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Altenburg Meuselwitzer Kulturausschuss will HASAG-Gedenken thematisieren
Region Altenburg Meuselwitzer Kulturausschuss will HASAG-Gedenken thematisieren
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06:02 29.08.2018
In den Baracken der HASAG an der Meuselwitzer Nordstraße waren die Zwangsarbeiter untergebracht. 2009 wurden die Gebäude abgerissen. Quelle: Mario Jahn
Meuselwitz

Es war eines der sensibelsten Themen in der Meuselwitzer Geschichte, dessen sich der Kulturausschuss in seiner jüngsten Sitzung annahm: Wie soll künftig mit der Erinnerung an den von der Hugo und Alfred Schneider AG (HASAG) in der Schnauderstadt unterhaltenen Standort verfahren werden? Der Metallverarbeitungs- und Rüstungskonzern hatte während des Zweiten Weltkriegs auch im Norden des Kreises zahlreiche Zwangsarbeiter aus dem Konzentrationslager Buchenwald eingesetzt.

Rehmsdorf gab Ausschlag

Aufs Tableau gehoben hatte die Verwaltung das Thema nicht zuletzt auf Anregung von Ordnungsamtsleiterin Denise Zeuke. Sie war vor einiger Zeit über die Buchenwald-Stiftung auf die Erinnerungskultur im nahen Rehmsdorf aufmerksam geworden. Auch in dem sachsen-anhaltischen Örtchen hatte der Konzern einst Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen ausgebeutet, in einer der ehemaligen Baracken wird in Form eines kleinen Museums an dieses dunkle Kapitel Ortsgeschichte erinnert.

Auch in Meuselwitz war die hiesige Außenstelle über die Jahre immer wieder Thema, wurden die Leiden der in der Schnauderstadt eingesetzten KZ-Insassen stetig ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt, wie eine von der Verwaltung erarbeitete und dem Ausschuss vorgelegte Chronik zeigte.

Gedenksteine und Bücher

So erinnern inzwischen bereits zwei Gedenksteine an die während des Dritten Reichs verübten Gräueltaten in Meuselwitz – einer zeugt seit 2005 an der Ecke Altenburger/Weinbergstraße von der düsteren Vergangenheit, seit 2010 wird auch am ehemaligen Betriebsstandort auf die Opfer verwiesen. Auch in mehreren Büchern ist das Leid der Zwangsarbeiter aufgearbeitet. Bereits 1997 legte der Ex-Auschwitz-Häftling Fred Schwarz in „Züge auf falschem Gleis“ auch Zeugnis über seine Zeit in Meuselwitz ab, 1999 verfasste auch Maria Kosk ihr Buch „Aus den Schließfächern der Erinnerung“, das jedoch erst 2016 unter dem Titel „Als Mädchen im KZ Meuselwitz – Erinnerungen von Maria Brzecka-Kosk“ in Deutschland herausgegeben wurde.

Ausstellung und Diskussionen

Im Heimatmuseum wurde ebenfalls Aufarbeitung betrieben: Dort gastierte 2004 die Sonderschau „Ausgebeutet, der Menschenwürde beraubt, und trotzdem Mut zum Überleben – Frauen in der HASAG“, eine Wanderausstellung der Leipziger Gedenkstätte für Zwangsarbeiterinnen. Zudem besuchten zahlreiche ehemalige Häftlinge im Laufe der Jahre die Schnauderstadt, berichteten von ihren Erfahrungen und kamen nicht zuletzt mit den Schülern der Stadt im Zuge von Veranstaltungen ins Gespräch.

Positionierung bis Jahresende

Wie nun künftig weiter mit der Erinnerung an die HASAG-Zwangsarbeiter umgegangen werden soll, will der Kulturausschuss mittelfristig erarbeiten. Ein Museum nach Vorbild von Rehmsdorf ist zwar nicht möglich, die letzten Baracken in der Nordstraße wurden bereits 2009 abgerissen. Das Thema ist indes in den Jahresarbeitsplan des Ausschusses aufgenommen worden. Mit einer ersten Positionierung der Mitglieder hinsichtlich des weiteren Vorgehens dürfte also noch in diesem Jahr zu rechnen sein.

Von Bastian Fischer

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