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Massentierhaltung in einer grünen Oase?

Massentierhaltung in einer grünen Oase?

Jetzt macht auch eine Bürgerinitiative gegen die geplante Putenmastanlage im Altenburger Ortsteil Schlöpitz mobil. Die Firma Pohle Agrar GbR aus Göhren plant dort einen Betrieb für mehr als 48 000 Tiere, das amtliche Genehmigungsverfahren durch das Thüringer Landesverwaltungsamt läuft bereits (OVZ berichtete).

Altenburg. Von Günter Neumann

 

 

"Zwei Dinge wollen wir unbedingt erreichen", erläutert Kathrin Knechtel aus Kürbitz im Namen der Bürgerinitiative in einem Gespräch mit der OVZ: "Erstens fordern wir, dass geprüft und diskutiert wird, ob wir im Altenburger Land industrielle Tierproduktion in diesem Ausmaß überhaupt fördern wollen. Mit offizieller Genehmigung und womöglich mit Steuergeldern unterstützt. Und zweitens verlangen wir, dass gründlichst geprüft wird, ob der geplante Standort nicht doch ungeeignet ist."

 

Die rund 20 Bürger der Initiative, die vorwiegend aus Kosma und Kürbitz kommen, diskutieren das Projekt, seit die OVZ Ende August erstmals über die Pläne berichtete. "Wir leben in dieser Gegend, wir mögen die Landschaft, das Fleckchen, das als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet auch einen besonderen Schutz genießt", begründet Kathrin Knechtel den Widerstand.

 

"Es ist doch Wahnsinn, in so eine Gegend, die eine kleine Oase am Altenburger Stadtrand ist, eine Anlage für die Massentierhaltung zu bauen." Auch grundsätzlich würde in den vielen Gesprächen immer mehr hinterfragt, ob industrielle Tierproduktion in diesen Größenordnungen noch zeitgemäß sei. "Unsere Landschaft ist ohnehin schon geprägt von einem ziemlichen Raubbau. Feldwege, Sträucher, Hecken sind weg, über Jahrhunderte entstandene Schutzräume abgeholzt. Wollen wir diesen Weg denn ewig weitergehen?"

 

Insofern lasse sich über die Veränderungen im Altenburger Land in den vergangenen 50 Jahren im Allgemeinen und über die geplante Großanlage im Konkreten entweder "mit weinenden Augen weiter lamentieren oder etwas dagegen tun", so Kathrin Knechtel. Ernüchtert stellte man dabei übrigens fest, dass es von den Grünen im Altenburger Land praktisch keine Unterstützung für das Anliegen der Bürgerinitiative gab - obwohl sich alles um ein Kernthema der ökologischen Umgestaltung dreht.

 

Doch die Bürgerinitiative hat sich auch ohne politische Rückendeckung zum Handeln entschieden. Für das offizielle Anhörungsverfahren seien bereits Einwendungen eingereicht worden, berichtet Kathrin Knechtel. Aus persönlicher Sicht ergänzen sie die Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange wie der Grünen Liga und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Sie selbst und weitere Vertreter der Bürgerinitiative werden an der Erörterung des Projektes teilnehmen.

 

"Ich finde aber auch, dass die politisch Verantwortlichen der Region zu dem Vorhaben Stellung beziehen sollten, also Landratsamt und Kreistag, Stadtverwaltung und Stadträte", betont die Vertreterin der Bürgerinitiative. Sie selbst hatte das Thema deshalb in der Bürgerfragestunde der vergangenen Stadtratssitzung angesprochen.

 

Persönlich sei er inzwischen sehr erschüttert über die Zustände in Anlagen der Massentierhaltung auch in Deutschland, antwortete Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) unmissverständlich. Allerdings falle die Genehmigung oder Ablehnung des in Schlöpitz geplanten Projekts nicht in die Zuständigkeit der Stadt. Auch dass der Stadtrat anschließend im nicht öffentlichen Teil der Putenmastanlage das sogenannte gemeindliche Einvernehmen versagte, ist nur ein Baustein im Genehmigungsverfahren.

 

"Wir wissen schon jetzt, dass am Ende wohl alles auf eine gerichtliche Auseinandersetzung hinausläuft, weil wir allein mit vernünftigen Argumenten nicht weiterkommen", ist Kathrin Knechtel überzeugt. © Kommentar

 

Kontakt: Kathrin Knechtel, Tel. 03447 500436.

 

Öffentlicher Erörterungstermin

 

Den Erörterungstermin zu dem Putenmast-Projekt hat das Landesverwaltungsamt für Donnerstag, ab 10 Uhr, im Goldenen Pflug angesetzt. Dort werden im Rahmen des Genehmigungsverfahrens nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz alle frist- und formgerecht erhobenen Einwendungen erörtert. Sollte die Zeit nicht reichen, wird an den Folgetagen fortgesetzt.

Günter Neumann

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Von Redakteur Gabriele Neumann

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