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Altenburg Update: Sturmtief Eberhard zerlegt Baustelle, Bäume und Stromversorgung
Region Altenburg Update: Sturmtief Eberhard zerlegt Baustelle, Bäume und Stromversorgung
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16:43 11.03.2019
Am SWG-Neubau in der Altenburger Puschkinstraße hat der Sturm Teile des obersten Geschosses verwüstet. Quelle: Mario Jahn
Altenburg/Treben/Nobitz

Gut ein Jahr nach Friederike kam Eberhard. Das jüngste Sturmtief, das mit Orkanböen durch das Altenburger Land fegte, richtete vor allem am Sonntagabend diverse Schäden an. Umgestürzte Bäume, verwehte Schilder, Stromausfälle und verwüstete Baustellen – vieles davon beschäftigte die Einsatzkräfte noch den gesamten Montag über, manche Aufräumarbeiten werden gar Wochen dauern. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen glücklicherweise niemand.

Feuerwehren und Polizei absolvierten von Sonntag bis Montag weit über hundert Einsätze im Altenburger Land. „Diesmal hat es unseren Landkreis richtig schwer erwischt“, konstatierte Kreisbrandinspektor Uwe Engert. „Die Feuerwehren waren vor allem am Sonntag flächendeckend im Einsatz. Vor allem, um umgestürzte oder umsturzgefährdete Bäume sowie lose Ziegel zu beräumen. Vielfach fielen die Bäume auch auf Freileitungen und sorgten so für Unterbrechungen in der Stromversorgung“, schilderte Engert. Teilweise im Minutentakt alarmierte die Geraer Leitstelle freiwillige Kameraden im Landkreis zu Einsätzen. „Hinzu kommen noch einige mehr, weil in den jeweiligen Orten die Feuerwehren Notlagen regelrecht auf Sicht abgearbeitet haben.“

Neben Altenburg waren besonders Meuselwitz mit dem Ortsteil Wintersdorf und Lucka betroffen. Aber auch die Kameraden in Langenleuba-Niederhain, Rositz und Nobitz hatten ordentlich zu tun und mussten mehrfach raus, um umgestürzte Bäume oder verwehte Dachteile zu beseitigen.

52 Feuerwehr-Einsätze allein in Altenburg

In der Stadt Altenburg fielen am Sonntag in Summe 52 Einsätze an. Gefordert waren neben der Berufswehr und den Freiwilligen Kameraden der Stadt auch sämtliche Ortsteilwehren, die auch die entsprechenden Bereitschaften für die ausgerückten Kameraden übernahmen, berichtete Altenburgs Feuerwehrchef Meik Zimny. Unter anderem sei der Mehrgeschosser Am Stadtwald 12 in Altenburg-Südost ein arbeitsintensiver Einsatz gewesen, wo es die Fassadendämmung weggeweht hatte, so Zimny. „Nicht ohne war auch ein Einsatz in Oberzetzscha am Montagmorgen gegen 0.20 Uhr, wo ein umgestürzter Baum eine Gasfreileitung über den Gerstenbach leck geschlagen hatte, so dass Gas austrat. „Dort waren wir aber nur zur Absicherung, weil Polizei und Gasversorger die Sache rasch unter Kontrolle hatten.“

Die Schäden im Altenburger Baumbestand verteilen sich auf das gesamte Stadtgebiet. Betroffen sind unter anderem Bereiche am Großen Teich, im Schlosspark und am Pauritzer Teich, teilte die Stadtverwaltung mit. In der Talsohle des Deutschen Bachs seien ebenfalls mehrere Bäume umgestürzt. Die Beräumung der Flächen werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Im Einwohnermeldeamt im Johannisgraben 4 ging ein großes Glasfenster zu Bruch, weil sich Firststeine der unmittelbar angrenzenden Music Hall gelöst hatten.

Schwere Schäden am SWG-Neubau Puschkinstraße

Besonders gravierend ist die Situation in der Puschkinstraße. Dort fegte der Wind in den neuen Wohnkomplex der Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWG), wo erst kürzlich Richtfest gefeiert werden konnte. „Die Orkanböen haben bereits gesetzte Wände im obersten Geschoss teilweise zum Einsturz gebracht“, stellte SWG-Sprecher Matthias Blättner fest. Teilweise seien die Steine sowie weiteres im Obergeschoss gelagertes Baumaterial auf die viel befahrene Hauptstraße gestürzt. „Auch die oberen Teile des Baugerüstes wurden durch Sturm und Steine beschädigt. Jetzt müssen wir gemeinsam mit den beauftragten Bauunternehmen erst einmal prüfen, inwieweit das Gerüst neu aufgebaut werden muss“, bilanzierte Blättner. „Gleiches gilt für die Ermittlung der Schadenssumme. Aber glücklicherweise ist niemand durch die herabstürzenden Teile verletzt worden“, fügte Blättner an.

Umleitung der Hauptverkehrsachse

Für die Autofahrer in der Stadt bedeutet das Ereignis eine Nervenprobe. Denn die Puschkinstraße ist seit der Nacht zum Montag für den Verkehr voll gesperrt, was zu weiträumigen Umleitungen und Staus führt. „Möglicherweise muss die Sperrung ganz oder teilweise bis zum Freitag aufrechterhalten werden, bis alle Schäden repariert sind und die Baustelle wieder gesichert ist“, so der Sprecher.

Autofahrern, die aus Richtung Schmölln kommen, wird von der Stadtverwaltung die Umleitung über den Johannisgraben empfohlen. Der über die Zeitzer Straße kommende Verkehr, der in Richtung Zwickau beziehungsweise Gera rollt, wird über den Kreisverkehr umgeleitet. Zum Friedhof gelange man weiterhin über den Steinweg.

Bundesstraße 93 stundenlang gesperrt

Stundenlang gekappt war am Montag auch die Bundesstraße 93 bei Treben. Weil zwischen Treben und Primmelwitz zwei Strommasten in gefährliche Schräglage geraten waren, wurde der Verkehr gestoppt. Inwieweit es wegen der Schäden zu lokalen Versorgungsausfällen kam, konnte Netzbetreiber Mitnetz Strom nicht sagen. Es handelte sich jedoch um eine Niederspannungsleitung, die deutlich weniger Haushalte versorgt als etwa ein Mittelspannungskabel. Der Betreiber war über Stunden hinweg mit der Reparatur beschäftigt.

Schäden im gesamten Landkreis, gesperrte Straßen, zeitweise rund 10 000 Haushalte ohne Strom: Das ist die Bilanz des Sturmtiefs Eberhard, das vor allem am Sonntagabend im Altenburger Land wütete. Zahlreiche Bäume brachen oder wurden entwurzelt, Gebäudeteile fielen zu Boden, Stromleitungen wurden beschädigt.

Rund 10 000 Haushalte im Landkreis ohne Strom

Und nicht nur in Treben. Im Netzgebiet von Mitnetz Strom verursachte Tief Eberhard zahlreiche Stromausfälle und Schäden – das Altenburger Land war dabei in Mitteldeutschland mit am stärksten betroffen: In der Spitze waren hier rund 10 000 Kunden ohne Strom. Die ersten Ausfälle traten im Landkreis am Sonntag gegen 19 Uhr auf, weitere Störungen folgten am Montag gegen 3 Uhr.

In Teilen der Gemeinde Nobitz und in südlichen Altenburger Ortsteilen wurde es bereits am Samstagabend duster. So gab es laut Mitnetz Strom zwischen 19.30 und 22.30 Uhr einen Stromausfall in der Region – rund 2000 Kunden waren von der Versorgung abgeschnitten. Betroffen waren unter anderem Lehndorf, Kotteritz, Mockern, Paditz, Podelwitz, Zehma und Zschechwitz. Am Sonntag gegen 19.30 Uhr dannn der nächste Ausfall – für eine Stunde.

Durch das Umschalten auf andere Leitungen und erste Reparaturen konnte die Versorgung wiederhergestellt werden, berichtete EnviaM-Sprecherin Evelyn Zaruba am Montagnachmittag. Während der Reparatur könne es jedoch noch einmal vereinzelt zu Stromausfällen kommen. Rund 150 Kunden waren in Posterstein und Beiern am Montagmittag noch ohne Strom – die Versorgung soll dort über Netzersatzanlagen gesichert werden. Die Reparaturarbeiten werden die gesamte Woche andauern, sagte Zaruba.

Netzbetreiber verweist auf Störungshotline

Hauptursache für die Stromausfälle waren umgestürzte Bäume sowie herabfallende Äste, die Leitungen herunterrissen und zu Mastumbrüchen führten. Im Verbreitungsgebiet von Mitnetz – südliches Sachsen-Anhalt, südliches Brandenburg, Sachsen und Ostthüringen – waren in der Nacht zum Montag zeitweise rund 40 000 Kunden ohne Strom. Laut EnviaM befinden sich derzeit insgesamt etwa 320 Mitarbeiter im Einsatz. „Die Monteure sind alle draußen und fahren die betroffenen Straßen ab – es wird alles kontrolliert“, erläuterte Zaruba. Die Beschädigungen werden priorisiert bearbeitet: nach Gefahr für Leib und Leben, Anzahl der zu versorgenden Kunden und der Schwere der Beschädigung. Der Netzbetreiber bittet darum, sich bei anhaltenden Störungen oder sichtbar defekten Leitungen und Anlagen umgehend unter der Störungshotline 0800 2305070 oder der Servicenummer 0800 2884400 zu melden.

Verwüstungen im Leinawald

Viel zu tun haben auch die Forstarbeiter im Altenburger Land. Bereits am Samstag musste die Landesstraße durch den Leinawald zwischen Klausa und Altmörbitz gesperrt werden, weil Bäume quer lagen – am Sonntagabend legte Tief Eberhard noch mal nach. Während die Straße am Montag vergleichsweise schnell wieder beräumt werden konnte, sind die Schäden im Wald noch gar nicht komplett abzusehen. Zahlreiche entwurzelte beziehungsweise abgeknickte Bäume sind zu verzeichnen. Revierförster Jörg Zippel schätzte die Schäden nach einem ersten unvollständigen Überblick am Montagvormittag auf zwischen 3000 und 5000 Kubikmeter Bruchholz. Damit liegen die Schäden immerhin nicht ganz so hoch wie im vergangenen Januar. Damals hatte Orkan Friederike großflächige Schneisen in den Wald gerissen. Die Folgen inklusive der nötigen Wiederaufforstung sind bis heute noch nicht komplett bewältigt.

Von Kay Würker, Jörg Wolf, Jörg Reuter, Maximilian König

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