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Meuselwitzer ziehen mit Flaschenpost schwedische Freunde an Land

Chorkonzert feiert Kennenlernen Meuselwitzer ziehen mit Flaschenpost schwedische Freunde an Land

Vor 47 Jahren antworte Petra Wyraz auf eine Flaschenpost, die von einer schwedischen Fähre in die Ostsee geworfen wurde. Daraus erwuchs eine bis heute währende Freundschaft von ihr und ihrem Mann Thomas zu den Absendern. Nun kommt ein schwedischer Chor ins Altenburger Land, dessen Auftritte es ohne die Flaschenpost nicht gegeben hätte.

Petra Wyraz hält die kleine Flasche und dem Zettel mit der Schnapsidee von Inga-Sara Olofsson seit 47 Jahren in Ehren. Andenken für Ehemann Thomas an die erste Reise nach Schweden im Juli 1900 ist ein Bericht in der Tageszeitung vom denkwürdigen Besuch der Meuselwitzer in Mjolby.

Quelle: Mario Jahn

Meuselwitz/Mjolby. Inga-Sara Olofsson war happy, als sie an einem Sommertag 1970 mit ihrem Mann Leo auf einer Fähre von Travemünde nach Trelleborg saß. Beide hatten einen sitzen, eine kleine Flasche Johnny Walker war schon geleert. Da kam Inga-Sara auf die Idee, ihre Glücksgefühle auf einen Zettel zu schreiben, ihn in die Flasche zu schieben und diese in die Ostsee zu werfen. Die Flaschenpost kam an. Wenige Tage später zog sie Werner Löffler frühmorgens bei stürmischem Wetter an einem Strand bei Dranske auf Rügen aus dem Wasser und gab sie seiner Tochter Petra.

Die Meuselwitzerin, die damals die letzten Schulferien nach dem Abitur an der See verlebte, war elektrisiert von der merkwürdigen Post aus dem Westen. Wieder zu Hause schrieb die 19-Jährige auf Englisch zurück an die Adresse in Mjolby, einem kleinen Ort in Südschweden, die auf dem Zettel stand. „Du, der du diese Flasche findest, kontaktiere mich“, war dort auf Englisch zu lesen. Zwei Monate passierte gar nichts. Dann lag tatsächlich Post aus Schweden im Briefkasten. Das wiederholt sich fortan, denn Petra Wyraz pflegte mit ihrem Mann Thomas fortan diese Brieffreundschaft.

Solange, bis Inga-Sara und Leo Olofsson sich 1973 zum ersten Mal auf die 1800 Kilometer lange Reise nach Meuselwitz machten, um ihre Freunde persönlich kennenzulernen. Doch so einfach ging das nicht. „Wir brauchten eine Genehmigung, damit sie in die DDR einreisen konnten“, erinnert sich Thomas Wyraz. Treffpunkt war auf dem Leipziger Hauptbahnhof. Doch wie findet man jemanden im Getümmel, den man noch nie gesehen hat und nur von einem Foto kennt? Ganz einfach. „Wir blieben auf dem Bahnsteig so lange stehen, bis niemand mehr außer uns da war“, erinnert sich Petra Wyraz.

Von da an besuchte Leo Olofsson die Meuselwitzer jedes Jahr, auch seine zweite Frau Christine freundete sich mit Petra und Thomas Wyraz an und hob die Natürlichkeit und Warmherzigkeit vieler Menschen hervor, denen sie in der DDR begegnete. Bei den jährlichen Besuchen kam immer noch ein anderes Familienmitglied oder ein Freund der Schweden mit an die Schnauder. Es fanden gemeinsame Urlaube statt, wie an der Ostsee. Dort achtete die Staatsmacht streng darauf, dass die Schweden nur auf dem internationalen Campingplatz bei Bansin ihren Wohnwagen aufstellen durften, wo dann auch Familie Wyraz ihr Zelt aufschlug.

Wie gern hätten die Meuselwitzer ihre Freunde in Mjolby, dem Ort bei Östersund, besucht. Doch das war undenkbar. Im Herbst 1989 wurde alles anders. Am 12. November klingelte schon das Telefon. „Die Grenzen sind offen“, sagte Leo Olofsson am anderen Ende der Leitung. „Jetzt könnt’ ihr uns besuchen. Wann kommt ihr?“

Die erste Reise nach Mjolby fand dann im Juli 1990 statt – 20 Jahre nach dem Flaschenpost-Fund, worüber das Lokalblatt „Hälsinge Kurien“ auf zwei Seiten berichtete. „Wir waren bestimmt die ersten Ossis, die diese Gegend bei Östersund bis dahin bereisten“, schmunzelt Thomas Wyraz.

Seitdem besuchen sich beide Familien gegenseitig. An einem Abend beim Wein erzählte Christine Olofsson, dass sie in einem Chor singt, dem „Rödö Choir“, der auch schon im Ausland gastierte, so in den USA, Kanada, Island und Lettland. Zum Repertoire gehören schwedischer Folk und klassische Stücke. Auch volkstümliche Lieder, die die ABBA-Legenden Björn Ulvaeus und Benny Andersson komponierten, gehören dazu. Bald entstand die Idee, dass die 20 Sänger in Meuselwitz ein Konzert geben könnten. Und dazu kommt es nun auch. Der erste von insgesamt drei Auftritten findet am 2. Mai in der Kirche Treben statt. Es folgen öffentliche Konzerte am 4. Mai in der Kirche Zschernitzsch und am 5. Mai in der Martinskirche in Meuselwitz.

Inga-Sara Olofsson, die all dies vor 47 Jahren mit ihrer Flaschenpost erst ermöglichte, kann diesen Besuch nicht mehr erleben. Sie starb im Januar an Krebs.

Von Jens Rosenkranz

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