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Mehr Zeit für eigene Projekte

Mehr Zeit für eigene Projekte

Bei genauerer Betrachtung erscheint die Entscheidung konsequent, wenn sie auch mit Sicherheit ungewöhnlich ist. Nach 14 Jahren als Solocellist des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera beendet Lukas Dreyer sein Engagement am hiesigen Theater zum Spielzeitende.

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Lukas Dreyer und sein Cello.

Quelle: Agentur

Die Lehrtätigkeit und seine zahlreichen kammermusikalischen Projekte führten den Musiker zu dieser Entscheidung.

 

Kammermusik gehörte von jeher zu den zentralen Interessen des Cellisten. Bereits im Rahmen seiner Studien in Frankfurt am Main und Aachen hatte er dieser Ausdrucksform besonderes Augenmerk gewidmet. Sein damaliges Streichquartett war sogar das erste derartige Ensemble überhaupt, das ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für einen Auslandsaufenthalt zum Kammermusikstudium erhielt - ein Jahr lang vervollkommnete er in Budapest auf diesem Gebiete seine Fähigkeiten. Und auch die Gründung seines Cello-Quartettes "Quattrocelli", für das er von Beginn an auch als Arrangeur tätig ist, reicht bereits in jene Zeit zurück. Längst hat sich dieses Ensemble international einen Namen gemacht.

 

Und auch das Unterrichten begleitet ihn bereits seit Studienzeiten. Was sich aus der Notwendigkeit heraus entwickelte, als Student etwas dazu verdienen zu müssen, hat sich längst zum Bedürfnis, zur künstlerischen Bereicherung und zur vertrauten Gewohnheit entwickelt. Inzwischen nimmt diese Tätigkeit großen Raum im Leben des 44-jährigen Musikers ein. Bereits 2010 reduzierte er seinen Orchestervertrag am Altenburg-Geraer Theater, um für diese Tätigkeitsfelder mehr Zeit zu haben. Nun erscheint es ihm als richtige Konsequenz für beide Seiten, ihn zu beenden. Was er aus Ostthüringen mitnimmt zu neuen Ufern, sind wichtige Erfahrungen und aufregende Erinnerungen.

 

Wirklich in Gera gewohnt hat Lukas Dreyer allerdings nur die ersten beiden Jahre seines Engagements. Dann führten ihn private Gründe nach Leipzig. Inzwischen lebt Dreyer seit einigen Jahren in Weimar. Seit 2007 ist er im Lehrauftrag an der dortigen Musikhochschule tätig, seit 2010 zudem an der Hallenser Hochbegabtenschule.

 

Zum Abschied wird der Musiker noch einmal in einem der Projekte zu erleben sein, an die er sich besonders gern erinnern dürfte - für Altenburg ist das sogar eine Premiere. Eine spartenübergreifende Arbeit schwebte Sabine Schramm, Leiterin des Puppentheaters des Hauses vor, und Dreyer ließ sich gern auf die Auseinandersetzung mit Choderlos de Laclos Roman "Gefährliche Liebschaften" ein, die morgen Abend am Landestheater erstmals zu sehen sein wird. Seine Bach-Interpretationen haben in dem Stück kommentierende, ja kontrapunktierende Funktion. Doch für diese Produktion, für die es bereits einige Gastspielanfragen gibt, wird Dreyer auch in Zukunft als Gast an seine einstige Wirkungsstätte zurückkehren.

 

Auch insofern wird dem passionierten Autofahrer, der Bewegung in jeder Hinsicht liebt, und der die Kilometer, die er in den letzten eineinhalb Jahrzehnten in Mitteldeutschland zurückgelegt hat, nicht mehr zählen kann, die Zeit nicht lang werden. Dass neben den vielen Tätigkeitsfeldern noch viel Freizeit bleibt, seinem Hobby, dem Zeichnen, zu frönen, ist unwahrscheinlich. Denn viele Projekte stehen ins Haus, und an neuen Ideen mangelt es Dreyer nicht, ganz besonders, was "Quattrocelli" betrifft und die Leitung der "Musikkammer" des Leipziger Wave Gotik Festivals, die Lukas Dreyer entwickelt hat, und in der er die Chance sieht, mit ausgefallenen Kammermusikprojekten ein großes und breites Publikum zu erreichen.

Tatjana Böhme-Mehner

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