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Mega-Hähnchenmast bei Gleina: Gegner formulieren 780 Eingaben

Proteste Mega-Hähnchenmast bei Gleina: Gegner formulieren 780 Eingaben

Gegen die geplante Hähnchenmastanlage bei Gleina vor den Toren Altenburgs sind beim Landesverwaltungsamt Thüringen 780 Eingaben eingegangen. Sowohl das Vorhaben wird kritisiert als auch die Folgen für Gesundheit und Umwelt geltend gemacht. Die Gegner der Anlage haben auch eine Petition im Internet gestartet.

Bei Gleina soll die große Hähnchenmastanlage entstehen.
 

Quelle: Mario Jahn

Altenburg/Erfurt.  Wenn die Pläne von Richard Wermuth wahr werden, dann entsteht vor den Toren Altenburgs eine neue Mega-Tiermastanlage. Zwei Vollzeitkräfte sollen bei Gleina wie berichtet etwa 200.000 Tiere in rund 40 Tagen vom Küken zum schlachtreifen Hühnchen mästen. Etwa vier Millionen Euro will Wermuth dazu investieren. „Wir produzieren das, was der Markt verlangt“, verteidigt er das Vorhaben gegen Kritik.

Denn Pläne für Erweiterungen oder Neubauten von Ställen stoßen auch im Bratwurstland Thüringen regelmäßig auf Widerstand. Zwar hat Rot-Rot-Grün im Koalitionsvertrag vereinbart, „den weiteren Zubau großer Intensivtierhaltungsanlagen“ nicht zu unterstützen. Doch unverdrossen werden weitere Großställe geplant und genehmigt.

Erörterungstermin wird verschoben

Am 19. Januar sollte in der Mehrzeckhalle Nobitz ein Erörterungstermin zum Antrag der Wermuth GmbH für den Bau der Hähnchenmastanlage Gleina stattfinden. Bei der Veranstaltung wären sämtliche Einwände öffentlich angesprochen worden. Dem Betrieb wird dabei Gelegenheit gegeben, diese Bedenken fachlich zu entkräften. Dieser Termin ist nun vom Landesverwaltungsamt verschoben worden. Die Gründe dafür sind fehlende Unterlagen. Dabei handelt es sich um offene Fragen der Erschließung und bei den Wetterdaten. Details der ungeklärten Sachverhalte wurden nicht genannt. Die fehlenden Unterlagen und Informationen muss der Investor nun nachreichen. Unklar ist derzeit, bis wann er dafür Zeit hat.

Ein neuer Erörterungstermin steht noch nicht fest. Er soll zeitnah bekanntgegeben werden. Im Moment ist dafür ein Tag vorgesehnen. Wie eine Sprecherin der Weimarer Behörde sagte, sind auch zwei oder mehrere Tage möglich, wenn dies erforderlich ist. Das Ergebnis dieses Treffens ist eine wichtige Grundlage für das Landesverwaltungsamt, eine Genehmigung zu erteilen oder nicht. Erfahrungsgemäß müssen bestimmte umstrittene Details, die während der Erörterung zur Sprache kommen, vom Investor nachgebessert werden.

Erörterungstermine gab es zuletzt zum Bau der Putenmastanlage bei Göhren und zur Erweiterung der Kapazität des Schlachthofs Altenburg.
 

Allein 2015 hat das Landesverwaltungsamt bis Mitte Dezember sechs Genehmigungen erteilt, darunter den Neubau einer Putenmastanlage für 48.600 Tiere in Altenburg sowie den Ausbau des Geflügelbetriebs in Falkenhain bei Meuselwitz von knapp 70.000 auf mehr als 82.000 Plätze. Neun weitere Genehmigungen wurden 2015 beantragt, etliche weitere Vorhaben sind schon länger im Genehmigungsverfahren. 2010 bis 2014 waren in Thüringen der Aus- und Neubau von 29 Mastanlagen erlaubt worden.

Keine Obergrenzen bei der Tierhaltung

„Das Tierwohl hängt nicht allein von der Größe einer Tierhaltung ab und deshalb kann eine Lösung nicht nur in der Reduzierung der Tierbestandsgrößen gefunden werden“, betont Agrarministerin Birgit Keller (Linke). Sie verweist auf strengere Regeln, die seit diesem Jahr für die Investitionsförderung gelten. Auf Obergrenzen bei der Tierzahl sei dabei bewusst verzichtet worden. „Im Fokus der Förderung stehen somit besonders tierwohlorientierte Investitionen.“ Nach früheren Aussagen sollte durch die Umstellung der Förderung neuen Großställen das Wasser abgegraben und das Geld bevorzugt vergleichsweise kleineren Anlagen zugutekommen.

Doch für Unmut sorgt bei den Bauern weniger die Förderpolitik des Agrarressorts, sondern vielmehr die Vorhaben des grün-geführten Umweltministeriums – die geplante Wasserabgabe, ebenso der Filtererlass für Schweineställe. „Es ist verkehrt, dass Thüringen bei diesem Thema im Alleingang vorprescht“, sagt Bauernpräsident Helmut Gumpert. Die Thüringer Bauern würden durch die Filterpflicht mit zusätzlichen Kosten von 150 Millionen Euro belastet. „Da werden manche sagen: Dann muss ich den Betrieb zumachen.“ Der Verband baut nun auf ein geplantes Spitzentreffen mit Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und den beteiligten Ministerien.

Filterpflicht soll Gestank eindämmen

Befürworter einer Filterpflicht versprechen sich davon mehr Akzeptanz von Ställen bei Anwohnern, weil die Anlagen dann weniger Gestank und Stickstoff in die Umgebung verbreiten. Denn auch Dorfbewohner sind inzwischen oft wenig begeistert von Großställen in der Nachbarschaft. Allein gegen Wermuths neue Hähnchenmastanlage in Gleina gingen laut Landesverwaltungsamt 780 Eingaben ein. Dabei wurde sowohl das Vorhaben an sich kritisiert als auch negative Folgen für Gesundheit und Umwelt geltend gemacht, wie eine Behördensprecherin erklärte. Die Gegner haben auch eine Petition im Internet gestartet.

Bei den Planungen seien einige Biotope nicht berücksichtigt worden, erklärt Mike Jessat, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes Nabu und Direktor des Mauritianums Altenburg. Zudem sei nicht untersucht worden, welche Auswirkungen der Bau auf streng geschützte Fledermausarten habe, die ganz in der Nähe heimisch seien.

Pläne sollen verwirklicht werden

Jessat stellt solche Großanlagen generell infrage. „Mit Massentierhaltung kann man nicht umweltkonform arbeiten, ab einer bestimmten Größe ist das Industrie“, sagt er. „Letztlich erkaufen wir uns den niedrigen Preis an der Supermarktkasse auf Kosten der Tiere und der Umwelt.“ Er sieht die Politik gefordert, bessere Standards und Obergrenzen in der Tierhaltung gesetzlich festzuschreiben.

Trotz des Gegenwindes ist Wermuth fest entschlossen, seine Pläne zu verwirklichen. Denn die Landwirtschaft leidet unter schwierigen Marktbedingungen, und mit der Investition will er seinen Betrieb fit für die Zukunft machen. „Wunschdenken und Realität sind in der Landwirtschaft leider sehr weit auseinandergedriftet“, meint Wermuth. „Auch durch unsere Schuld, weil man dem Verbraucher immer die ländliche Idylle vorgemacht hat, die es noch nie gab.“

Bauern wie er seien massivem politischen Druck und Willkür ausgesetzt, beklagt der Landwirt. Wann der Bau der insgesamt vier Ställe zu je gut 2500 Quadratmeter in Gleina starte, liege daher „allein in Gottes Hand“.

Von Andreas Hummel

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