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Altenburg Meuselwitzer Buntmetalldieb kommt mit Bewährung davon
Region Altenburg Meuselwitzer Buntmetalldieb kommt mit Bewährung davon
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15:34 05.02.2016
Der Fall wurde vorm Altenburger Amtsgericht behandelt. (Symbolfoto) Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Es ist selten, dass ein Richter einem Täter etwas spendiert – mal abgesehen von einer Strafe. Sandy Reichenbach bewilligte Maik S. 2,10 Euro für ein Bus-Ticket nach Meuselwitz aber nicht, weil er ein schlechtes Gewissen wegen der sechsmonatigen Haftstrafe hatte, die er dem 30-Jährigen wegen besonders schweren Diebstahls aufgebrummt hatte. „Sie sollen nicht noch eine Straftat begehen müssen, um nach Hause zu kommen“, begründete der Richter am Altenburger Amtsgericht vielmehr sein Tun.

Zum Gericht war der Hartz-IV-Empfänger allerdings schon von der Polizei chauffiert worden. Dass es im dritten Anlauf endlich klappte, den Diebstahl von Kupferrohren zu verhandeln, lag an einer Mischung aus Zufall und Medikamenten. Denn die Beamten hatten den Angeklagten auf Antrag von Staatsanwalt Frank Erdt gegen 9.15 Uhr schlafend in seiner Meuselwitzer Wohnung aufgegriffen, weswegen er vergaß, Geld einzustecken. Die vorigen Versuche waren gescheitert, weil die Polizei einmal keine Kapazitäten hatte, ihn festzuhalten, und ihn beim zweiten Mal nicht zur Verhandlung, sondern ins Krankenhaus gebrachte hatte.

Die Psychopharmaka gegen seine Schizophrenie machten ihn müde, erklärte der Angeklagte und legte seinen Kopf immer wieder auf den Tisch der Anklagebank. „Ich nehme was, um gegenzuwirken.“ Deshalb habe er vor etwa zehn Jahren angefangen, Crystal Meth zu konsumieren. Inzwischen nimmt er davon „eine Bahn am Tag für fünf Euro“. Aber auch seine psychische Erkrankung brachte ihm bei der Strafe keine Vorteile.

Gleich zu Beginn gestand Maik S., Ende Juli 2014 aus einem leerstehenden Einfamilienhaus in Meuselwitz Kupferrohre gestohlen zu haben. „Aber keine 52 Meter“, sagte er. Zehn Kilo soll die Waage des Wertstoffhändlers, bei dem er das Buntmetall abgegeben und dafür 40 Euro bekommen hatte, angezeigt haben. Das machte stutzig. Wichtiger waren aber die Zweifel daran, dass der Angeklagte durch einen von außen steckenden Schlüssel ins Haus gelangt sein soll. „Es spricht einiges dafür, dass Sie vorher schon mal da waren“, sagte Reichenbach bei der Urteilsbegründung. Damit meinte er den Fakt, dass S. den Schlüssel anschließend weggeworfen hat. Außerdem sagte ein Zeuge, dass er den Schlüssel nie habe stecken lassen und bereits zuvor jemand eingedrungen war.

Weil er mit einem falschen Schlüssel reingegangen sei, handele es sich um besonders schweren Diebstahl, fuhr Reichenbach fort. Für die moderate Erhöhung der Mindeststrafe von drei auf sechs Monate sprachen die Vorstrafen, die Hafterfahrung und der hohe Sachschaden von 600 Euro bei geringem Gewinn. Dass es noch mal Bewährung gab, lag hauptsächlich daran, dass es für S. seit 2009 die erste Straftat war. Es sind aber weitere Verfahren anhängig. Mit der Strafe, die auch 80 Arbeitsstunden enthält, folgte Reichenbach exakt der Forderung des Staatsanwalts. Die Verteidigung plädierte für drei Monate auf zwei Jahre Bewährung und 40 Stunden gemeinnützige Arbeit. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Thomas Haegeler

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