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Altenburg Frohnsdorfer Züchter erneut mit Schäferhunden auf Kinoleinwand
Region Altenburg Frohnsdorfer Züchter erneut mit Schäferhunden auf Kinoleinwand
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08:35 07.10.2018
Mario Jessat ist der Chef in der entspannten Truppe. Er züchtet in Frohnsdorf Ostdeutsche Schäferhunde. Quelle: Mario Jahn
Frohnsdorf

Sido, Blacky, Dori, Draga und Josanna sind in Frohnsdorf zu Hause und inzwischen kleine Filmstars. Vor rund zwei Jahren standen die Vierbeiner aus dem Wieratal bei den Dreharbeiten zum aktuellen Bully-Herbig-Film „Ballon“, der derzeit auch in Altenburg läuft, vor der Kamera. „Am meisten hat mich beeindruckt, wie freundlich und höflich Bully bei den Dreharbeiten war“, erzählt Mario Jessat, auf dessen Befehl die Schäferhunde Sido, Blacky, Dori, Draga und Josanna hören. Seit nunmehr 43 Jahren beschäftigt er sich mit den Vierbeinern und ist inzwischen Experte.

Vom Turm zum Ballon

„Hunde kann ich“, erklärt der Züchter der Ostdeutschen Schäferhundlinie, Betreiber einer Hundeschule, Entwickler von Hundefutter und nun mehr auch eine Art kleiner Filmstar – nicht nur, weil sein Statistenauftritt in „Ballon“ sogar zu einer Sprechrolle wurde. „Mit den Hunden haben wir DDR-Grenzer auf Streife dargestellt“, erzählt Jessat. Irgendwie habe sich dann ergeben, dass er „Halt! Sonst mache ich von der Schusswaffe Gebrauch“ schreien musste, berichtet der 57-Jährige amüsiert und erzählt, wie aufgeregt er deshalb war. Dabei war die Minirolle in dem Fluchtdrama „Ballon“ nicht die erste Kinoproduktion für ihn beziehungsweise seine Hunde.

Bereits 2011 wurden sie für die Verfilmung von Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“ gebucht. Eigentlich aus dem gleichen Grund. Auch hier wurden Schäferhunde als Darsteller gebraucht. Auf Jessat ist das Team gestoßen, weil sie nicht irgendwelche Schäferhunde gesucht haben, sondern speziell Ostdeutsche Schäferhunde. „Damit angefangen habe ich gleich nach der Wende. Seitdem züchte ich nur mit Tieren aus DDR-Linien.“ Genau das hat Jessat und seine Hunderudel auf die Kinoleinwand gebracht. Denn die DDR-Schäferhunde sehen ein wenig anders als ihre West-Verwandten aus. „Unsere sind nicht so gelb wie Kommissar Rex, und im Osten wurde auch nicht der stark abfallende Rücken gezüchtet“, erklärt Jessat. Die hiesigen Hunde seien dem gegenüber kompakter im Körperbau und dunkler im Fell. „Und sie sind vom Gemüt her gemütlicher.“

Früher war der Schäferhund ein anderer

Auch wenn vor allem die Optik für die Filmleute entscheidend war, die für authentische Aufnahmen die richtigen Hunde brauchten – allein Optik reicht natürlich für einen Filmdreh nicht. Die Vierbeiner müssen auch vor der Kamera funktionieren. „Zum Beispiel beim ,Ballon’ – dort wurden sechs Hunde gebraucht. Wenn sich die Tiere nicht kennen, kann es schwierig werden“, sagt Jessat, der in Frohnsdorf hauptberuflich eine Hundeschule betreibt. Dort übt der frühere Schäfer nicht nur mit seinen Tieren, sondern gibt seine Erfahrungen und sein Wissen weiter. „Vor zehn Jahren war der Schäferhund noch ein anderer. Die Tiere erfüllen heute soziale Aufgaben, gerade wenn die Kinder aus dem Haus sind. Sie sind bei vielen Familienmitglieder, die in der Wohnung mit leben. Da müssen die Tiere gehorsam sein und Folgschaft zeigen“, reißt Jessat an, worum es ihm geht.

Das Ziel verfolge er ebenfalls in seiner Zucht. Rund 30 Welpen im Jahr bringen sein Zuchtpaare zur Welt, die dann neue Besitzer bekommen. Den Kontakt zu ihnen halte er, betont Jessat. „Einmal im Jahr lade ich alle zum Welpentreffen ein, da kommen inzwischen über 100 Leute.“ Klar, die Hunde dürften auch schön aussehen, sagt Jessat und beginnt zu schwärmen von den Tieren, die er als Schäfer gewissermaßen als Arbeitskollegen kennen- und liebengelernt hat. „Vom Wesen her ist bei der Zucht wichtig, dass die Schäferhunde eben kompatibel für ein soziales Umfeld sind. Sie müssen einen klaren Kopf haben und berechenbar sein“, beschreibt der Halter von gleich 15 Schäferhunden seine Ziele.

Drei Tage bergauf bergab mit zwölf Hunden

Die muntere Truppe Vierbeiner im Auslauf hinter seinem Haus mitten in Frohnsdorf, scheint augenscheinlich genau mit diesen Eigenschaften ausgestattet zu sein. „Nur der eine, der bellt, ist ein Gasthund“, rechtfertigt Jessat und erzählt von seinem Ausflug mit dem Hunderudel im August. Für drei Tage und zwei Nächte ist er mit einem Dutzend Hunde entlang des sogenannten „Grünen Bandes“, dem Naturschutzgebiet entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, gewandert. „Da hatte ich mich aber total verschätzt. 750 Höhenmeter klingt so nicht viel, aber das ging ja ständig hoch und runter. Das Tollste jedoch war, wie unglaublich viele nette und hilfsbereite Menschen wir dort getroffen haben“, erzählt Jessat. Denn letztlich seien sie auf gut Glück losgezogen. Mit zwölf Hunden, ohne wirklich zu wissen, wo sie für die Nacht unterkommen. Eine Bekannte sei vorgefahren und habe dann just in time nach einem Platz gesucht – für ein Hunderudel samt den Haltern und ein Fernsehteam des MDR.

Denn das hat die Rudelwanderung begleitet. Es ist Jessats jüngste Filmproduktion. Ein 60-minütiger Streifen sei dabei heraus gekommen und, weil ihn das Erlebnis so beeindruckt hat, auch noch ein Buch, an dem er die vergangenen Wochen geschrieben hat. In den nächsten Tagen soll es herauskommen und Episoden seiner Wanderung sowie aus seinem Leben enthalten. „Und wir sind gerade dabei, in Altenburg einen Verein Schäferhundhilfe zu gründen“, bringt Jassat das nächste Thema ins Spiel. Apropos neues Thema: Da gebe es ja auch noch die Hundefuttermarke „Stadtwolf“, die er seit rund anderthalb Jahren aufbaut und die gerade durch die Decke gehe. Und Facebook, wo tausende Hundefans ihm folgen.

Hunde – das ist Lebensart

Auch Jessat ist durch und durch Hundenarr, und wenn es um Schäferhunde geht, ist er voll in seinem Element. Rund vier Stunden täglich habe er wenigstens mit dem Rudel zu tun, meint Jessat. Für ihn sei das aber weder Arbeit noch Hobby, sondern Lebensart.

Von Jörg Reuter

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