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Mehr Lohn, Kündigungsschutz und endlich vier zusätzliche Techniker

Altenburg-Geraer Theater Mehr Lohn, Kündigungsschutz und endlich vier zusätzliche Techniker

Nach ziemlich zähen Verhandlungen und am Schluss sogar einem achtstündigen Gesprächsmarathon haben sich die Parteien doch noch rechtzeitig geeinigt: Der neue Haustarifvertrag für die Altenburg-Geraer Theater GmbH ist in trockenen Tüchern. Der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Wolf erläutert im OVZ-Interview, was dies konkret bedeutet.

Auch die Besucher haben etwas vom neuen Haustarifvertrag – weniger Schließzeiten.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Nach ziemlich zähen Verhandlungen und am Schluss sogar einem achtstündigen Gesprächsmarathon haben sich die Parteien doch noch rechtzeitig geeinigt: Der neue Haustarifvertrag für die Altenburg-Geraer Theater GmbH ist in trockenen Tüchern (die OVZ berichtete). Der Aufsichtsratsvorsitzende, Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD), erläutert im OVZ-Interview, was dies für das Haus, die Beschäftigten und auch die Besucher bedeutet.

Sie hatten große Sorge, sprachen vor den Verhandlungen am 9. Dezember sogar von einer„äußerst kritischen Phase“, in der sich das Theater befindet. Da dürfte Ihnen der Tarifabschluss doch wie ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk vorgekommen sein?

Ja, das kann man so sagen. Wir sind als Gesellschafter und Aufsichtsrat glücklich, dass es gelungen ist, diesen einzigartigen Kulturkörper nachhaltig zu sichern. Dies ist nicht zuletzt auch deshalb wichtig, weil unser Theater durch seine Internationalität besticht, sich mit kultureller Vielfalt in das Leben der Stadt einbringt und damit zudem beweist, dass das Zusammenleben der Kulturen funktionieren kann. Durch den neuen Haustarifvertrag haben wir eine Planungssicherheit für das Altenburg-Geraer Theater und das Thüringer Staatsballett bis zum 31. Dezember 2021 erreicht. Wer kann dies sonst zum jetzigen Zeitpunkt schon von sich sagen? Dies ist gerade in ziemlich unruhigen Zeiten, vor allem mit Blick auf die Gebietsreform in Thüringen sowie die in den nächsten Jahren anstehenden Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlen, ganz besonders wichtig.

Ein weiteres Verhandlungsergebnis ist die Gründung einer sogenannten Zukunftskommission Anfang 2019. Was konkret bedeutet dies?

Dies bedeutet zu allererst, dass sich Arbeitgeber und Gewerkschaften einig sind, in fünf Jahren nicht wieder in die gleiche Situation kommen zu wollen wie jetzt und kurz vor Toreschluss um den Tarifabschluss kämpfen und zittern zu müssen. In dieser Kommission, der neben den Tarifparteien außerdem Vertreter des Freistaats und andere Kulturverantwortliche angehören, soll rechtzeitig über die Zeit ab dem 1. Januar 2022 beraten werden. Wir wollen beizeiten klare Signale in Richtung Landesregierung senden, welche Zukunftsvorstellungen wir für das Theater haben. So entsteht weit vor Auslaufen des Haustarifvertrags ein Problembewusstsein über die zu schulternden Aufgaben.

Welches sind für Sie die wichtigsten Eckdaten des neuen Vertrags?

Erst einmal haben wir gegenüber dem jetzt auslaufenden Vertrag eine längere Laufzeit vereinbart, fünf statt bislang vier Jahre. Das wichtigste Ergebnis aber ist, dass der Abstand des Haustarifs zum Flächentarif mehr als halbiert wird, von über zwölf auf unter sechs Prozent. Dies erfolgt in drei Stufen, so dass am Schluss alle Beschäftigten den gleichen Abstand haben. Ich bin den insgesamt vier Gewerkschaften sehr dankbar, dass wir uns darauf verständigen konnten. Zudem werden alle Tariferhöhungen im Flächentarif auch bei uns wirksam. Und last but not least ist für die Laufzeit des Haustarifvertrags Kündigungsschutz vereinbart worden.

Die dickste Kröte musste dann wohl die für das Orchester zuständige Deutsche Orchestervereinigung DOV schlucken. Denn hier wurde die Reduzierung von derzeit 73 auf 64 Musikerstellen vereinbart.

Das klingt auf den ersten Blick drastisch. Aber da diese neun Stellen erst bei altersbedingtem Ausscheiden nicht wiederbesetzt werden sollen, ist die Zahl 64 erst im Jahr 2046 erreicht. Wenn der neue Haustarif Ende 2021 ausläuft, zählt das Orchester immer noch 72 Mitglieder. Die neun Stellen werden übrigens bis zum Ausscheiden der betreffenden Orchestermitglieder aus einem separaten Finanztopf des Landes für Strukturveränderungen finanziert. Und sie sind genau festgelegt. Wenn also ein anderer Musiker, aus welchen Grund auch immer, ausscheidet, besetzen wir die Stelle selbstverständlich neu. Es wird also nicht irgendwann die erste Violine fehlen. Die Verhandlungspartner sind sich zudem einig, dass das Orchester auch künftig ein B-Orchester bleibt und damit seine Einstufung behält. Und: Es wird ab 2018 in Kooperation mit dem Orchester Jena eine Orchesterakademie mit voraussichtlich rund zehn Stellen gegründet. Hier sollen junge Musiker schneller an das notwendige Qualitätsniveau herangeführt werden.

Haben die Theaterbesucher eigentlich auch etwas vom neuen Haustarifvertrag?

Und ob. Je geringer der Gehalts- beziehungsweise Lohnverzicht der Beschäftigen des Theaters ist, desto weniger Ausgleich durch freie Tage ist notwendig. Desto kleiner werden also neben den regulären Theaterferien die zusätzlichen Schließzeiten sein, desto mehr kann gespielt werden. Dies wird übrigens auch möglich, weil wir durch den neuen Vertrag endlich auch vier zusätzliche Technikerstellen besetzen können. Die Kollegen arbeiten hier bekanntlich schon seit langem absolut am Limit.

Das klingt alles sehr erfreulich. Wie zu vernehmen war, soll es aber immer noch eine Hürde geben. Stimmt das?

Na ja, eine ganz kleine. Anfang nächsten Jahres müssen sich die Tarifpartner in den entsprechenden Kommissionen das Verhandlungsergebnis noch bestätigen lassen. Der Aufsichtsrat der Theater GmbH hat es auf seiner Sitzung in dieser Woche schon getan. Ich habe die große Hoffnung und Bitte, dass die Gewerkschaften dem folgen.

Von Ellen Paul

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