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Meisterliche „Meisterklasse“ – Büschelberger brilliert als Callas

Landestheater Altenburg Meisterliche „Meisterklasse“ – Büschelberger brilliert als Callas

Ihr Abgang: Eine dunkle Silhouette, ein Schatten fast nur unter dem Firmament ihrer überlebensgroßen Star-Porträts: Violetta, Tosca, Norma. Schließlich das letzte Bild, privat, vereinsamt. Und dann Applaus, viel Applaus, zu allererst für eine außergewöhnliche Schauspielerin, für Annette Büschelberger als Maria Callas in Terrence McNallys „Meisterklasse“.

Annette Büschelberger als Maria Callas mit ihren Studenten.

Quelle: Sabina Sabovic

Altenburg. Ihr Abgang: Eine dunkle Silhouette, ein Schatten fast nur unter dem Firmament ihrer überlebensgroßen Star-Porträts: Violetta, Tosca, Norma. Schließlich das letzte Bild, privat, vereinsamt. Soeben hatte sie noch einmal ihr Credo formuliert, ganz allein für sich – natürlich aber für das gegenwärtige Publikum memorierend: „...wissen, was man im Leben will ... ehrlich singen ... mit eigenen tiefen Empfindungen.“ Und dann Applaus, viel Applaus, zu allererst für eine außergewöhnliche Schauspielerin, für Annette Büschelberger, die als Gast in Kay Kuntzes Inszenierung von Terrence McNallys „Meisterklasse“ die Legende Maria Callas verkörpert. Am Donnerstagnachmittag war am Landestheater Premiere.

Die Rolle ist diffizil, die äußere Handlung wenig dramatisch: Drei junge Gesangsstudenten sind Auserwählte, die mehr oder weniger vorbereitet, von sich überzeugt oder völlig verunsichert, Schüler der Weltberühmtheit sein dürfen, die ihre Bühnenkarriere vor Jahren beendete. Es ist eine harte Begegnung, aber die weitaus größere Dramatik liegt im Ringen der Diva mit sich selbst, in ihrer Selbstinszenierung. Der Unterricht ist öffentlich, und so ist die Callas permanent in einer Rolle. Vermeintlich will sie einzig nur arbeiten, jede Erwähnung ihrer Bedeutung unterbinden. Immer aber kommt sie in „diese andere Geschichte“.

Ihre Gedanken und Gefühle lassen sie unausweichlich an Ruhmesglanz und Lebenskatastrophe erinnern. Lehrt sie doch ihre Schüler tief empfinden, in der Musik entdecken, wie genau die Komponisten das Herz des Menschen kannten. Als sie jung war und nicht wirklich jung sein durfte, weil sie ihr Leben ihrer hartnäckigen Zielstrebigkeit unterordnete, wusste sie doch von Gefühlen und fand diese so reich ausgedrückt in der Musik. Später, im Leben mit Battista Meneghini und Aristoteles Onassis, wurden die Passionen ihre wirklichen Erfahrungen.

Ihrer Schülerin Sophie de Palma (Emma Moore), die Bellinis Amina vorträgt, macht sie die Partie der Sonnambula begreifbar. Anthony Candolino (Paul Kroeger), der als Puccinis Cavaradossi von der Gleichheit der Bilder singt, lässt sie erkennen, dass einem Ideal gehuldigt wird. Und Sharon Graham (Anne Preuß) lehrt sie, Verdis Lady Macbeth den Ausdruck von „mörderisch glücklich“ zu verleihen.

Annette Büschelberger, erstmals vor Jahren am Deutschen Nationaltheater Weimar in der Rolle der Callas, hat eine enorme Scala an Gestaltungsmitteln. Sie spannt einen großen Bogen und hat sofort die Aufmerksamkeit. Das Publikum im Saal wird zu jenem gedachten, das dem öffentlichen Unterricht beiwohnt. So, wie es der Autor wirklich selbst erlebte, 23 Jahre bevor er sein Stück schrieb. Sie provoziert Lachen, untersagt es, und in der nun herrschenden Konzentration tadelt sie viel, erlöst mit knappem Lob. Sie versetzt Stiche, ja Hiebe, den Schülern und allen einstigen Rivalinnen verbal – und korrigiert sich auch kokett.

Der Regisseur lässt die reale Aktion, die Handlung zwischen Lernenden und Lehrerin, und dem alle am Piano begleitenden Manny Weinstock auf der schmalen Bühnenrampe vor dem roten Samtvorhang spielen. Für das Zurückversinken der Callas in die Freuden des Triumphes und die Qualen der privaten Hölle hat die Szenografie von Christian Werdin eine zweite Sphäre geschaffen, ganz nah zwischen dem Publikum und in den Bild- und Tonfilmprojektionen über der Schauspielerin.

In diesen zwei Monologen der Callas brilliert die Büschelberger sprachlich, mimisch, gestisch so, dass sich der Gegensatz von leuchtender Karriere und düsterer Vita herausschält. Erschütternd gestaltet sie zugleich beide Gestalten: die Liebe Erflehende und den höhnend abweisenden Onassis. Ebenso berührend, wenn sie sich gar nicht exaltiert gegen Resignation ankämpfend fragt: „War diese ganze Unterrichterei ein Fehler?“ Dann wieder Augenblicke mit den jungen hoffnungsvollen Sängern, die gesanglich reif und ebenso schauspielerisch treffend dargestellt sind, wo die Callas wirklich mit Respekt deren Leistung anerkennt oder wie sie ihre unfreundliche Behandlung des Pianisten vergessen machen will.

Thomas Wicklein ist der schüchterne heimliche Verehrer und René Prautsch der taktlos störende Bühnenarbeiter. Ton- und Videotechnik arbeiten höchst präzise ihre Komponenten in das Geschehen ein. Kay Kuntze hat einen intelligent unterhaltenden, tief berührenden, die Kunst als Lebenselixier feiernden Theaterabend geschaffen – eine Hommage auf ein Künstler-Ethos, an die Callas, die auf der Bühne siegte, aber im Leben unterlag.

Weitere Vorstellungen in Altenburg: 25. März, 19.30 Uhr, und 25. Mai, 18 Uhr (16 Euro auf allen Plätzen). Karten an der Theaterkasse (Tel. 03447 585177), in der OVZ-Geschäftsstelle (Tel. 03447 574942), online buchen unter www.tpthueringen.de.

Von Helmut Pock

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