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Meuselwitzer Paar feiert 70 Jahre Zweisamkeit

Gnadenhochzeit Meuselwitzer Paar feiert 70 Jahre Zweisamkeit

Irmtraut und Rudolf Gerhardt feiern großes Jubiläum: Seit inzwischen 70 Jahren sind die beiden alteingesessenen Meuselwitzer verheiratet. Stolz können die Eheleute in der Rückschau auf vieles sein: Viele Reisen, ein ereignis- aber auch entbehrungsreiches Leben, zahlreiche gemeinsame Stunden – und eine große und glückliche Familie.

Irmtraut und Rudolf Gerhardt aus Meuselwitz feiern heute den 70. Hochzeitstag.

Quelle: Mario Jahn

Meuselwitz. Zahlreiche Glückwünsche dürften heute bei Irmtraut und Rudolf Gerhardt in Meuselwitz eingehen. Und der Anlass ist ein wirklich besonderer: Die beiden Senioren können Gnadenhochzeit feiern, blicken auf 70 gemeinsame Jahre zurück.

Dass sie einmal einen solchen Tag feiern könnten, ist dabei wohl insbesondere Rudolf Gerhardts Hartnäckigkeit zu verdanken. „Kennengelernt haben wir uns am zweiten Weihnachtsfeiertag 1944“, erinnert er sich. Gerade auf Fronturlaub, besuchte er mit einem Kameraden eine Feier. Alle Tische seien besetzt gewesen, nur neben Irmtraut und ihrer Freundin waren noch zwei Plätze frei. „Er hat sich dann ganz frech einfach neben mich gesetzt, wir kamen ins Gespräch und er hat mich noch nach Hause begleitet“, erzählt 92-Jährige schmunzelnd.

Nach seiner frühen Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft im Sommer 1945 dauerte es dann nicht mehr lange bis zum Antrag. Ein Jahr waren die beiden verlobt, erklärt Rudolf Gerhardt. Vor der Ehe stand allerdings noch die offizielle Genehmigung der Vermählung durch das Altenburger Jugendamt, da seine Irmtraut keinen Vater mehr hatte.

Geheiratet wurde dann am Ostersamstag 1947 an Irmtrauts 21. Geburtstag. Auch wenn die ersten Jahre nach dem Krieg für die junge Familie – Sohn Dietmar wurde 1948 geboren – hart gewesen seien, unterkriegen ließen sich Irmtraut und Rudolf Gerhardt nie. „Es gab Höhen und Tiefen, wir haben aber als Familie immer zusammengehalten. Und wenn es mal Streit gab, hat unsere Liebe das wieder ausgebügelt“, betont der 93-Jährige.

Den Lebensunterhalt bestritt der gelernte Maler zunächst in der Braunkohle, arbeitete anfangs noch nebenbei in einer Bäckerei. Sein Stundenlohn: Ein Pfund Brot für seine Familie. Später führte er 25 Jahre lang seinen eigenen Meisterbetrieb. Ehefrau Irmtraut war nicht nur Hausfrau,verdiente ihr Geld als Verkäuferin bei der Altenburger Handelsorganisation.

Die Familie sei, das betonen die beiden alteingesessenen Meuselwitzer, jedoch stets das Wichtigste gewesen. Neben zwei Söhnen können sich Irmtraut und Rudolf Gerhardt inzwischen über drei Enkelkinder und vier Urenkel freuen. „Wir haben unseren Kindern viel zu verdanken, sie sind immer für uns da“, unterstreicht Irmtraut Gerhardt. An den Wochenenden treffe man sich regelmäßig, verbringe viel Zeit im großen Garten einer Enkelin.

Den Haushalt bewältigen die beiden nach wie vor mühelos. Lediglich auf Reisen geht das Paar nicht mehr häufig. „Früher waren wir viel mit dem Auto unterwegs“, erzählt Rudolf Gerhardt, „nach der Wende etwa in Bayern und Österreich, zwei Mal auch mit der ganzen Familie auf Gran Canaria.“

Eine große Feier ist für heute, anders als bei den vorherigen Jubiläen, nicht geplant. „Wir wollen an unserem großen Tag ein wenig ruhiger treten“, erklärt Irmtraut. Ganz ohne Festlichkeiten soll die Woche jedoch auch nicht vonstatten gehen: „Am Wochenende werden wir sicher noch mal entspannt im Familienkreis feiern.“

Von Bastian Fischer

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