesellschaft, verkehrte in allen bedeutenden Salons und wurde am Königshof empfangen. Hier empfand er ein Gefühl der Gleichwertigkeit, das ihm zuvor nicht zuteil geworden war. Eine lebenslange Verbindung hielt er zu Major Friedrich Anton Serre und dessen Frau Friederike, die ihn selbstlos förderten. Ihr Rittergut Maxen südlich von Dresden war Treffpunkt der künstlerischen Elite Sachsens. Die "blaue Moschee", ein kleiner Bau im javanisch-orientalischen Stil hatten Serres eigens für Raden Saleh in der Nähe errichten lassen. Hier hing ein Bildnis von ihm, das beim berühmten Dresdner Porträtisten Carl Christian Vogel von Vogelstein in Auftrag gegeben worden war.

Es ist das letzte Gemälde, das Raden Saleh zeigt. Für die Ausstellung wurde es aus Österreich geholt und erlebt wie das Baehr-Bild in Altenburg Deutschland-Premiere. Auch Raden Saleh selbst hat oft porträtiert. So 1837 Pierre Henri Martin, den ersten Dompteur, der ohne Peitsche und nur mit Geduld und Einfühlungsvermögen seinen Löwen Nero, Coburg II und Blücher nebst Hyäne Marianne Kunststücke beibrachte. Für freien Eintritt zur Tierschau in Den Haag schenkte der Künstler dem Dompteur das Ölbild. Die Tierstudien dürften nützlich gewesen sein für das Sujet, dem er sich einige Jahre später in Dresden vollends widmete: Seinen orientalischen Bildern mit Jagdszenen, Löwen, Tigern, Büffeln und Schlangen.

Das Bild einer Löwenattacke auf einen Reiter erbrachte 2011 unter dem Titel "In höchster Not" bei einer Kölner Auktion 1,6 Millionen Euro. Symbolisch aufgeladen behandelt es ein immer wieder variiertes Thema: Der Löwe, die ungebändigte Kreatur gegen das von Menschen gezähmte Pferd, die Naturgewalt im Kampf mit der Zivilisation. Die Ausstellung muss sich mit einer Studie zu diesem Dresdner Hauptwerk begnügen, aber gerade diese kleine Zeichnung offenbart das Können Raden Salehs, seine sichere Hand, sein Gespür für das Wesentliche.

Mit leuchtenden Farben auf die großformatige Leinwand gebracht, steigert er die Dramatik in turbulenten Szenen, für den Gänsehauteffekt mit Schauerlichkeiten nicht sparend. Als Prinz aus dem Morgenland gab er diesen Gemälden den Stempel der Wahrhaftigkeit und damit das, was ein schwärmerisches Publikum damals erwartete. Und nochmals ist es eine Zeichnung, die heute so überzeugend wirkt: Ein schreitender Tiger, dessen Anmut und Stärke der Künstler mit Bleistift und Wasserfarbe präzise bannt.

Raden Saleh ist ihm nicht im Dschungel begegnet. Er hat die Großkatze bei seiner Europatour in einem Londoner Privatzoo beobachtet. In Java gilt er heute als Begründer der modernen indonesischen Malerei, zu seiner Zeit waren Künstler abdi dalam, Diener am Hof, denen keine eigenen Vorstellungen zustanden. In Deutschland hat er der orientalischen Malerei starke Impulse gegeben. Raden Saleh starb im April 1880 auf Java, verarmt und einsam. In Djakarta, das vor 1945 Batavia hieß, wurden Raden Salehs Werke 2012 erstmals in einer großen Ausstellung präsentier und jetzt im Altenburger Museum erstmals in Deutschland.

iBis 22. September im Lindenau-Museum Altenburg; geöffnet Di-Fr 12-18 Uhr, Sa, So und an Feiertagen 10-18 Uhr.

Christine Hochstein

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