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Meuselwitzer CDU: Erst Machtkampf, dann Wahlkampf

Bürgermeisterkandidat Meuselwitzer CDU: Erst Machtkampf, dann Wahlkampf

Mit 93 Prozent haben die Meuselwitzer Christdemokraten ihren Ortsverbandschef Fred Reichel am Dienstagabend zum Bürgermeister-Kandidaten gekürt. Doch das eindeutige Ergebnis spiegelt mitnichten eine harmonische Wahlversammlung oder einen friedlichen Ortsverein wider. Durch die CDU an der Schnauder geht ein Riss, und sie verliert angesehene Mitglieder.

Ortsverbandschef Fred Reichel wurde am Dienstagabend zum Bürgermeister-Kandidaten gekürt.

Quelle: Mario Jahn

Meuselwitz. Bis zuletzt wurde versucht, Reichel von einer Bewerbung abzubringen. Stattdessen sprachen sich einige Mitglieder dafür aus, sich mit der Unabhängigen Wählergemeinschaft Wintersdorf (UWW) auf einen gemeinsamen Kandidaten für die Wahl am 10. Januar zu einigen. Das sollte dessen Vorsitzender Klaus-Peter Liefländer sein.

Doch Reichel und auch CDU-Stadtratsfraktionschef Matthias Wittig lehnten ab. Daraufhin trat Hubert Blawatt nach 21 Jahren aus der CDU aus. Er gehört neben dem auf Urlaubsreise befindlichen CDU-Urgestein Thomas Wyraz und Martin Kühn zu den Befürwortern eines gemeinsamen Kandidaten. "Reichel hat nicht die Kraft, die CDU zusammenzuhalten und die Meuselwitzer Probleme zu lösen", erklärte Blawatt der OVZ. Sagen konnte er das auf der Versammlung am Dienstag nicht mehr, weil er da schon kein Parteibuch mehr hatte. Weder Rede- noch Abstimmungsrecht bekam ebenso die einstige CDU-Ortverbandschefin und Bürgermeister-Stellvertreterin Antje Ulich. Nur einen Tag vor der Versammlung wurde ihr vom CDU-Parteigericht in Erfurt die aktive Teilnahme daran untersagt (siehe dazu Beitrag rechts oben).

Als traurig bezeichnete deshalb auch Martin Kühn den Zustand der Partei, deren innerparteiliche Demokratie und ihr Bezug zu den Problemen der Menschen zu wünschen übrig lasse. Dadurch und durch die Austritte werde es Reichel im Wahlkampf schwer haben. Das Schlachtfeld, das wir ihm hinterlassen, habe so viele Löcher, dass er aufpassen muss, dort nicht hineinzufallen, warnte Kühn. Völlig anders beurteilte Barbara Golder Reichels Chancen. "Ich traue ihm zu, die erfolgreiche Entwicklung der Stadt fortzusetzen", sagte die scheidende Bürgermeisterin. Der Kandidat werde wegen seiner beruflichen und kommunalpolitischen Laufbahn und Erfahrungen als starker Mann in der Region wahrgenommen.

Er spreche Klartext, zeige klare Kante, habe Visionen und übernehme Verantwortung, lobte auch Christopher Köhler. Reichel scheue sich nicht, in den Maschinenraum zu gehen.

"Ich weiß, wie die Menschen hier ticken", sagte Reichel in seiner Bewerbungsrede. Ihre Nöte und Sorgen habe er bereits als Chef der Städtischen Wohnungsgesellschaft kennengelernt. Nicht für alles gebe es sofort Lösungen, manches brauche Zeit, sagte der 54-Jährige. Das bislang Erreichte, wie Fernwärmeversorgung, Schnaudertalhalle, Klärwerk, Sportplatz Penkwitzer Weg oder Orangerie, sei maßgeblich von der CDU geprägt. Deshalb brauche sich die Partei nicht zu verstecken. Als wichtigste Ziele nannte er unter anderem die Stabilisierung der Finanzen, Erhalt von Kitas und Gymnasium und die Förderung der Wirtschaft. Den anstehenden Generationswechsel im Rathaus werde er nutzen, um eine junge, moderne, effektive und transparente Verwaltung zu installieren.

Reichel ist verheiratet, hat drei Kindern und wohnt in Meuselwitz.

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