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Mastanlage für 48 000 Puten kommt

Mastanlage für 48 000 Puten kommt

Es ist die reine Idylle am Weg zwischen Göhren und Kürbitz. Außer Vogelgezwitscher hört man nur den Wind, der über die Ähren streicht, die auf den Feldern reifen.

Mit der Ruhe ist es bald vorbei, wenn nun Bagger, Raupen und Betonmischer anrollen. Denn vor wenigen Tagen hat das Landesverwaltungsamt Weimar die vorfristige Genehmigung für den Bau einer der größten neuen Ställe im Altenburger Land erteilt - einer Putenmastanlage für insgesamt bis zu 48 600 Tiere. Darüber informierte der Sprecher der Landesbehörde, Adalbert Alexy, am Mittwoch die OVZ. Die Erlaubnis beschränkt sich im Moment auf Erschließungsarbeiten, Fundament und Rohbau.

 

Die Genehmigung kommt überraschend. Bekanntlich hatte in dem aufwendigen und langwierigen Verfahren der Stadtrat von Altenburg seine Zustimmung versagt. Weimar sieht diesen Einspruch allerdings als rechtswidrig an, weil er ohne Begründung erfolgte. Die Stadtverwaltung wurde deswegen aufgefordert, bis zum 19. Juni die Entscheidung zu überdenken und sich nochmals zu positionieren. Unklar ist im Moment, ob dafür ein neuer Stadtratsbeschluss oder ein anderes Votum eingeholt wird oder die Stadt bei ihrer Meinung bleibt. Falls Altenburg seinen Einspruch aufrechterhält, wird diese fehlende gemeindliche Zustimmung vom Landesverwaltungsamt bei der endgültigen Genehmigung in vier bis fünf Wochen ersetzt. "Denn gegen Bau und Betrieb der Anlage gibt es keinerlei Bedenken", sagte Alexy.

 

Mit ihrem Einspruch hatten die Stadträte allerdings nicht baurechtliche Bedenken aufgegriffen, sondern die Befürchtung der Bürger vor Lärm und Gestank und der Beeinträchtigung von Luft, Boden und Gewässern. Für all dies gibt es laut Weimar aber keinerlei Anhaltspunkte.

 

Daneben kritisiert eine Bürgerinitiative die Verschandelung der Landschaft und eine sinkende Lebensqualität in der Gegend, wie Sprecherin Kathrin Knechtel der OVZ erläutert. Es sei lächerlich, wenn einerseits Radwege gefördert würden, auf denen dann niemand fährt, weil sie direkt an solchen Massenställen vorbeiführen. Knechtel kritisiert ebenso Massentierhaltung und den Einsatz von Antibiotika. Diese zunehmende Maßlosigkeit in der landwirtschaftlichen Produktion erfolge längst nicht mehr in Einklang mit der Natur, sondern nehme mehr und mehr industrielle Formen an, sagte sie. Doch auch diese Kritik spielt im Genehmigungsverfahren keine Rolle, wenn die Tierschutzbestimmungen eingehalten werden.

 

"Und das werden sie", betont der Investor der Truthahn-Mast, Wolfram Pohle, gegenüber der OVZ. "Ich betrachte meine Anlage auch nicht als Massentierhaltung." Denn die Größenordung der Ställe würde zu seinem landwirtschaftlichen Familienbetrieb passen, den er einmal seinen Kindern übergeben will. Geplant sind zwei Ställe für je 8100 männliche Tiere und eine weitere Halle für die Aufzucht von 32 400 Küken, in denen danach 16 200 Hennen gemästet werden. In dem Neubau verbessern sich Stallhygiene und Frischluftzufuhr im Vergleich zu alten Anlagen enorm, meint der Landwirt, der in Romschütz selbst einen über 20 Jahre alten Stall betreibt. Sein Abnehmer, die Heidemark-Gruppe in Niedersachsen, setze mehr und mehr auf Tiere, die in modernen Betrieben gemästet werden. "Der Geflügelmarkt wächst", tritt Pohle Äußerungen entgegen, wonach die Nachfrage wegen der Kritik an Massentierhaltung und Antibiotikaeinsatz sinkt. Noch rechnet er damit, dass ein Teil seiner 2,2 Millionen Euro für die neue Anlage gefördert wird.

 

Doch das ist fraglich. Die neue Landesregierung will dem Neubau von Großställen den Geldhahn zudrehen und nur noch kleine Ställe fördern. Nicht mehr solche, die nun zwischen Göhren und Kürbitz entstehen.

Jens Rosenkranz

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