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Altenburg "Menschenrecht geht über Gesetz"
Region Altenburg "Menschenrecht geht über Gesetz"
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19:17 15.01.2014
Pfarrer Reinhard Kwaschik dankt bei einem Friedensgebet in der Brüderkirche allen, die an der Hilfsaktion für die tschetschenische Familie mitgeholfen haben. Quelle: Mario Jahn

Bei diesem handelt es sich um eine siebenköpfige Familie aus Tschetschenien, der die Gemeinde in den vergangenen Wochen Kirchenasyl gewährt hatte und sie damit vor einer Abschiebung nach Polen bewahrte.

Dahin hätten die Eltern und ihre fünf Kinder aufgrund der Dublin-II-Verordnung der Europäischen Union (EU) zurückgemusst, weil sie dort nach der Flucht aus ihrem Heimatland erstmals EU-Boden betreten haben. "Als ich hörte, dass das jüngste Kind der Familie, ein Baby, schwer krank und nach Lage der Dinge behindert ist, und die Mutter befürchtete, dass es ohne ausreichende ärztliche Versorgung sterben könnte, habe ich zugesagt", schildert Pfarrer Reinhard Kwaschik die Beweggründe für das Kirchenasyl. Denn er wisse, dass die gesundheitliche Versorgung von Flüchtlingen im Nachbarland östlich der Neiße alles andere als gut aussehe.

Also zogen die sieben tschetschenischen Flüchtlinge am 28. Dezember vom Schmöllner Asylbewerberheim, in dem sie zunächst gelebt hatten, ins Familienzentrum der Kirchgemeinde nach Altenburg. "Dass der dortige Raum mindestens 14 Tage leerstand, war ein weiterer Grund, der Familie einen Unterschlupf zu bieten", erklärte Kwaschik den Akt des zivilen Ungehorsams. "Denn Menschenrecht geht über Bürgerliches Gesetzbuch." Natürlich habe man befürchtet, dass der Staat sein Recht einfordert und man die Flüchtlinge mit einem Durchsuchungsbeschluss aus dem Familienzentrum hole, um sie anschließend abzuschieben. "Deswegen wusste auch nur ein kleiner Kreis der Kirchgemeinde davon. Und um das ganz klar zu sagen: Das ist eine absolute Ausnahme gewesen."

Glücklicherweise bewahrheiteten sich die Befürchtungen in den vergangenen knapp drei Wochen nicht - auch weil die Kirchgemeinde und das Landratsamt in dieser Frage dem Vernehmen nach gut zusammenarbeiteten. Seit gestern nun herrscht Klarheit: Die Familie aus der nordkaukasischen Republik, in der es wegen der Kriege mit Russland immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen und Verfolgung von Andersdenkenden kommt, darf zunächst in Deutschland bleiben - und zieht zurück ins Asylbewerberheim nach Schmölln. "Ich möchte allen, die daran mitgewirkt haben, danken und wünsche der Familie, dass sie hier eine neue Heimat findet", sagte Kwaschik während der gestrigen Andacht. Auch deswegen war sie etwas ganz Besonderes. Thomas Haegeler

Thomas Haegeler

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