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Altenburg Mehr Gäste, aber weniger Übernachtungen
Region Altenburg Mehr Gäste, aber weniger Übernachtungen
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21:37 23.04.2015

Demnach kamen 2014 mit 60 778 Gästen 759 mehr als im Jahr zuvor, diese übernachteten lediglich 138 836-mal und damit 7323-mal weniger als 2013. Dadurch sank zugleich die Verweildauer pro Gast von 2,4 auf 2,3 Tage. Die Einbuße bei den Übernachtungen von rund fünf Prozent bei gleichzeitigem Gästewachstum von gut 1,3 Prozent erklärt sich laut Expertin Christine Büring vor allem durch einen Umbruch im Tourismus-Sektor im Kreis.

Hauptgrund ist der sehr gut gehende Online-Verkauf von Individual-Pauschalreisen mit ein oder zwei Übernachtungen, oft Halbpension, und einer Stadtführung, einem Theater- oder Ausstellungsbesuch", sagt die Geschäftsführerin der Altenburger Tourismus-Information. Davon profitieren aber hauptsächlich kleinere, private Unterkünfte, die gut ausgelastet sind, in der Statistik jedoch kaum oder nicht auftauchen."

Um das zu verstehen, braucht es Hintergrundwissen. So werden vom TLS für den Kreis 25 touristische Gastgeber mit 1114 Betten angeführt. Das bedeutet, dass alle privaten Ferienwohnungen und kleinen Pensionen mit weniger als neun Betten fehlen", so die Vize-Chefin der IHK zu Ost-thüringen weiter. Also genau jene, die von den gefragten Angeboten profitieren. Gleichzeitig veränderte sich die Struktur der Gäste: Wo in den 1990ern der Geschäfts- und Seminartourismus die Zimmer füllte, wurden Ende der 90er die Busreise-Gruppen die wichtigsten Kunden, und seit fünf Jahren gewinnt der Individualtourismus durch unzählige Buchungsplattformen im Internet immer mehr an Bedeutung."

Dennoch hat die Auslastung der Betten im Altenburger Land die Talsohle vom Anfang des Jahrtausends durchschritten, als die Unterkünfte im Schnitt gerade einmal zu einem Fünftel gefüllt waren. Laut TLS liegt man hier nun bei knapp einem Drittel (32,4 Prozent). Allerdings rechnen die Hoteliers lieber nicht mehr nach Betten, sondern nach Zimmern", sagt Büring und der Chef des Reussischen Hofes in Schmölln, Bernd Adam, ergänzt: Ein Geschäftsmann übernachtet im Doppelzimmer, da ist meine Auslastung bei 100 Prozent, in der Statistik sind es aber nur 50 Prozent, weil das zweite Bett ja leer ist." Preislich verdiene er dasselbe. Denn die Wirtschaftlichkeit hängt neben den Kosten von der Auslastung und vom Zimmerpreis ab.

Vor diesem Hintergrund bewertet Büring die Entwicklung mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Traurig sei der Rückgang der Übernachtungen, positiv die gestiegene Besucherzahl. Das eine macht vom anderen aber wieder viel kaputt." Dass sie durch das von ihr und dem Altenburger Hof entwickelte Baukastenprinzip und seiner Internetvermarktung zur negativen Entwicklung bei der Aufenthaltsdauer beigetragen hat, will die ATI-Chefin so nicht sehen. Wir haben den Trend zum kurzentschlossenen, verhältnismäßig günstigen Kurzurlaub aufgenommen", erklärt sie. So konnten neue Zielgruppen erschlossen werden, wozu vor allem Leute aus dem Berliner Raum oder aus Franken zählen, die nur zwei bis drei Stunden Anfahrt haben." Das sei wie eine Kostprobe. Die Leute herzubekommen, geht über den Preis, der aber wieder etwas mit der Aufenthaltsdauer zu tun hat." Wenn man die Interessen dieser Leute, die vor allem in der Vielzahl naher Sehenswürdigkeiten sowie in Rad- und Wanderwegen liegen, befriedige und sie dazu bekomme, noch einen Tag dranzuhängen, habe man viel gekonnt.

Thomas Haegeler

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