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Meuselwitzer Vereins-Enthusiasten machen einer alten Dame wieder Beine

Kohlebahn Meuselwitzer Vereins-Enthusiasten machen einer alten Dame wieder Beine

Die ehrenamtlichen Kohlebahner in Meuselwitz stemmen derzeit ein gewaltiges Projekt. Eine zweite Schmalspur-Diesellok vom Typ Schöma OFL-200V aus dem Jahr 1959 wird wieder flott gemacht. Doch dank tatkräftiger Unterstützer ist das Ziel in Sicht.

Joachim Döhler an der Schöma-Lok, die gerade wieder flott gemacht wird. Sie soll zu den Westerntagen rollen.

Quelle: Mario Jahn

Meuselwitz. Derzeit müssen sich Joachim Döhler und sein Team fühlen wie Lokschlosser. Denn bei der Kohlebahn ist unter anderem der 64-jährige Vereinsvize derzeit dabei, die zweite Schmalspur-Diesellok vom Typ Schöma OFL-200V aus dem Jahr 1959 wieder flott zu machen. „Unser Ziel ist es, die Maschine erstmals zu unseren Westerntagen im regulären Fahrbetrieb rollen zu lassen. Wir brauchen die Technik auch dringend, um unseren vorhandenen Fuhrpark zu ergänzen und die anderen ebenfalls sehr betagten Loks zu entlasten“, so der gelernte Ingenieurpädagoge. Eine weitere, vier Jahre jüngere Schöma ist bereits seit zwei Jahren fahrbereit und rollt regelmäßig auf den gut 15 Kilometern Kohlebahn zwischen Regis-Breitingen und Meuselwitz.

Einst rollten die beiden in der Maschinenfabrik Otto Schöttler in Diepholz gebauten Loks im Tagebau Helmstedt. Die Mibrag, die den Tagebau betreibt, schenkte 2015 den Kohlebahnern die beiden eingemotteten Maschinen, die bereits 1993 außer Dienst gestellt und gut 20 Jahre Stillstand hinter sich hatten.

„So eine Lok herzurichten, ist immer ein Abenteuer, weil man nach so langem Stillstand auch nie weiß, welche Überraschungen zutage treten“, schildert Döhler. Nun, die OFL-200V hatte ebenfalls einige solcher Macken parat. „Erst wurde die Karosserie beim Hertransport in Mitleidenschaft gezogen. Und dann gab es im März oder April 2016 die wohl größte Hiobsbotschaft bei einer ersten Funktionsprobe“: Zwar sprang der Motor relativ problemlos wieder an, aber um dessen Kraft tatsächlich auf die Achsen zu bringen, braucht es nun mal ein Getriebe. „Und dann klimperten im Getriebekasten die Reste eines Kegelzahnrads, das gebrochen war“, erinnert sich der Lokschrauber mit einigem Grausen.

Das ganze Projekt stand damit auf der Kippe, denn ein neues Zahnrad samt zwingend erforderlichem Gegenstück hätte laut Hersteller um die 7000 Euro gekostet. „Geld, dass wir nie und nimmer aufbringen konnten“, blickt Döhler zurück.

Aber Hilfe in der Not habe sich in der Firma DFL Dirk Fritz Laserservice in Kertschütz gefunden. Deren Inhaber erwies sich als ausgemachter Kohlebahnfan und schweißte mit Lasertechnik das ramponierte Zahnrad wieder zusammen und baute sogar ausgebrochene Zahnräder wieder auf. „Alles ist geröntgt und durchleuchtet. Das Getriebe ist wie neu“, freut sich Döhler heute, der sich beim Firmenchef für die Unterstützung bedankt. Ebenso bei der Ewa und der Mibrag, die das Projekt finanziell untersetzten.

„Jetzt kann die Lok wieder eingeachst und das Getriebe montiert werden. Wenn die Schöma dann rollt, kann der Innenausbau beginnen.“ Bis Mitte oder Ende kommenden Monats, so hofft Döhler jetzt, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann wird die alte Dame auch wieder ihre historische grünrote Lackierung tragen – ein Wunsch der Mibrag, dem die Kohlebahner gern nachkommen. „Danach, so ist unser Plan, erfolgt die Abnahme durch den Landesbeauftragten für Bahnbetrieb, was die Voraussetzung ist, um die Lok im Personenverkehr einsetzen zu dürfen.“ Döhler ist zuversichtlich, dass sich die unzähligen Stunden ehrenamtlicher Restaurierungsarbeit gelohnt haben und auch die zweite Schöma recht problemlos die Zulassung bekommt. Dann stünde dem ersten Einsatz zu den diesjährigen Westerntagen vom 18. bis 20. August nichts mehr im Wege.

Von Jörg Wolf

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