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Altenburg Manuel Schmid und Anna-Marlene Bicking begeistern in Altenburg
Region Altenburg Manuel Schmid und Anna-Marlene Bicking begeistern in Altenburg
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10:00 12.08.2017
Manuel Schmid und Anna-Marlene Bicking sorgten gemeinsam mit ihrer Band für einen fulminanten Vorabend des diesjährigen Altenburger Musikfestivals. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Selbstverständlich war am Donnerstagabend im Agnesgarten die Familie zugegen. Nicht nur der Inner Circle – nein, weit über 300 Fans, Freunde und Bewunderer, eben die Altenburger Familie war gekommen.

Sie alle erlebten einen sehr schönen regenreichen und vor allem tollen Song- und Liederabend mit zwei außergewöhnlichen jungen Künstlern und ihrer Band – in diesem Fall der von Manuel Schmid. Allesamt ebenfalls aus dem Altenburger Land stammend. Auch das noch, unglaublich. „Das gab es so lange nicht. Oder eigentlich noch nie“ freute sich Rolf Olischer vom gastgebenden Verein des Altenburger Musikfestival e.V. und er meinte auf der einen Seite „ausverkauft“ wie auf der anderen Seite den wunderbar verlaufenden musikalischen Familienabend in Gestalt des traditionellen Sonderkonzertes am Vorabend zur Eröffnung des nunmehr 27. Altenburger Musikfestivals.

Skatstädtische Wurzeln

Anna-Marlene Bicking ist mit dieser Stadt verwurzelt, stammen doch Opa und Vater Andreas, einer der Ex-Keyboarder von Stern Meissen und bekannter Arrangeur, Komponist, Bandleader und Saxophonist u.a. von Manfred Krug, aus der Skatstadt. Sie setzt seit geraumer Zeit die musikalischen Familientraditionen erfolgreich fort.

Seit vier Jahren kennt sie Manuel Schmid. Beide teilen ihre Liebe zu den großartigen „Ostrock-Schinken“, wie sie es larmoyant ausdrückt. Und beide spielen ansonsten ihre eigenen solistischen Programme, haben EPs und CDs eingespielt, sind jeder auf erfolgreichem Weg. Darüber hinaus agiert Manuel Schmid unter anderem seit 5 Jahren als Frontmann, Keyboarder und Sänger in der legendären „Stern Combo Meissen“.

Kurze Probe, gelungenes Ergebnis

Zwei Tage hatten sie Zeit um ihren gemeinsamen Vortrag mit der Schmid-Band zu proben. Top und liebevoll versorgt im Altenburger Schloss bei und von der Musiklehrer-Familie Dressler. Deren Söhne Ecki und Markus Dressler fungierten als eingespielte Rhythmussektion an Drums und Bass für die Keyboards und die Stimmen von Anna-Marlene und Manuel Schmid. Sehr angenehm ergänzt durch den Klarinettisten und Saxophonisten Marek Arnold, aus Remse bei Waldenburg, der auch bei den Schmid’schen Studioproduktionen mitwirkt. Hier agierte eine vorzügliche regionale Combo, um im Stern Meissschen Wortschatz zu bleiben.

Herausgekommen ist eine gar nicht so kleine Überraschung. Mut zur Lyrik ist die Botschaft. Sie umschreibt den Umstand, zwar eine ganze Reihe nostalgischer DDR-Rocktitel auf die Bühne zu bringen – aber eigentlich eine völlig neue (alte) stilistische Spielform und Interpretationsqualität zu offenbaren. Weg von der musikalischen Radio- und chartorientierten Einheitspampe dröger und langweiliger austauschbarer Geräusche.

Panoptikum der Ost-Musik

Bicking und Schmid schälen förmlich aus alten Ost-Hits die wunderbaren Liedideen heraus, arrangieren sie sparsam und treffend, setzen eigene Akzente hinzu, entstauben so die Klassiker. Vortrefflich. Die ausgewählten eigenen Songs passen genau in ein solches Programm. Der sonst sehr strapazierte Begriff „Ostrock“ verliert hier nahezu seine ursprüngliche Bedeutung und gelangt in eine neue Daseinsform. Die Lieder von Lift, Karat, Veronika Fischer & Franz Bartzsch, ehemals Schmölln und Rositz, Stern Meissen, Uschi Brüning & Manfred Krug werden immer die Originale bleiben – aber diese Interpretationen von Bicking und Schmid sind aktuell, frisch, fast neu, aber auch mit der nötigen Demut vorgetragen. „

Auf der Wiese haben wir gelegen“ wurde frenetisch mitgesungen , bei „In jener Nacht“ war die sonst quicklebendige Berlinerin Anna-Marlene auf einmal still, verhalten und verträumt. Großer Vortrag. Das Pendant zu diesem Lied, Werther Lohses „Am Abend mancher Tage“, ist wohl unvergänglich und gehört zu den ganz großen Rockballaden – nicht nur der DDR. In diesem Fall bastelte Manuel Schmid nichts Neues. Gottseidank. Aber er interpretierte das Lied mit absolutem Gänsehaut-Feeling.

Dem Regen getrotzt

Der Regen kam und blieb, die Menschen und die Musiker rückten zusammen. Carlos Jobims „One Note Samba“ in der vorzüglichen Krug/Brüning-Variante blies die Sommerluft durch das Zelt und beim Manne-Krug-Klassiker „Sonntag“ bestieg mit Knut Breuer ein Altenburger Saxophon-Urgestein die Bühne, switchte sich in den Song und spielte schöne Fill-Ins und einen passenden Chorus. „Dafür das wir das überhaupt nicht geprobt haben ging’s doch“ meinte er nach Konzertende grinsend.

Natürlich noch „Wir sind die Sonne“ von Stern Meissen, ursprünglich 1985 noch von IC Falkenberg alias Ralf Schmidt eingesungen, ist die Interpretation Bickings und Schmid ebenso schön, wie die eingepassten eigenen Lieder „Coucou, Berlin“ oder das tolle „Arrogant“ Anna-Marlenes. Schmids „Worte sind wie Bilder“ oder „Paradies“ zeigen wo es in Zukunft lang gehen wird.

Nach diesem lockeren, schönen und verregneten Sommerabend muss man von diesen beiden Protagonisten durchaus erhoffen, das dieses Programm und diese ersprießliche Zusammenarbeit keine Eintagsfliege bleibt. Fischer/Bartzsch, Brüning/Krug, Bicking/Schmid – macht sich doch nicht schlecht, oder? Mit Verlaub, da kann man auch einmal wieder den Familiennamen benützen. Der Programmtitel „Also was soll aus mir werden?“ ist somit deutlich rein theoretischer Natur.

Von Stefan Müller

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